Zunahme von Krätzefällen in der Region

Von: Angela Delonge
Letzte Aktualisierung:
Krätze
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Die Krätze, medizinisch als Scabies bezeichnet, ist eine durch die Krätzmilbe verursachte ansteckende Hautkrankheit des Menschen, die sich nach zwei bis fünf Wochen durch einen juckenden Hautausschlag zeigt.

Aachen. Die Zahl der Ansteckungen mit Krätze steigt in der Region kontinuierlich an. Besonders die Städteregion Aachen verzeichnet einen starken Anstieg von Infektionen, die bis Mitte November aus Kitas und Schulen gemeldet wurden. Auch die Kreise Düren und Heinsberg melden eine deutliche Zunahme der hoch ansteckenden Hautkrankheit, die hierzulande eigentlich ausgerottet schien.

Doch die Krätze (Scabies), die durch winzige Milben ausgelöst wird und juckenden Hautausschlag verursacht, ist längst wieder zu einem Problem geworden. In der Städteregion Aachen sind aktuell 316 Fälle gemeldet. 2013 waren es noch elf Fälle – eine Verdreißigfachung. Im Kreis Düren gibt es mit 103 Fällen heute fünf Mal mehr als 2013 (20). Der Kreis Heinsberg ist über die Jahre eher gering betroffen. Trotzdem sind aktuell 71 Fälle gemeldet – ebenfalls eine Verfünffachung. Da nur Zahlen aus Gemeinschaftseinrichtungen gemeldet werden müssen, dürfte die Zahl aller Betroffenen deutlich höher sein.

Entsprechend der steigenden Krätzefallzahlen meldet auch die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Nordrhein nahezu eine Verdreifachung bei den Verordnungen der verschreibungspflichtigen Creme „Infectoscab“ gegen die Hautkrankheit: von 14.950 Verordnungen im ersten Halbjahr 2013 auf 41.191 im ersten Halbjahr 2016.

Seit Mai gibt es zudem ein neues Medikament gegen Krätze, das die Krankheit unmittelbar eindämmen und wesentlich schneller wirken soll als die bislang verordneten Cremes. Die Tabletten mit dem Wirkstoff Ivermectin wurden in einem beispiellos schnellen Verfahren in Deutschland zugelassen, um die weitere Ausbreitung der Krätze zu verhindern. Zahlen über entsprechende Verordnungen liegen der KV aber noch nicht vor.

Die Ursachen für das gehäufte Wiederauftreten der Hautkrankheit sind nicht ohne weiteres auszumachen. Gibt es möglicherweise einen Zusammenhang zwischen dem Anstieg von Krätzefällen und der Flüchtlingswelle im vergangenen Jahr? Es ist kein Geheimnis, dass Immigranten während ihrer Flucht und danach teilweise monatelang unter beengten Bedingungen gelebt haben. Bedingungen, unter denen sich Krätze gerne ausbreitet.

Die Dermatologie-Experten des Infoportals für Hautkrankheiten, derma.plus, sehen einen solchen Zusammenhang. Denn nicht nur in Deutschland hätten vor allem die Massenmigration und die damit verbundene Unterbringung von Flüchtlingen in nicht selten beengten und mangelhaften hygienischen Verhältnissen zu einem dramatischen Anstieg der Krätze-Erkrankungen geführt, heißt es auf deren Portal zum Thema Krätze. Dermatologie-Professor Hartwig Mensing aus Hamburg sieht auch bei der Therapie von Flüchtlingen häufig Probleme: „Gerade bei Menschen aus anderen Erdteilen sind auch Ängste vor einer solchen Behandlung zu berücksichtigen, und es ist häufig ausgesprochen schwierig, diese über die Notwendigkeiten aufzuklären, woraus eine unvollständige Therapie aller Kontaktpersonen resultieren kann.“

Doch die offiziellen Stellen – angefangen bei den Gesundheitsämtern über den Verband Deutscher Dermatologen bis hin zum NRW-Gesundheitsministerium – wollen sich dazu nicht äußern. Anders als bei den ebenfalls gehäuften Tuberkulose-Befunden, die Ärzte im vergangenen Jahr bei den Erstuntersuchungen von Flüchtlingen feststellten und die öffentlich gemacht wurden, möchte bei der Krätze offensichtlich niemand einen entsprechenden Zusammenhang herstellen.

Auch Detlef Funken, Sprecher der Städteregion, möchte diesbezüglich weder eine Aussage machen noch Ursachenforschung betreiben: „Es gibt keine Erklärung für diesen Anstieg“, heißt es lapidar. Und Verena Bochat, Leiterin des dortigen Gesundheitsamts, sagt: „Die Flüchtlingskrise ist jedenfalls nicht Ursache dafür, das diese bundesweite Entwicklung schon seit Jahren zu beobachten ist.“ Für ein Gespräch über andere mögliche Ursachen oder auch die Einschätzung der Lage in der Städteregion stand Frau Bochat trotz mehrfacher Nachfragen nicht zur Verfügung.

Aus dem NRW-Gesundheitsministerium kommt folgende Antwort: Man hält die Zahlen aus der Region im Verhältnis zur Bevölkerung immer noch für „sehr gering“ und demnach für „nicht besorgniserregend“. Weder landes- noch bundesweit sei hier eine „Alarmstufe“ gegeben, sagte eine Sprecherin auf Anfrage unserer Zeitung. Sie verweist darauf, dass das Thema Krätze bei den zuständigen Gesundheitsämtern gut aufgehoben sei und diese ihre Arbeit vor Ort in erforderlichem Rahmen tun. Der Kreis Heinsberg hat zum Beispiel zuletzt verstärkt Aufklärung zu dem Thema betrieben.

Problematisch ist, dass das Thema nicht zur obersten Ebene dringt. Denn die Gesundheitsämter sind bislang nicht verpflichtet, die Zahlen an das Landeszentrum Gesundheit beziehungsweise das Gesundheitsministerium zu übermitteln. Krätze gehört nach den Richtlinien des deutschen Infektionsschutzgesetzes nicht zu den meldepflichtigen Krankheiten. Bei Verdacht auf Krätze schreibt das Gesetz lediglich ein Verbot für den Aufenthalt in Gemeinschaftseinrichtungen wie Kindergärten, Schulen und Heimen vor.

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