Aachener Taxis steuern deutlich höhere Tarife an

Von: Robert Esser
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Nach 2012 steht nun die nächste Tariferhöhung für das Taxi-Gewerbe an: Viele Fahrer fürchten, dass die Warteschlangen – hier am Hauptbahnhof – dann länger werden, weil Kundschaft ausbleibt. Foto: Michael Jaspers
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Klagt über „schwarze Schafe“ im Fahrgastgeschäft: AAV-Vorsitzender Christoph Radermacher. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Kein Scherz: Ab April 2015 sollen die Taxipreise in Aachen und der Städteregion erheblich steigen. Statt bislang 3 Euro Grundgebühr in Aachen wären dann nach dem Vorschlag der Aachener Funkzentralen 3,80 Euro fällig.

Pro Kilometer sollen nicht mehr 1,60 Euro, sondern 1,90 bis 2 Euro berechnet werden. Damit würden sich Taxifahrten um rund 25 Prozent verteuern. Im März könnte das Zahlenwerk, das jetzt für die gesamte Städteregion vom Straßenverkehrsamt in Würselen ausgearbeitet wird, im Aachener Stadtrat und im Städteregionstag beraten und beschlossen werden. Darauf haben sich am Mittwoch Aachens Rechtsdezernentin Annekathrin Grehling und ihr städteregionaler Kollege Gregor Jansen verständigt, wie das Presseamt am Mittwoch auf AZ-Anfrage bestätigte. Die letzte Tariferhöhung war 2012.

Ob das Straßenverkehrsamt die Preismodelle der städtischen Taxifahrer oder ein anderes aus dem ehemaligen Kreis Aachen bevorzugt, ist noch offen. Man sucht Kompromisse. Klar ist nur, dass es 2015 unterm Strich für alle deutlich teurer wird.

Wobei Aachen ein wenig hinterher hinkt: Bundesweit lässt der neue Mindestlohn von 8,50 Euro pro Stunde für angestellte Taxifahrer seit dem 1. Januar 2015 die Preise für die Fahrgäste klettern. „Uns bleibt gar keine andere Möglichkeit, um die wachsenden Kosten zu kompensieren“, sagt Christoph Radermacher. Der AAV-Vorsitzende ist in der größten Funkzentrale der Stadt für 136 Taxis zuständig. Konzessioniert sind laut Aachener Autodroschkenvereinigung insgesamt 180 Fahrzeuge in der Kaiserstadt. So zählt allein die AAV rund 450 Fahrer – inklusive Aushilfen. „Aber es werden schon weniger. Viele Taxi-Unternehmer können ihre Mitarbeiter nicht mehr bezahlen“, sagt er.

Inklusive Sozialabgaben, Versicherungen etc. veranschlage er für den Arbeitstag eines Taxifahrers auf acht Stunden nunmehr rund 130 Euro, rechnet Radermacher vor. „Oft kommen die Kollegen aber mit weniger als 80 Euro nach einer Schicht zurück. Wie soll sich das rechnen?“, fragt er. Wobei Radermacher nicht den höheren Stundenlohn für Taxi-Fahrer kritisiert, der früher nach seinen Angaben zwischen 6 und 7,50 Euro lag. „Unser Ruin sind die schwarzen Schafe der Branche. Die pappen sich einen Mietwagen-Aufkleber aufs Auto und grasen nachts zu Dumping-Preisen unsere Kundschaft ab“, klagt er. „Wir brauchen da dringend mehr Kontrollen“, fordert der AAV-Chef. „Da greift keiner durch.“

Und wie die im Vergleich zum Taxi deutlich preiswerteren Tarife der Mietwagen-Unternehmer auf legalem Weg Mindestlöhne für deren Fahrer erwirtschaften sollen, gibt Radermacher Rätsel auf. „Im Taxi-Gewerbe gehen viele davon aus, dass das nicht immer legal laufen kann“, sagt er mit aller Vorsicht. Radermacher wünscht sich einen Runden Tisch mit der Stadt, um derlei Probleme offen zu diskutieren.

Radermacher glaubt, dass die Taxibranche nur überleben kann, wenn sie sich auf ihre Tugenden besinnt: mehr Service, mehr Freundlichkeit, mehr Sauberkeit und hochwertige Fahrzeuge. „Taxifahren ist für viele heutzutage Luxus – fühlt sich im Wagen aber nicht immer so an“, sagt er.

All dies führe dazu, dass die AAV-Auftragsstatistik Jahr für Jahr bergab gehe. 2014 zählte man 475.000 Fahrten. 2006 waren es 595.000 Aufträge. So werden weder Taxifahrer noch Kunden die Preiserhöhung mit Humor nehmen.

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