Zwei Nonnen, die dem Bischof trotzen

Von: Michael Grobusch
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Kämpfen mit allen Mitteln für den Erhalt des Karmelitinnenklosters in Stolberg-Zweifall: Schwester Maria Regina (links) und Schwester Katharina. Sie unterstellen dem Bischof, den Verein Karmelitinnen e.V. auflösen zu wollen, weil dann die Zweifaller Immobilie samt dazugehöriger Grundstücke an den bischöflichen Stuhl fällt. Foto: Heike Eisenmenger

Stolberg. Auf den Anhöhen des Voreifelortes Stolberg-Zweifall gibt es ein Karmelitinnenkloster, dessen Existenz der Aachener Bischof leugnet. Dabei ist das Kloster Maria Königin den Zweifaller Katholiken als geistliches Zentrum ans Herz gewachsen.

Und das nicht erst seitdem der letzte eigene Pfarrer im Sommer 2007 die Gemeinde in Richtung Heimbach verlassen hat. Auch mit Ausstellungen und Konzerten ist das Kloster ständig präsent. Dem Aachener Bischof Heinrich Mussinghoff aber ist Maria Königin ein Dorn im Auge - oder um es mit den Worten seines Sprechers Franz Kretschmann auszudrücken: „Das Kloster gibt es seit Dezember 2005 nicht mehr.”

Die beiden auf den Anhöhen des Voreifelortes verbliebenen Schwestern Maria Regina (60) und Katharina (46) sehen das freilich völlig anders. Seit Jahren kämpfen sie für den Erhalt des Karmels und bieten dem Bischof ebenso wie der Ordensführung in Rom und dem Vatikan die Stirn. Dabei lassen sie sich auch nicht davon beeindrucken, dass das Amtsgericht Aachen dem Karmelitinnen e.V. Stolberg vor zwei Wochen einen Notvorstand zugewiesen hat.

Das Gericht folgte mit seinem Beschluss einem Antrag des Bistums. Dieses hatte mit Verweis auf seine „Fürsorgepflicht” geltend gemacht, dass der Verein seit dem Tod von Priorin Maria Helene am 27. Juli 2006 nur noch zwei Mitglieder zähle und ohne Vorstand und somit ohne rechtlichen Vertreter sei.

Die eigentliche Brisanz aber liegt in der Satzung des Vereins, in dessen Besitz die komplette Klosteranlage seit deren Gründung im Jahre 1955 ist. Sie sieht vor, dass die Immobilie samt der dazugehörigen Grundstücke an den bischöflichen Stuhl fällt, wenn der Verein als Eigentümer aufgelöst werden sollte - zum Beispiel durch einen Notvorstand.

Schwester Maria Regina kommentiert solche Erwägungen mit deutlichen Worten: „Ich werde das Kloster nur im Sarg verlassen”, kündigt sie trotzig an. Das klingt nach weiterem Widerstand und einer neuerlichen Zuspitzung der Lage, nachdem es zuletzt ruhig geworden war um das Kloster. Während man im „Freundeskreis des Karmel” über Protestaktionen berät - möglicherweise wird es ja wie schon vor knapp sechs Jahren wieder Mahnwachen und Lichterketten geben -, setzen sich die Schwestern mit Hilfe der Erfurter Anwaltskanzlei Lachner/Hotz juristisch zur Wehr. Noch in dieser Woche, so kündigte Rechtsanwalt Torsten Lachner auf Anfrage an, soll beim Amtsgericht Beschwerde eingelegt werden.

Damit dürfte der jüngste Beschluss bis zu einer weiteren Klärung außer Kraft gesetzt werden. Die beiden Schwestern haben daraus bereits ihre Konsequenzen gezogen und den als Notvorstand aus anderen Klöstern bestellten Karmelitinnen mitgeteilt, dass ihr Besuch in Zweifall derzeit nicht erwünscht sei. Damit weisen die beiden keiner geringeren als der obersten Karmelitin in Deutschland die Tür: Schwester Hildegard aus dem Kloster St. Josef Auderath in Rheinland-Pfalz. Sie ist zusammen mit Schwester Josua Maria aus dem Kloster Heilige Familie in Düren zum Notvorstand berufen worden. Noch vorige Woche hatte besagte Schwester Hildegard gegenüber unserer Zeitung angekündigt, sich vor Ort ein Bild machen zu wollen. Schwester Katharina aus Zweifall erklärt dazu resolut: „Dazu wird es vorerst sicherlich nicht kommen.”

Die Örtlichkeiten dürften der obersten Karmelitin allerdings noch gut in Erinnerung sein. Im Herbst 2005 hatte sie den aus Rom entsandten Pater Paul Weingärtner bei dessen Visitation im Karmel Maria Regina begleitet. Wenige Wochen später war von der Ordensführung die Schließung verfügt worden.

Während Orden und Bistum bis heute auf diese Verfügung pochen, spricht Schwester Maria Regina vom Tatbestand der Vorteilsnahme. „Der Bischof nimmt keine Rücksicht auf die beteiligten Personen, sondern will aus dem Verkauf des Klosters nur möglichst viel Profit schlagen”, lautet ihr Vorwurf. Das weist Franz Kretschmann im Namen des Angesprochenen weit von sich: „Aus unserer Sicht geht es darum, die wirtschaftlichen und vermögensrechtlichen Angelegenheiten zu regeln und zu klären, was mit der Immobilie und was mit den Schwestern passiert”, betont der Pressesprecher. Das sei in erster Linie Aufgabe des Notvorstandes. „Aber natürlich wird das Bistum dem Notvorstand beratend zur Seite stehen.”

Gerichtshof für Menschenrechte

Beratungsbedarf dürfte sich gleich in mehrfacher Hinsicht ergeben. Denn die Schwestern wollen auf rechtlicher Ebene keine Möglichkeit ungenutzt lassen. Deshalb soll auch der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg angerufen werden. „Es wird zu klären sein, inwieweit der Karmelitinnen-Verein als Rechtsperson Schutz genießt”, beschreibt Rechtsanwalt Jürgen Hotz die juristische Zielrichtung.

Mit den Schlagzeilen, die daraus resultieren, sorgen die Schwestern mittlerweile bundesweit für Furore. Für Dienstag hatten sich mehrere TV-Sender angemeldet, am Mittwoch werden weitere folgen. Aus Sicht der Zweifaller Karmelitinnen steigt mit dem Bekanntheitsgrad auch die Chance auf den Erhalt des Klosters. Schwester Maria Regina gibt sich kämpferisch: „Die Menschen sollen erfahren, was die katholische Kirche versucht, mit uns zu machen. Vielleicht wird der öffentliche Druck dann so groß, dass sie am Ende einlenken muss.”

1955 gegründet, durch Hostienbäckerei wirtschaftlich unabhängig

Offiziell gegründet worden ist das Kloster Maria Königin mit dem feierlichen Einzug der Schwestern am 4. Dezember 1955. Das Grundstück hatte zuvor eine Stolberger Familie gestiftet, das Gebäude war mit Hilfe der Bevölkerung gebaut worden. Die Anlage ist seitdem im Besitz von Karmelitinnen e.V. Stolberg, deren Mitglieder wiederum die zum Kloster gehörenden Schwestern sind.

Ursprünglich lebten einmal mehr als 20 Karmelitinnen in Zweifall. Nach dem Tod der Priorin Maria Helene 2006 sind nur noch Schwester Maria Regina und Schwester Katharina übrig geblieben. Sie betonen, dass der Versuch, neue Mitglieder für die Gemeinschaft zu gewinnen, am Verbot des Ordensgeneralrates gescheitert sei.

Finanziell sind die Karmelitinnen völlig unabhängig. Die wirtschaftliche Basis bildet die Hostienbäckerei, in der pro Woche 80.000 Hostien hergestellt und an europaweit rund 200 Pfarren und Klöster ausgeliefert werden.

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