Zwölf Missbrauchsfälle am Aloisius-Kolleg bekannt

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Canisius-Kolleg
Schüler stehen vor dem Canisius-Kolleg in Berlin. Nach den Missbrauchsvorwürfen an dem Berliner Gymnasium hat die Schule unter verschärften Sicherheitsbedingungen den Unterricht nach den Winterferien aufgenommen. Auch am Bonner Aloisiuskolleg sind Missbrauchsfälle bekannt geworden. Foto: dpa

Bonn. Am Bonner Aloisiuskolleg des Jesuitenordens waren bis zum Dienstag zwölf Fälle sexuellen Missbrauchs von Schülern durch Lehrer bekannt. In einem Fall hat das Kolleg nach Angaben von Sprecher Robert Wittbrodt die Staatsanwaltschaft eingeschaltet.

Der bisheriger Rektor des Aloisisus Kollegs, Pater Theo Schneider, war am Montagabend von seinem Amt zurückgetreten, nachdem ihm Mitwisserschaft vorgeworfen worden war. Mit diesem Schritt wolle er eine lückenlose Aufklärung auch der gegen ihn erhobenen Vorwürfe ermöglichen, hatte er erklärt.

In vier Fällen werde ein Pater belastet, der von 1952 bis 1962 an der Schule gewirkt habe und 1972 verstorben sei, sagte Wittbrodt. Dabei sei zum Teil von wirklich schwerem sexuellen Missbrauch die Rede. Die übrigen Vorwürfe beträfen einen zweiten Pater, der bis 2007 am Kolleg gewesen sei und jetzt 82-jährig in einem Pflegeheim lebe. Die ihm angelasteten Vorfälle beziehen sich auf die 70-er und 80-er Jahre sowie den Anfang der 2000-er Jahre. Ein der Schule nicht bekannter ehemaliger Schüler hat den Vorwurf erhoben, von diesem Pater beim Duschen angefasst worden zu sein. In diesem Fall sei die Staatsanwaltschaft eingeschaltet worden, sagte Wittbrodt.

Die Aufarbeitung der letztgenannten Fälle sei natürlich besonders wichtig, sagte Wittbrodt. Aber es müsse auch gesagt werden, dass der jetzt im Pflegeheim lebende Pater „viel zu lange hier war und es versäumt wurde, klare Abgrenzungen zu finden”. Das mache es insbesondere für die Schüler schwer, das Ganze zu verstehen.

Gegen Mitglieder des jetzigen Lehrerkollegiums seien keine Vorwürfe erhoben worden. „Neben der Krise, die es gab, als die Nazis diese Schule schlossen, ist das die schwerste Krise, die das Kolleg erlebt”, sagte Wittbrodt.

Das Aloisiuskolleg mit etwa 800 Schülerinnen und Schülern ist eines von drei Gymnasien in der Trägerschaft des Jesuitenordens. Seit gut einer Woche waren Missbrauchsfälle an allen drei Gymnasien - neben dem Aloisiuskolleg das Berliner Canisius-Kolleg und das Kolleg St. Blasien im Schwarzwald - bekanntgeworden.
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