Zum Schulstart: Das bewegte Sitzen stärkt den Rücken

Von: me/dpa
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Die meisten Schulmöbel erlauben das bewegte Sitzen nicht. Lehrerinnen und Lehrer sorgen mit Bewegungspausen dafür, dass das Sitzen die Kinder nicht überfordert. Foto: dpa

Aachen. Schon Schulkinder werden oft von Rückenschmerzen geplagt. Betroffen ist vor allem der Lendenwirbelbereich. Nach Erkenntnissen von Kinderorthopäden – sie werden durch Studien gestützt – hat schon ein Prozent der Siebenjährigen Schmerzen im unteren Rücken, mit zehn Jahren sind es bereits sechs Prozent, bei den 14- bis 18-Jährigen wächst die Zahl der Betroffenen auf fast 20 Prozent.

In den meisten Fällen sind Bewegungsmangel und eine falsche Belastung Ursache für die Beschwerden. Schulkinder verbringen oft mehr als die Hälfte ihres Tages im Sitzen. Dabei wird der Rücken sehr einseitig belastet. Rückenfachleute werben daher für das sogenannte bewegte Sitzen. Das ist übrigens nicht nur für Kinder eindeutig gesundheitsfördernder als das starre Sitzen. Auch viele Erwachsene machen den Fehler, quasi mit dem Rücken am Stuhl zu kleben. Rücken und Schulter rächen sich mit schmerzhaften Beschwerden.

Beim bewegten Sitzen ist das anders: Durch das Wechseln der Sitzposition werden unterschiedliche Muskelgruppen gestärkt. Gelegentliches lässiges Herumlümmeln mögen Benimm-Päpste nicht gut heißen. Gesund ist es aber. Und es fördert die Konzentrationsfähigheit. Denn das Gehirn wird besser durchblutet als beim langen starren Sitzen.

Kinder sollten neben vielem anderen Neuen auch gesundes, also bewegtes, Sitzen früh lernen. Zwar lassen die Sitzmöbel in den Schulen dafür meist nur wenig Spielraum. Bei den Hausaufgaben könnten Eltern oder Betreuer aber darauf achten, dass die Kinder ihren Rücken optimal be- und entlasten. Gut dafür sind höhenverstellbare Stühle oder auch Gymnastikbälle. Wichtig ist: Es darf kein Rundrücken entstehen. Das kann man den Kindern sehr anschaulich vermitteln.

Auf das Siegel achten

Und wenn Eltern oder Großeltern Kindern einen neuen Schreibtisch und passenden Stuhl kaufen, sollten sie auf das Gütesiegel der Aktion Gesunder Rücken achten. Das Siegel bekommen Tische und Stühle nur, wenn ein unabhängiges Expertengremium die Möbel als besonders rückengerecht bewertet haben. Mit dem Gütesiegel werden Kindermöbel wie Stühle und Schreibtische dann ausgezeichnet, wenn sie zahlreiche Kriterien erfüllen. Am wichtigsten sind vielseitige Verstellmöglichkeiten, damit die Möbel mit dem Kind mitwachsen und je nach Größe angepasst werden können. Außerdem ist es gut, wenn Stuhl und Schreibtisch durch die Verstellbarkeit immer eine Einheit bilden. Der Schreibtisch und der Stuhl sollten am besten so eingestellt werden, dass die Knie im Sitzen um 90 Grad oder leicht mehr angewinkelt sind und die Füße dabei gerade auf dem Boden stehen. Deutlich mehr als 90 Grad sollte jedoch der Winkel zwischen Oberkörper und Oberschenkel betragen.

Die Augen schonen

Kindermöbel-Experten haben noch einen anderen wichtigen Tipp für Eltern: Eine helle und matte Schreibtischplatte erleichtert Kinderaugen die Arbeit. Glanz und Spiegelungen strengen die Augen an. Auch starke Kontraste sind eher schlecht, etwa bei weißem Papier auf einem bunten Schreibtisch.

Bleibt noch die alte Frage, die immer neu gestellt wird: Wie schwer darf der Schulranzen sein? Manche Eltern sorgen sich, dass der Schulranzen zu schwer für ein fünf- oder sechsjähriges Kind sein könnte. Diese Sorge ist in der Regel unbegründet, denn auch die Lehrerinnen und Lehrer schauen mit danach, dass die Kinder nicht zu viel mit sich herumschleppen müssen.

Darauf könnten Eltern allerdings achten: Ein klassischer Schulranzen ist geeigneter als etwa eine Tasche mit Rollen. Die Last wird bei den Rucksack-Modellen gleichmäßig verteilt. Bei Rollkoffern ziehen die Kinder dagegen nur mit einem Arm das komplette Gewicht. Das kann zu einer einseitigen Fehlbelastung führen.

Inhalt gleichmäßig verteilen

Der Ranzen sollte breite, gut gepolsterte Riemen haben, die nicht drücken. Entscheidend ist auch, dass der Inhalt des Rucksacks gleichmäßig verteilt ist und nicht zum Beispiel alle Bücher auf einer Seite liegen. Wie schwer darf der Schulranzen insgesamt sein? Darüber gibt es unterschiedliche Ansichten. Viele Kinder-Orthopäden halten zehn Prozent des Körpergewichts für unproblematisch. Ob und wie mehr als diese zehn Prozent dem kindlichen Rücken schaden – darüber wird unter Experten diskutiert. Untersuchungen der Universität des Saarlandes legen nahe, dass Kinder bis zu einem Drittel ihres Körpergewichts tragen können.

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