Zwei Tage Dauerparty am Nürburgring

Von: Patrick Nowicki
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Rock am Ring Festival
Zwei Besucher des Musikfestivals Rock am Ring jubeln am Nürburgring in rosaroten Hasenkostümen. Foto: dpa

Nürburg. Da sitzen sie nun, wenige Minuten vor dem Konzert. Draußen warten die Fans und klatschen. 90.000 sind es an diesem Wochenende. Und die beiden Schulfreunde Brian Molko und Stefan Olsdal plaudern locker über ihre Sinnkrise nach der letzten Tour, die sie 18 Monate um die ganze Erde führte.

Das Album „Meds” stieß für Placebo die Tür zum Superstar-Status auf, stellte die britischen Pop-Rocker aber auch vor einer Zereißprobe. Eine Frischzellenkur musste her. Steve Forrest wurde als neuer Schlagzeuger in die Band geholt. „Er hat uns Kraft gegeben”, sagt Molko. Am Freitagabend muss der Beweis für die Worte her. Placebo gebührt die Bürde, die wohl einzige Band beim 23. Rock am Ring zu sein, die als Headliner im klassischen Sinne gilt.

Und so legen sie los, als habe es nie interne Misstöne gegeben. Die ersten vier Stücke des neuen Albums „Battle for the sun” weisen gleich den Weg, ehe eingefleischte Anhänger mit „Black eyed” den ersten Klassiker aufsaugen dürfen. Es folgt ein Parforceritt durch 15 Jahre Bandgeschichte mit sämtlichen Hits, die man auf ein Best-of-Album packen würde.

Mit dem „Song to say goodbye” verabschieden sich Placebo. Doch nur kurz: Anschließend gibt es „Infra red”, „The bitter end” und „Taste in man” als Zugabe obendrauf. Keine Frage, so frisch und belebend hat man Placebo noch nie bei Rock am Ring erlebt. Das Festival verzichtete in diesem Jahr bewusst auf große Stadion-Acts.

„Wir wollten ein breites Programm schaffen” , erläutert André Lieberberg, Junior-Chef des Veranstalters. Und so dröhnen die Gitarren für hartgesottene Kopfnicker, während auf den anderen der drei Bühnen eher Freunde von Chartsmusik auf ihre Kosten kommen. Slipknot, The Prodigy, Korn, Machine Head, Staind, Killswitch Engage und Volbeat - die Metaller sind prominent und zahlreich vertreten. Aus der Reihe turnt Marilyn Manson, dem man nach seinem Auftritt nur raten kann, sich bei seiner nächsten Operation neue Stimmbänder einpflanzen zu lassen oder endlich das Mikrofon zu meiden.

Besser wäre das für alle Beteiligten. Erfreuliches präsentiert einer von Deutschlands Vorzeige-Rappern: Jan Delay macht auch zu später Stunde alles „klar”, zitiert „Pump up the jam” sowie die Backstreet Boys und erwärmt die Zuhörer bei nass-kaltem Wetter mit Reggae-Gefühl. Die Region darf sich freuen, wenn er beim Eupener Musikmarathon in drei Wochen mit mehr Bühnenzeit ausgestattet wird. Souverän und ebenso unspektakulär agieren Reamonn, The Killers, Razorlight, Mando Diao und Polarkreis 18. Wenig Arbeit hat an allen drei Festivaltagen die Polizei. Lediglich 170 Anzeigen, davon 100 wegen Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz, müssen verfasst werden.

„Bei 90.000 Menschen an drei Tagen an einem Ort ein verschwindend geringer Wert”, so ein Polizeisprecher. Auch die neue Regelung, den Zuschauerraum in große Bereiche einzuteilen, habe sich bewährt. Während am Sonntagabend Limp Bizkit, Billy Talent, Guano Apes und - leider erst in der Nacht - Peter Fox die Schlussakkorde setzen werden, ging der Blick bereits aufs nächste Festival in einem Jahr.

Zum 25-jährigen Bestehen sollen wieder klassische Headliner im Vordergrund stehen. „Ich wünsche mir natürlich Bruce Springsteen - aber das wird nicht machbar sein”, meint der fürs Programm verantwortliche André Lieberberg. Im Gespräch sei eine große deutsche Band. Die Rede ist von Rammstein.
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