Zur Klausur erscheint am Ende nur noch jeder Zweite

Von: Thorsten Karbach
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Prorektor Aloys Krieg will etwas für die Studenten tun. Foto: RWTH

Aachen. RWTH-Prorektor Aloys Krieg spricht von einer Katastrophe. Es gab Klausuren am Ende des Wintersemesters, da hatten sich 1000 Studenten angemeldet und nur jeder Zweite erschien, um dann auch zu schreiben. Eine solche Quote sei „schlimm“ und gleichzeitig keine Überraschung.

Mathematik-Professor Krieg hatte damit gerechnet: Weil es für Seminare keine Anwesenheitspflicht mehr gibt, würden Studenten diese kaum mehr besuchen, noch punktueller für Klausuren lernen und schneller auf die Prüfung verzichten. Krieg sagt: „Ein 18-Jähriger versteht noch nicht, warum es wichtig ist, zu einem Seminar zu gehen, wenn seine Anwesenheit nicht verlangt werden kann. Das ist kontraproduktiv, wenn es darum geht, die Abbrecherquoten zu senken.“

Genau das ist Kriegs Befürchtung: Wer keine Vorlesungen und Seminare besucht, dem wird es schwerfallen, rechtzeitig zu erkennen, ob denn seine Studienwahl richtig war. „Wir wollen alle Studenten zu einem Abschluss bei uns oder an der FH führen. Und wenn ein Studium nicht das Richtige ist, dann ist man doch deshalb kein schlechter Mensch. Aber die Leute müssen kommen, um das zu erkennen“, sagt Krieg. Das sei ein Problem, mit dem alle NRW-Hochschulen kämpften.

Das Hochschulzukunftsgesetz stellt zudem klar, dass die Teilnahme an Vorlesungen und Seminaren keine Voraussetzung mehr dafür sei, Studenten zu Prüfungen zuzulassen. Streng genommen ist dies nicht neu: Die Kultusministerkonferenz hatte bereits 2009 entsprechende Strukturvorgaben formuliert. Nach Auffassung des Wissenschaftsministeriums NRW war eine allgemeine Anwesenheitspflicht etwa bei Seminaren unter anderem mit Blick auf die Studierfreiheit rechtlich angreifbar. Nun sei Klarheit geschaffen worden.

„Damit tragen wir der immer stärker werdenden Vielfalt der Studenten Rechnung. Auch Studenten mit beruflichen oder familiären Verpflichtungen sollen in NRW die Chance haben, erfolgreich zu studieren“, begründet das Wissenschaftsministerium NRW. Krieg entgegnet: „Das ist doch weltfremd. Natürlich müssen wir uns um Ausnahmen kümmern. Aber wir haben nicht 40.000 Studenten, die allesamt alleinerziehend sind oder arbeiten müssen.“

Krieg fordert nicht die Rolle rückwärts und damit die Wiedereinführung einer Anwesenheitspflicht bei Seminaren. Es bedürfe aber dringend neuer Möglichkeiten, die Studenten stärker in die Pflicht zu nehmen.

Die Prorektoren in NRW treten dafür ein, dass Leistungen der Studenten in jedem Falle eingefordert werden können. Es müssten Fortschritte zu sehen sein. Aktuell ist es so, dass Mentoren auf die Studenten zugehen, wenn Leistungen offensichtlich nicht erbracht werden. Aber nur 15 Prozent der kontaktierten Studenten nehmen die angebotene Beratung auch wahr. Der Rest ignoriert das Hilfsangebot – ohne Konsequenzen.

„Wir brauchen da mehr Mitwirkungspflicht der Studenten. Es muss etwas zum Wohl der Studenten geschehen“, erläutert Krieg. Und: „Das Problem wird in Zukunft noch größer!“

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