Zweimal tödliche Messerstiche: Zwölf Jahre Haft für Sven W.

Von: Wolfgang Schumacher
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oppenhoffallee
Weil er eine 71-jährige Frau in der Oppenhoffallee und einen 55-jährigen Mann in der Kongressstraße durch Messerstiche getötet hat, muss Sven W. für zwölf Jahre ins Gefängnis. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Zwölf Jahre Haft hieß es am Ende für den ehemaligen Altenpfleger Sven W. aus Aachen. Der 32-Jährige hatte am 7. Mai vergangenen Jahres in der Aachener Oppenhoffallee eine Frau brutal niedergestochen und am Folgetag in der nahegelegenen Kongressstraße erneut einen Menschen - einen 55-jährigen Bewohner des dortigen Übergangsheimes - getötet.

Der Vorsitzende der Aachener Schwurgerichts, Richter Arno Bormann, benannte in der Urteilsbegründung das Ungewöhnliche des Falles: „Die Gründe, warum der Angeklagte diese zwei Menschen umgebracht hat, haben wir letztlich nicht feststellen können“.

Der wegen zweifachen Totschlags angeklagte drogen-, tabletten- und alkoholabhängige junge Mann hatte bei der Polizei und in der achttägigen Hauptverhandlung zwar zugegeben, beide Opfer getötet zu haben. An die genauen Umstände wollte er sich allerdings nicht mehr erinnern können. Dies eben wegen seiner Drogensucht, wie er über seine Verteidiger Rainer Dietz und Osama Momen vortragen ließ. Insbesondere, dass er keine Rückfragen des Gerichts zu seinen Motiven beantwortete, stieß auf wenig Verständnis. So stellte der Vorsitzende bedauernd fest: „Die Kammer tappt hier in der Tat im Dunkeln“.

Dabei hat W. mit dem Urteil noch Glück gehabt. Weder war - aufgrund fehlender juristischer Merkmale - ein Mord angeklagt, noch gilt Sven W. als möglicher Serientäter. Noch kurz vor Prozessende hatte er doch noch eine psychiatrische Untersuchung zugelassen, die er davor verweigert hatte. Die Sachverständige kam zu der Erkenntnis, W. habe zumindest bei der Tötung der 71-jährigen Frau in der Oppenhoffallee wegen akuter Entzugserscheinungen im Zustand verminderter Schuldfähigkeit gehandelt. Die 71-Jährige war seine langjährige Dealerin: Von ihr bezog er regelmäßig Beruhigungstabletten aus der Gruppe der Diazepame - Handelsname Valium.

So war laut Gericht nicht auszuschließen, dass seine Schilderung, er könne sich an diesem Morgen kaum noch an etwas erinnern, wahr sei. Die Dealerin, die trotz ihres Alters laut Gericht noch immer alles gekauft und verkauft habe, was Geld bachte, sei an diesem Morgen „ungehalten“ gewesen über das plötzliche Auftauchen von Sven W. - normalerweise hab sich jeder anmelden müssen. So sei es möglich gewesen, dass sie zum Untermauern ihres Unwillens ein Messer in die Hand genommen hatte. Das habe W. ihr entwunden und sie dann mit Stichen in die Brust und den Rücken getötet.

Das Verletzungsbild des Opfers am Tag darauf in der Kongressstraße war beinahe identisch. Doch in diesem Fall stellte das Schwurgericht keine verminderte Schuldfähigkeit fest, dort sei nach einer durchschlafenen Nacht keine „Entzugssymptomatik“ beim Täter festzustellen. Auch das zweite Opfer habe mit Betäubungsmitteln gehandelt und sei dem Täter deswegen bekannt gewesen. Der Angeklagte gab im Prozess an, in jüngster Zeit Unmengen von Kokain und Amphetaminen verbraucht zu haben. Das relativierte die Kammer: Für die von ihm angegebenen Mengen habe er nicht genügend Geld besessen.

Sven W. wird zunächst vier Jahre Haft in einer JVA absitzen müssen und ab dann in eine Drogentherapie wechseln können. Oberstaatsanwalt Alexander Geimer hatte ein 15-jährige Haftstrafe beantragt. Über eine mögliche Revision werde in der Behörde noch entschieden, sagte er.

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