Eeklo - Zwischen Dorfbühne und großem Festival

Zwischen Dorfbühne und großem Festival

Von: Thorsten Karbach
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Junge mit Gitarre, auf diesem
Junge mit Gitarre, auf diesem Foto aber ausnahmsweise ohne Gitarre: Tom Dice ist so etwas wie Belgiens Antwort auf Lena Meyer-Landrut. Foto: Universal

Eeklo. Tom Dice ist immer noch der Junge mit der Gitarre. Er ist immer noch der, der erst den Blick demütig gesenkt hielt und dann schüchtern in die Welt hinaus lächelte, als tausende Norweger sein Gitarrenspiel und sein Lächeln ins Herz schlossen. Tom Dice ist so etwas wie das belgische Pendant zu Lena Meyer-Landrut.

Auch wenn er nur Sechster beim Eurovision Song Contest wurde - aber er war so etwas wie der zweite Gewinner der Lena-Festspiele.

Wenn in Lenas Schatten Platz für einen weiteren Lichtblick war, dann war dies der junge Belgier, 20 Jahre alt, der eigentlich Tom Eeckhout heißt.

In Eeklo, 24 Kilometer westlich von Brügge, wird Dice am 15. August noch einmal ein Heimspiel haben. Er ging als chancenloser Niemand nach Oslo und kam als Star in die kleine Stadt zurück. Beim Herbakkers Festival dreht sich alles nur noch um Tom Dice, den Sohn der Stadt. Der kreist bis dahin durch Europa.

Promotion, Festivals, Konzerte. Ende August kommt er zu fünf Konzerten nach Deutschland, spielt am 30. August, im Kölner Luxor. Es sind seine ersten Konzerte in Deutschland und noch vor ein paar Wochen hätte er selbst nicht mal daran gedacht, bei einem rheinischen Schützenfest auftreten zu dürfen.

„Ich freue mich so sehr drauf, ich hoffe, ich kann die Menschen in Deutschland für mich gewinnen”, sagt er. Seit Oslo ist eben alles anders. „Mein Leben hat sich sehr verändert”, sagt er jetzt, fast drei Monate später. Das klingt nach Lena, nur das Dice nicht wie ein Wirbelwind herumtobt. Er ist der nachdenklichere Typ.

Ein ruhiger Schmachter, dessen Musik aber insgesamt rockiger ist, als es die Ballade „Me and my guitar” vermuten ließ.

Wenn es Charme war, der an diesem Maiabend in Oslo die Menschen begeisterte, dann war es versteckter, kein offenherziger wie bei Lena. Aber auch oder gerade als nachdenklicher Gegenentwurf zur Strahle-Lena lässt er sich vermarkten.

Gefühlte Ewigkeiten

Sein Album „Teardrops” ist das bestverkaufte Album eines belgischen Interpreten seit gefühlten Ewigkeiten und wurde vom Plattenlabel Universal auch ins deutsche Programm aufgenommen. „Me and my guitar” schaffte es bis auf Platz 20 der deutschen Charts und europaweit in die Top 100.

In Belgien war der verträumte Song - natürlich - Nummer 1. Und wenn man so will, hat es Dice sogar geschafft, die Interessen des sonst so zerstrittenen Landes zu vereinen, auf sich: Sie alle wollten Dice hören und sehen. Flamen, Wallonen, Deutschsprachige - alle.

Tom Dice erlebt all das, was Lena in Deutschland durchmachen darf, will, muss. Nur eben in belgischen Dimensionen. Und deswegen ist er unterwegs. Es sind auch viele alte Verpflichtungen, die ihn auf Festivals auftreten lassen, auf denen er sich die Bühne mit örtlichen Tanzschulen und Männergesangsvereinen teilen muss.

Die Veranstalter reiben sich die Hände. Nach Oslo hätten sie sich Dice nicht mehr leisten können. Doch die Verträge sind weit älter, Dice erinnert sich noch gut an die Zeit, in der er einfach froh war, überhaupt auftreten zu dürfen. Egal, wer vor ihm über die Bühne hopste.

Dice steht zu seinem Wort. „Ich war vor dem Contest nicht einmal in Belgien besonders bekannt. Und nun bin ich sehr bekannt, auch in Europa, und es ist das beste, was mir passieren konnte”, sagt er nur. 2008 wurde er zwar Zweiter beim „X-Factor”, einer Art Belgien-sucht-den-Superstar-Castingshow, und schnell wieder vergessen.

Dice lächelt verlegen, wenn er über Erfolg reden muss. „Ich versuche, ruhig zu bleiben, und ich darf weiterhin machen, was ich liebe: Ich singe und teile meine Musik mit jedem, der das möchte.” Hunderttausende sind das in Europa mittlerweile.

Doch anders als bei Lena geht es den Menschen tatsächlich um Musik, für bunte Boulevardgeschichten ist Dice zu ruhig, zurückgezogen, mag man gar sagen. „Ich bin immer noch der gleiche Mensch und ich versuche so oft es geht, bei meinen Freunden und meiner Familie zu sein”, sagt er selbst.

Er, der Junge mit der Gitarre.
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