25 Jahre intensiv gelebte Partnerschaft

Von: Jutta Geese
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Lebensfreude pur: Bei der Eröffnung der Fotoausstellung zum Riesengebirge im Foyer des Städteregionshauses sorgte die Folkloregruppe „Karkonosze“ für Stimmung. Dem konnten sich (von links) Dezernent Axel Hartmann, Fotograf Zbigniew Kulik sowie (Bildmitte) Landrätin Anna Konieczynska und Städteregionsrat Helmut Etschenberg nicht entziehen. Foto: Andreas Herrmann

Städteregion. Die Begeisterung hielt sich in Grenzen, als sich SPD und Grüne Mitte der 1980er Jahre für eine Partnerschaft mit einem polnischen Kreis einsetzten. Eine Patenschaft, wie sie seit den 1960er Jahren mit dem Landkreis Wroclaw, ehemals Breslau, bestand, erschien ihnen nicht mehr zeitgemäß.

Eine Partnerschaft auf Augenhöhe hielten sie für angemessen. Zunächst stießen sie jedoch auf Zurückhaltung, ja sogar Ablehnung. „Auf beiden Seiten“, wie sich der damalige Landrat Hans-Günter Bömeke (SPD) noch lebhaft erinnert. „Der Eiserne Vorhang war ja noch nicht gefallen.“ Doch er ließ sich damals nicht beirren. Und so konnte sein Nachfolger und Parteifreund Walter Meyer am 28. März 1990 die Rahmenvereinbarung zur Partnerschaft mit Jelenia Gorá, ehemals Hirschberg, unterzeichnen. 25 Jahre später ist die Partnerschaft geprägt von „Vertrauen, Verlässlichkeit, Wertschätzung und Freundschaft“, betonte Städteregionsrat Helmut Etschenberg bei der Jubiläumsfeier.

Beitrag zur Völkerverständigung

„In keinem anderen Rahmen wird Europa so konkret gelebt und erlebt wie in grenzübergreifenden Städtepartnerschaften“, stellte Etschenberg fest. „Wir tragen bis heute zur Völkerverständigung und zum Zusammenwachsen Europas bei. In den vielfältigen Aktivitäten transnationaler Netzwerke zwischen den Kommunen wächst Europa zusammen und garantiert Frieden, Wohlstand und Stabilität.“ Aber es müsse weiter an Europa gearbeitet werden, mahnte Etschenberg, und das sowohl im jeweils unmittelbaren Grenzraum bei Themen wie grenzüberschreitende Vermittlung von Arbeitsplätzen, Verbesserung der Verkehrsinfrastruktur, Naherholung und Tourismus als auch transnational im Austausch mit Grenzkommunen aus anderen Regionen. Anna Konieczynska, seit Dezember 2014 neue Landrätin von Jelenia Gorá, unterstrích die Bedeutung der Partnerschaft für beide Seiten.

Austausch von Fachkräften

In zahlreichen Arbeitskreisen, die thematisch von Sport über Gesundheit bis zur Wirtschaft reichten, hätten die Städteregion beziehungsweise früher der Kreis Aachen und Jelenia Gorá eine ganze Reihe von Projekten entwickelt, von denen beide Partner profitierten. Konieczynska führte unter anderem den Austausch von pädagogischen Fachkräften aus Förderschulen an, die Ausbildung junger Leute in der Verwaltung und die gemeinsame Präsentation auf internationalen Tourismusmessen. Gemeinsam gelinge es seit vielen Jahren, EU-Fördergelder für gemeinsame Projekte zu akquirieren. „Dass wir heute 25 Jahre aktive Partnerschaft feiern dürfen, ist etwas sehr Seltenes. Ich empfinde das als etwas Wunderbares und möchte aus tiefstem Herzen allen danken, die das vor 25 Jahren begonnen haben.“

Ihr Dank galt aber nicht nur den Initiatoren wie Hans-Günter Bömeke und dem früheren Landrat Carl Meulenbergh (CDU), der freimütig bekannte, dass er damals ein Gegner der Partnerschaft gewesen sei, was sich aber schnell gelegt habe. Sie dankte auch all denjenigen, die durch viele Besuche und soziales Engagement den Grundstein für die freundschaftlichen Kontakte gelegt haben. Zu den rührigsten „Botschaftern“ der deutsch-polnischen Freundschaft gehören dabei die Vertreter des Freundeskreises, Ursula und Walter Etschenberg, und ihre Mitstreiter, die sich seit vielen Jahren insbesondere in sozialen Projekten in Jelenia Gorá engagieren.

Jugendbotschafterinnen

Damit die Partnerschaft auf Augenhöhe auch in den kommenden Jahren Bestand hat, versuchen beide Seiten, die junge Generation stärker einzubeziehen. Die Städteregion hat mit Claudia Wolski (14) und Jessica Zowislo (16) zwei sogenannte Jugendbotschafterinnen ernannt. Die beiden deutsch und polnisch sprechenden Schülerinnen aus Stolberg sollen die Aktivitäten im Jubiläumsjahr begleiten und aus dem Blick der Jugend neue Impulse setzen. Jelenia Gorá hat mit Ewa Malinowska, Patrycja Bawrzyniak, Tomasz Preizner und Mateusz Felczek gleich vier 16-Jährige für diese Aufgabe gewonnen.

Mit der Unterschrift unter die Partnerschaftserklärung und der Eintragung ins Goldene Buch der Städteregion bekräftigten Helmut Etschenberg und Anna Konie-czynska die Partnerschaft. Vor der offiziellen Feier hatten sie zusammen mit vielen Gästen und der Folkloregruppe „Karkonosze“ eine sehenswerte Fotoausstellung mit dem Titel „Das Riesengebirge gestern und heute“ des Fotografen Zbigniew Kulik im Foyer des Städteregionshauses eröffnet. Kulik ist übrigens ein bekennender Freund der Partnerschaft: Er gehörte vor 25 Jahren zur ersten Gruppe aus Jelenia Gorá, die den damaligen Kreis Aachen besuchte.

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