Aachener Bahnhofsmission hilft in der gesamten Städteregion

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Ein tolles Team, das noch Verstärkung benötigt: Die Helfer der Bahnhofsmission Aachen mit Leiterin Elke Schreiber (rechts) und dem städteregionalen Ehrenamtsbeauftragten Theo Steinröx (3. von links). Foto: Städteregion Aachen

Städteregion Aachen. Schon seit Wochen saß der ältere Mann tagein, tagaus auf dem Aachener Bahnhofsvorplatz. „Wir haben ihn jeden Tag freundlich gegrüßt und angesprochen, aber nie kam ein Wort zurück“, erinnert sich die Leiterin der Aachener Bahnhofsmission, Elke Schreiber noch, als wäre es gestern gewesen.

 „Es hat ganze zwei Wochen gedauert, bis er zumindest einmal einen warmen Tee von uns angenommen hat.“ Beharrlichkeit und Zeit für die Menschen ist aber eine Stärke des Teams der Bahnhofsmission Aachen, die für den Bereich der gesamten Städteregion zuständig ist. „Irgendwann ist er dann aber auch mit uns ins Gespräch gekommen und hat erzählt, dass er durch den Tod seiner Frau ins Bodenlose gestürzt ist. Auch wenn er eine Wohnung hatte, war er praktisch seelisch obdachlos geworden.“

Letztlich konnte ihm geholfen werden, die Vermittlung in eine Selbsthilfegruppe für verwitwete Menschen brachte ihn wieder ins Gleichgewicht. „Man kann desorientiert sein, wenn man den Zug nicht findet, aber auch, wenn man im Leben nicht klarkommt.“ In diesem Satz von Elke Schreiber liegt so etwas wie die Quintessenz der täglichen Herausforderungen der Bahnhofsmission. Denn neben der Hilfe in den vielfältigsten Notlagen ist es auch immer wieder die ganz banale Unterstützung der Helferinnen und Helfer in Blau beim Umsteigen von einem Zug in den anderen, die benötigt wird.

Neben Problemen mit Fahrstühlen, die auch schon einmal defekt sind, sind es verstärkt ältere oder behinderte Menschen, die zu ihren Angehörigen reisen wollen, sich auf einem großen Hauptbahnhof beim Umsteigen aber nicht mehr zurechtfinden. „Auch hier helfen wir gerne und natürlich kostenfrei. Die Ehrenamtler der Bahnhofsmission nehmen sie an die Hand und bringen sie sicher an ihr Ziel. Dabei wird eine Reisebegleitung vom Start- bis zum Zielbahnhof durchgängig ermöglicht.“

Der Beauftragte für das Ehrenamt der Städteregion Aachen, Theo Steinröx, hat sich jetzt vor Ort bei der Aachener Bahnhofsmission umgesehen. „Auch das ist Ehrenamt im Jahr 2017 und zwar ein ganz besonders wertvolles!“ so Steinröx, sichtlich bewegt. Er selber hat – nicht zuletzt durch seine langjährige berufliche Tätigkeit als Beamter der Kriminalpolizei – schon viel erlebt. Aber auch er hörte bei dem Termin von Einzelschicksalen, die berührten.

„Vor einiger Zeit brachten Menschen eine Frau zu uns, die auf gut deutsch gesagt komplett am Boden war. Drogen, der Mann im Gefängnis und etliches weiteres – kurzum: Sie hatte jeglichen Lebensmut und –willen verloren.“ Es gelang dem Team der Bahnhofsmission aber, Schritt für Schritt wieder an sie heranzukommen. „Sie aß und trank wieder, ein Arztbesuch wurde vermittelt und es ging wieder bergauf. Heute erkennen sie die Frau kaum wieder,“ so Schreiber. Auch wenn die Helferinnen und Helfer nicht immer alles selbst regeln können: Sie kennen sich bestens im sozialen Netz der Region aus und können immer passgenaue Hilfe vermitteln. Namen nennt Schreiber übrigens nie: Das Gebot der Anonymität wird ganz groß geschrieben: „Wer zu uns kommt, betritt einen Raum der Ruhe und Sicherheit. Das garantieren wir.“

Schreiber ist übrigens die einzige hauptamtliche Kraft der Bahnhofsmission Aachen. Derzeit wird sie von 16 ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern unterstützt. Das Team ist buntgemischt. „Von 18 Jahren bis zur 82-jährigen geht das Spektrum und vom Ungelernten bis zum Professor.“

Alle Ehrenamtler werden vorab auf ihre Aufgaben vorbereitet, sie besuchen gezielte Schulungen. Einer von ihnen ist Professor Dr. Arno Giesbrecht. Der ehemalige Leiter des Euregio-Kollegs in Würselen beschreibt, wie er zur Bahnhofsmission gekommen ist: „Kurz vor meiner Pensionierung hatte ich in Münster im Bahnhof einen längeren Aufenthalt und dann habe ich mich einfach mal vor Ort informiert, wie man da helfen kann. Das fand ich letztlich so interessant, dass ich jetzt in Aachen in die Arbeit fest eingestiegen bin. Das geht jetzt schon dreieinhalb Jahre so und ich habe keinen Tag davon bereut. Man erlebt dabei die vielfältigsten Dinge und bekommt oft eine ganz direkte Rückkoppelung, dass genau diese Hilfe benötigt wurde und gut angekommen ist.“ Viel Zeit hat Giesbrecht allerdings nicht, er muss schnell wieder zu den Gleisen und einer betagten Dame beim Umsteigen helfen. „Wir haben nur sechs Minuten, aber das bekommen wir schon hin“, verabschiedet er sich wie immer bestens gelaunt.

„Es ist schlichtweg grandios, was die ehrenamtlich Tätigen hier Tag für Tag leisten, das ist gelebte Nächstenliebe. Hilfe, die benötigt wird und ankommt“, ist Steinröx beeindruckt.

Bei rund 20 000 Hilfeleistungen im vergangenen Jahr allein in der Städteregion sind die aktuell 16 Ehrenamtler allerdings am Rande ihrer Leistungsfähigkeit angekommen. Und so rührt Steinröx auch ungewohnt deutlich die Werbetrommel: „Viel sinnvoller kann man sich nicht ehrenamtlich einbringen. Ich würde mich freuen, wenn sich der ein oder andere einfach mal informieren würde, wie man helfen kann“. Am besten macht man das direkt vor Ort. Die beste Gelegenheit einmal reinzuschnuppern besteht am 22. April, dem „Tag der Bahnhofsmission“. In der Zeit von 12 bis 15 Uhr gibt es auch in Aachen einen Tag der offenen Tür unter dem Motto: „Hoffnung geben, wo Menschen leben.“ Elke Schreiber ist über jede Unterstützung froh: „Ich arbeite hier in Aachen schon 12 Jahre und bis jetzt ist noch keiner gekommen, für den wir keine Aufgabe gefunden haben, die zu ihm passt.“

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