Zwei Dürener Polizeiangreifer werden aus Haft entlassen

Von: Marlon Gego
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Die Scharnhorststraße in Düren am 12. November: Ein Beteiligter an dem Angriff auf Polizisten wird abgeführt. Seit Mittwoch sitzt nur noch einer von fünf Angreifern wegen dieses Vorfalls in Untersuchungshaft. Foto: privat

Düren/Aachen. Die Aachener Staatsanwaltschaft wird in den kommenden Wochen Anklage gegen eine Familie mit türkischen Wurzeln aus dem Dürener Osten erheben, die im November mehrere Polizisten angegriffen und zehn von ihnen verletzt hatte.

Der Vorfall ereignete sich nur sechs Tage nach dem Überfall auf das Bezirksligaspiel zwischen Welldorf/Güsten und den Sportfreunden Düren, beide Fälle sorgten weit über Nordrhein-Westfalen hinaus für Schlagzeilen.

Am 12. November hatte ein 46-jähriger Familienvater einen Mitarbeiter des Ordnungsamts mit dem Tod bedroht, der in der Straße, in der der 46-Jährige lebt, Strafzettel für falsch parkende Autos verteilt hatte. Als die herbeigerufene Polizei den Streit zu schlichten versuchte, griffen der Vater und seine 28, 27, 22 und 15 Jahre alten Söhne die Polizisten an.

Der 28-Jährige schlug im Verlauf der Handgreiflichkeiten einem Polizeibeamten mit einem Radmutterschlüssel derart brutal ins Gesicht, dass der Beamte bis zum heutigen Tag dienstunfähig ist. Neun weitere Polizisten wurden leicht verletzt.

Das Aachener Amtsgericht und später auch das Landgericht ordneten Haftbefehle gegen den 46-jährigen Familienvater, den 28 und den 27 Jahre alten Sohn an. Auch der 22-jährige Sohn musste in Untersuchungshaft, allerdings nicht wegen des Angriffs auf die Polizisten, sondern wegen des Überfalls auf das Bezirksligaspiel sechs Tage zuvor, an dem er beteiligt gewesen sein soll. Der 28-Jährige, der mutmaßliche Haupttäter des Angriffs auf die Polizisten, floh und stellte sich erst Mitte Dezember der Polizei. Seitdem saß auch er in Untersuchungshaft.

Das Oberlandesgericht (OLG) Köln hat am Mittwoch nun den Haftbefehl gegen den 27-jährigen Sohn wieder aufgehoben, auch der 28-Jährige wird verschont. Nur der 46-jährige Vater bleibt in Haft, voraussichtlich bis zum Beginn des Prozesses.

Das OLG habe festgestellt, der Sachverhalt sei weitgehend aufgeklärt, der 27-Jährige seine Beteiligung an dem Angriff eingeräumt, erklärte am Mittwoch Katja Schlenkermann-Pitts, Sprecherin der Aachener Staatsanwaltschaft. Es bestehe deswegen laut OLG keine Verdunklungsgefahr mehr, wie noch die Aachener Gerichte entschieden hatten.

Der 27-Jährige sollte durch die dreimonatige Untersuchungshaft nun begriffen haben, dass weitere Verdunklungsversuche ernste Konsequenzen für ihn haben würden, habe es in dem OLG-Beschluss geheißen, sagte Schlenkermann-Pitts.

Das OLG habe weiter festgestellt, dass bei dem 28-jährigen mutmaßlichen Haupttäter zwar weiterhin Fluchtgefahr bestehe. Da aber der Schlag mit dem Radmutterschlüssel ins Gesicht des Polizisten nicht als versuchtes Tötungsdelikt zu werten sei, sondern nur als gefährliche Körperverletzung und die Tat schon länger zurückliege, könne der 28-Jährige gegen Meldeauflagen und die Zahlung von 10.000 Euro Kaution freigelassen werden. Schlenkermann-Pitts erklärte, dass sich „die Begeisterung der Aachener Staatsanwaltschaft über die Entscheidung des OLG in engen Grenzen“ halte.

Ausbreitung krimineller Clans

Über die Vorfälle in Düren und beim Bezirksligaspiel in Jülich-Güsten hatte auch der Innenausschuss des nordrhein-westfälischen Landtages Ende November eine emotionale Debatte geführt. Innenminister Ralf Jäger (SPD) hatte davor gewarnt, so zu tun, als sei „das, was im Kreis Düren passiert ist, alltäglich“.

Dennoch sind die Sicherheitsbehörden alarmiert. Der Leiter der Aachener Staatsanwaltschaft, Helmut Hammerschlag, erklärte Anfang der Woche, seine Behörde beobachte die Ausbreitung krimineller Familienclans, die den Rechtsstaat ablehnen und nach eigenen Regeln leben, auch in der Region Aachen, Düren, Heinsberg.

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