Whatsapp Freisteller

AG Grenzregion Charlemagne: Zwischen Wahrnehmung und Wirklichkeit

Von: Michael Grobusch
Letzte Aktualisierung:
14826110.jpg
Der Dreiländerpunkt als Symbol: „Das A und O ist das grenzüberschreitende Zusammenführen von Menschen“, sagt Luise Clemens über die Arbeit der AG Charlemagne Grenzregion. Foto: Manfred Kistermann
14825603.jpg
Sie sieht die AG Charlemagne Grenzregion durchaus als Erfolgsmodell an: Geschäftsführerin Luise Clemens. Foto: M. Grobusch

Städteregion. Von der Verwaltungsspitze erhält die Arbeitsgemeinschaft Charlemagne Grenzregion Lob in höchsten Tönen, in der Politik hingegen wird mitunter offen die weitere Unterstützung durch die Städteregion in Frage gestellt. In diesem aktuellen Spannungsfeld macht Luise Clemens ihre Arbeit. Und wundert sich über so manche Kritik, die sie für nicht gerechtfertigt hält.

Auf ihre Sicht der Dinge ist die AG-Geschäftsführerin im Gespräch mit unserer Zeitung näher eingegangen.

In den politischen Gremien bewegten sich die Fraktionen zuletzt häufig zwischen Unkenntnis und Ablehnung. Können Sie das nachvollziehen?

Clemens: Nein. Die AG Charlemagne Grenzregion ist ein Verknüpfungspunkt, das A und O ist das grenzüberschreitende Zusammenführen von Menschen. Besonders wichtig ist uns auch eine enge Kooperation mit der Euregio Maas Rhein. Wir führen in unterschiedlichen Themen Veranstaltungen durch, versuchen aber auch Projekte zu initiieren und geben sie dann mitunter an andere Institutionen ab. Vielleicht lässt sich der Erfolg unserer Arbeit deshalb auf den ersten Blick nicht so leicht feststellen.

Selbst Mitglieder des politischen Beirates scheinen aber nicht gut informiert zu sein über die AG.

Clemens: Wir nehmen Kritik ernst, informieren die Polititik aber regelmäßig und bieten eine hohe Transparenz. Wir verfassen einen Jahresbericht, verschicken einen regelmäßigen Newsletter, organisieren eine Reihe von Veranstaltungen und haben seit zwei Jahren – vor allem auf Drängen der deutschen Seite – den erwähnten politischen Beirat. Gerne beantworten wir auch zwischendurch Fragen zu aktuellen Projekten. Möglicherweise müssen wir aber auch daraus lernen und in Zukunft noch aktiver auf die Politiker zugehen.

Lebhafte Diskussionen hat es in der Städteregion auch über das Projekt Charlemagnebus gegeben, weil es vorerst keine elektrifizierte grenzüberschreitende Linie nach Belgien geben wird.

Clemens: Wir haben zunächst eine Studie machen lassen, die sich damit beschäftigt, inwieweit grenzüberschreitende Linien mit Elektrobussen möglich sind. Dabei haben sich zwei größere Anforderungen herauskristallisiert: die Ladesystematik und das Zusammenspiel zweier Betriebe, die gemeinsam eine Linie abdecken sollen. Wir haben uns dann als Pilotprojekt für die Linie 44 von Aachen nach Heerlen entschieden.

Von niederländischer Seiter gibt es einen hohen Druck, weil in Limburg bis 2023 das komplette Busnetz elektrifiziert werden soll. Auf deutscher Seite sind wir da auf einem guten Weg. Die Prüfung für einen geeigneten Ort für die Ladestation in der Nähe des Aachener Hauptbahnhofes läuft. Und die Aseag hat uns zugesagt, dass sie einen umgerüsteten Bus einsetzen wird. Sobald verfügbar, wird ein weiterer Elektrobus eingesetzt.

So wird die Linie 44 in der ersten Phase, voraussichtlich ab dem nächsten Jahr, zunächst zu 75 Prozent mit Elektrobussen und zu 25 Prozent mit einem Dieselfahrzeug bedient werden. Ab 2018 können wir also die Grenze mit einem E-Bus überschreiten. Das ist ein Erfolg.

Und warum funktioniert Vergleichbares nicht in Richtung Belgien?

Clemens: Die Deutschsprachige Gemeinschaft und ihr Ministerpräsident Oliver Paasch würden sehr gerne mitmachen. Aber die verkehrstechnische Kompetenz liegt bei der Wallonie in Namur, und das zuständige Unternehmen TEC hat sich zwischenzeitlich für die Hybridtechnik entschieden. Die Verkehrsunternehmen verfolgen alle ihre eigenen Ziele. Ich bin mir aber sicher, dass die erste Modelllinie auch in Ostbelgien Bewegung in die Sache bringen wird. Wir haben viel Zeit und Energie in dieses Projekt gesteckt und werden es auch weiterverfolgen.

Gibt es auch andere Projekte, an denen Sie arbeiten?

Clemens: Ein größeres läuft gerade an, dabei geht es um ein grenzüberschreitendes Wohnmonitoring. Erste Bemühungen dazu hat es schon 2013 gegeben, doch die sind auf einer relativ einfachen Ebene geblieben und wurden dann leider nicht weiterverfolgt. Als Ergebnis des Förderprojektes „Moro“, einem Modellprojekt der Raumbeobachtung, das die Charlemagne Grenzregion durchgeführt hat, ist das Thema „grenzüberschreitendes Wohnmonitoring“ wieder stärker in den Fokus gerückt.

Damit erhalten wir erstmal verlässliche grenzüberschreitende Daten, die uns einen besseren Umgang mit Wohnraumbedarfen und -lösungen ermöglichen. Auf Inititative der Charlemagne ist nun unter der Federführung des Zweckverbandes Region Aachen eine erste Skizze als Projektantrag für eine Interreg-Förderung (Interreg ist eine Gemeinschaftsinitiative des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung, Anm. d. Redaktion) eingereicht.

Im Juli fällt voraussichtlich die Entscheidung, ob sich dieser Projektantrag konkretisieren wird. Wir haben hier mit der Wallonie, Ostbelgien, der Provinz Limburg und der Agit Aachen namhafte Partner gewinnen können. Deshalb bin ich sehr zuversichtlich.

In der Politik wurde darüber geredet, dass das Arbeitsfeld der AG um den Bereich Tourismus erweitert werden könnte beziehungsweise sollte. Was halten Sie davon?

Clemens: Hier gibt es schon viele Player, die gut zusammenarbeiten – auch grenzüberschreitend. Aus unserer Sicht gibt es für uns an dieser Stelle wenig Handlungsbedarf.

Und wie groß ist der Handlungsbedarf in Sachen Finanzen bei der AG Charlemagne Grenzregion?

Clemens: Wir haben einen jährlichen Etat von 155.000 Euro, die Städteregion beteiligt sich mit 38 750 Euro. Mit unserem Etat werden sowohl die Geschäftsführung als auch die Öffentlichkeitsarbeit und die Umsetzung von Projekten abgedeckt. Darüber hinaus gibt es die Option, über Partner in Förderprogramme zu kommen. Für die Arbeit, die geleistet werden soll, kommen wir also gut klar mit dieser Finanzierung.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert