Zwei Designerinnen beim Fashionclash: Hauptsache nicht gewöhnlich

Von: Ines Kubat
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Dusty Thomas (l.) und Minou Lejeune haben beide Modedesign in Maastricht studiert und präsentieren nun schon zum zweiten Mal ihre Kollektionen beim Modeevent "Fashionclash".

Maastricht . Dusty kreiert Mode, Minou Schmuck und Accessoires – gemeinsam präsentieren die Designerinnen aus den Niederlanden ihre Kollektion nächstes Wochenende auf dem Maastrichter Modefestival Fashionclash.

Ist schon alles bereit für kommende Woche? Dusty Thomas und Minou Lejeune schauen sich an und lachen – ein wenig nervös verziehen sie dabei das Gesicht: „Nein, noch längst nicht. Ab jetzt gibt es einen strikten Plan, an den wir uns halten müssen, sonst wird das nichts.“ Denn die beiden Designerinnen sind Teil des diesjährigen Mode-Events Fashionclash in Maastricht. Und das bedeutet, dass am kommenden Wochenende acht Models ihre Kollektion auf dem Laufsteg tragen werden. Bis dahin muss alles fertig sein.

Die 23-jährige Dusty entwirft unter dem Label „Bluedenimes“ Mode, ihre 24-jährige Kollegin Minou gestaltet Schmuck und Accessoires – als Team haben sie sich nach ihrem Studium an der Maastrichter Academy of Fine Arts and Design (Mafad) gefunden, weil ihre Arbeit und ihre Ansichten perfekt zusammenpassen, sagen sie selbst.

Dusty hat sich auf die Arbeit mit Jeans-Stoff, also Denim, spezialisiert. Er sei mittlerweile zu ihrem Markenzeichen geworden – genauso wie ihr Hang zu geradlinigen Schnitten: „Feminine Formen finde ich nicht so spannend“. Ihre Kollektionen ordnet man daher automatisch eher Herrenschränken zu. Sie selbst findet aber, dass ihr Stil eher unisex sei und von beiden Geschlechtern getragen werden könne.

Eins ist klar: Auf den Laufstegen fallen die Kollektionen der beiden auf. Und zwar vor allem durch die außergewöhnlichen Accessoires von Minou: In ihrem Atelier liegt zum Beispiel eine Kette, die einem faustdicken Bündel Haare gleicht. „Hunderte Meter Angelschnur habe ich dafür verbraucht“. Ebenfalls auf ihrer Werkbank findet man eine Art Brillengestell, von dem lange schmale Streifen strahlenartig abgehen: „Das soll Wimpern darstellen“, sagt Minou. Der Schmuck, den sie designt und herstellt, sei eine Verlängerung oder Betonung eines bestimmten Körperteils: Letztes Jahr beispielsweise trug eins ihrer Models eine Plastik-Gesichtsmaske, aus der nur der Mund – leicht vergrößert – herausschaute.

Für die beiden jungen Frauen ist es nicht das erste Mal, dass sie am Fashionclash teilnehmen. Denn auch im vergangenen Jahr haben sie dort bereits ihre Kollektionen über die Laufstege geschickt: „Das Festival hat eine tolle Atmosphäre. Es gibt keinen Druck, und vor allem keine arroganten Leute.“ Aber dennoch: Routine sei bei ihnen nicht eingekehrt: „Wir sind sehr nervös“. Für sie ist es nämlich eine Leistungsshow, weil nicht nur viele Designer aus der Region, sondern aus der ganzen Welt vor Ort sein werden.

Für ihre Show am Freitag haben sich Minou und Dusty ein Konzept für insgesamt acht Outfits überlegt: Es soll eine Kollektion werden, die sich mit der heutigen Rolle des Mannes auseinandersetzt. Dusty’s Kollektion folgt dem Titel: „This land was built of men in denim“ und lenkt den Fokus auf die Arbeiterklasse: „Ich will damit diejenigen wertschätzen, die mit ihrer harten körperlichen Arbeit unsere heutige Gesellschaft erst ermöglichten.“ In ihrem Arbeitszimmer liegen Scheren, Nähmaschine und meterlange Stoffbahnen verteilt, an den Kleiderstangen hängen aber auch schon ein paar fertige Kleidungsstücke für das Festival: Die Hosen und Anzüge erinnern an Latzhosen, Blaumann und andere Arbeitskleidung.

Minous Accessoires sind auf das gemeinsame Oberthema abgestimmt: „Ich habe Accessoires gemacht, die nur den Anschein von Werkzeugen haben, aber eigentlich keine sind.“ Ihre Botschaft lautet: „Viele Männer scheuen sich, ihre Hände schmutzig zu machen. Geschlechtermerkmale verschwimmen immer mehr.“ So hat sie beispielsweise ein Accessoire designt, das zwar aussieht wie ein Schraubenschlüssel, aber die Funktion eines Kamms hat.

Für die beiden jungen Frauen ist Fashionclash vor allem eins: eine Chance, Erfahrung zu sammeln und sich bekannt zu machen. Genau das sei auch ein Ziel des Mode-Events, wie einer der Organisatoren, Laurens Hamacher erklärt: „Wir wollen jungen Designern eine Plattform bieten, sich zu präsentieren.“

Denn bislang sei es für Dusty und Minou kaum möglich, vom Verkauf ihrer Mode- und Schmuckkollektionen zu leben: Beide haben Nebenjobs, um sich finanziell über Wasser zu halten. „Es braucht sehr viel Geduld“, sagen sie, bereuen aber ihren Schritt in die Selbstständigkeit in keiner Sekunde: „Ich wusste immer, dass ich mit diesem Beruf niemals reich werde“, sagt Dusty, aber „ich liebe, was ich tue. Und dafür nehme ich gern Entbehrungen in Kauf.“

Und obwohl andere Großstädte wie Amsterdam oder Berlin mehr kreativen Boden bieten, wollen die beiden jungen Frauen, die aus der Region stammen, auch weiterhin hier bleiben; Minou in Maastricht, Dusty in Landgraaf.Denn „hier haben wir uns ein Netzwerk aufgebaut. Anderswo müssten wir wieder bei null anfangen“, sagt Minou. Auch in Zukunft wollen sie als Team weiterarbeiten und blicken bereits über den Tellerrand hinaus: „Mit dieser Kollektion könnten wir auch an Fashionshows in London oder Berlin teilnehmen.“ Diese Städte stehen auf ihrer Wunschliste ganz oben. Noch sei dies zwar ein Traum, er sei aber erfüllbar, finden beide: „Man braucht bei diesen Shows ein Alleinstellungsmerkmal, etwas Besonderes. Und ich glaube, das haben wir“, sagen sie nicht überheblich, aber mit einer gesunden Portion Selbstbewusstsein. 

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