Zweite Runde im Prozess gegen Ex-Chefarzt Arnold Pier

Von: Manfred Kutsch
Letzte Aktualisierung:
Arnold Pier
Der frühere Wegberger Klinikchef und Chefarzt Dr. Arnold Pier muss sich vor dem Landgericht Mönchengladbach verantworten. Foto: Ralf Roeger

Mönchengladbach/Wegberg. Das Verfahren gegen den früheren Klinikchef von Wegberg Arnold Pier ist in die zweite Runde gegangen. Nach dem Abbruch der Hauptververhandlung wegen der Erkrankung eines Schöffen sowie einer Verurteilung zu 15 Monaten Haft auf Bewährung wegen Körperverletzung mit Todesfolge werden bis Ende Mai die Schicksale 17 weiterer Patienten vor dem Landgericht Mönchengladbach aufgerollt.

Im am Donnerstag mit zwei neuen Schöffen verhandelten Fall der verstorbenen Anna S. (76) wirft die Anklage Pier zwölf gefährliche sowie zehn vorsätzliche Körperverletzungen vor. Mitangeklagt sind zwei weitere Ärzte.

Überwiegend geht es dabei um die mehrfache Behandlung mit frisch gepresstem Zitronensaft, wobei dieser „medizinisch in keiner Weise vertretbare Eingriff wie üblich verschleiert” worden sei, indem der „unsterile” sowie „unnötige Leiden” hervorrufende Fruchtsaft in den Patientenakten als Ascorbinsäure vermerkt wurde - so die Staatsanwälte Lothar Gathen und Axel Brähler.

In der Behandlung der zudem unter einem Herzfehler und Diabetes leidenden Patientin S. habe Pier „notwendige diagnostische Maßnahmen” sowie die „Hinzuziehung fachkompetenter Spezialisten vermieden”. Insgesamt zehnmal habe der Chefarzt binnen eines Monats unter Narkose das abgestorbene Gewebe an der Wunde operativ entfernt.

„Dafür bestand spätestens nach dem zweiten Eingriff in keinem Fall mehr eine medizinische Indikationslage”, wirft die Staatsanwaltschaft dem Angeklagten vor. Die Entscheidung zu den Eingriffen sei „anhand einer völlig unzureichenden Diagnostik” getroffen worden - eine Einschätzung, zu der zwei Gutachter demnächst aussagen werden. Immer wieder hätte Pier nach diesen „dementsprechend überflüssigen” Operationen die offene Wunde mit „bakteriell kontamiertem Zitronensaft” behandelt.

Während eine Krankenschwester am Donnerstag im Zeugenstand „keine Erinnerung an Anna S.” hatte, schien das Gedächtnis ihrer Kollegin Mira S. (44) erheblich präziser zu sein: Ungefragt bezeugte sie sogar, dass die alte Dame über die Verwendung des Zitronensaftes aufgeklärt worden sei - die Verheimlichung der Methode war Pier im ersten Verfahren zum Verhängnis geworden.

Die Frage der Anklage, ob die Ärzte die Patientin auch ausdrücklich darauf hingewiesen hätten, dass es sich dabei um eine in der Humanmedizin völlig unübliche Methode gehandelt habe, konnte die Zeugin jedoch nicht beantworten.
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