Aachen - Zum „Trip ins Paradies“ sind es nur ein paar Klicks im Internet

Zum „Trip ins Paradies“ sind es nur ein paar Klicks im Internet

Von: mar
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Auf dem Weg ins Paradies? Dieses Foto stammt aus dem Blog einer jungen Dschihadistin aus Deutschland, die in ihren Berichten den Kampf gegen Ungläubige glorifiziert. Die Seite ist dem Verfassungsschutz bekannt und dennoch weiter online; der Server liegt im Ausland. Screenshot: zva

Aachen. Zentrales Merkmal der diversen salafistischen Gruppen in Deutschland ist laut Verfassungsschutz ihre Propaganda, die sich vielfach direkt an Jugendliche wendet. Erfolge erzielen die Extremisten dabei nicht nur mit persönlicher Ansprache an „Islam-Infoständen“ oder bei Kundgebungen wie demnächst in Wuppertal.

Vielmehr hat sich das Internet zu einer Brutstätte für die radikalste aller islamistischen Strömungen entwickelt. Die gefährliche Ideologie wird nach Ansicht von Experten immer professioneller verbreitet und übt eine enorme Anziehungskraft auf junge Menschen aus.

Nirgendwo erfolgt der Zugang zu extremistischem Gedankengut so einfach und schnell wie in den sozialen Netzwerken. Auf Facebook tummeln sich längst alle „Szene-Größen“. Nahezu täglich wenden sich hier Pierre Vogel oder Ibrahim Abou-Nagie an ihre Anhängerschaft. Auf Außenstehende wirken vor allem die Auftritte des Konvertiten und ehemaligen Boxers Vogel befremdlich bis unfreiwillig komisch. Von düsteren Klängen untermalt, vergleicht der Bergheimer in einem seiner jüngsten Videos zum Beispiel das Höllenfeuer mit einem Pizzaofen: „Bloß für immer, in alle Ewigkeit, denkt diese fürchterlichen Qualen!“, beschwört er seine Zuschauer.

Einfache Regeln und Werte

Die Bewahrung der Ungläubigen vor den Qualen des ihnen drohenden Höllenfeuers ist eines der zentralen Propaganda-Motive aller salafistischen Prediger, die sich so als Retter und Menschenfreunde gerieren. „Diese Botschaft kommt an, weil sie nicht nur Buchstabengläubigkeit sowie archaische Gesetze und Sitten vermittelt, sondern weil der Salafismus in seiner heutigen Erscheinungsform ein modernes und dynamisches Phänomen ist“, schreibt dazu der Verfassungsschutz. Es handele sich um einen Lebensentwurf mit einfachen Regeln und Werten, an denen sich labile und verunsicherte Jugendliche orientieren könnten: „Der Salafismus erzeugt das Gefühl, einer elitären Gesellschaft anzugehören.“

Tatsächlich präsentieren Abou-Nagie und Co. auf ihren Webseiten mit Vorliebe konvertierte Musterschüler, die allesamt in dieses Bild passen. So verbreitet der Kölner Prediger am 27. Februar das Video eines jungen Mannes, der ausgiebig über sein „beschissenes Leben“ voller Drogen und Exzesse berichtet – ein Leben, aus dem ihm der Koran schließlich einen Ausweg geboten habe.

Eines haben die öffentlich zugänglichen Seiten der Salafisten-Stars gemein: Zu Straftaten, zum Dschihad oder Terrorismus, wird hier an keiner Stelle offen aufgerufen. Der Verfassungsschutzbericht notiert: „Szenebekannte, dem Dschihad zugeneigte Prediger verhielten sich bislang vorsichtig. Sie waren offensichtlich darum bemüht, explizite Aufforderungen zu vermeiden.“ Aber: Von einschlägigen und teils auch verlinkten Blogs, Foren oder Chats sind Jugendliche auf ihren Webseiten meist nur ein paar Klicks entfernt. Konkrete Verabredungen erfolgen dabei in der Regel nach Angaben der Sicherheitsbehörden nicht mehr über das Internet, sondern über Kurznachrichtendienste wie das beliebte „Whatsapp“; denn diese Kommunikation ist für die Geheimdienste nur schwer zu verfolgen.

Auch aus dem Umfeld der Koranverteiler von Ibrahim Abou-Nagie sollen Berichten zufolge bereits junge Leute in den Dschihad nach Syrien gezogen sein. Zu beweisen war dies bislang nicht, der Prediger weist offiziell jeglichen Bezug zur Dschihadisten-Szene von sich und nennt dies „zionistische Propaganda und Hetze“. Anlässlich einer Reise nach Dubai spricht er – auf einer Sanddüne sitzend – in einem Video am 18. Februar zu seinen Anhängern: „Sie tun so, als wären wir gewalttätige Menschen. Die größten Terroristen dieser Erde aber tragen Anzüge und Krawatten. Sie sitzen in Talkshows und versuchen, die Muslime schlechtzureden.“

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