Zu wenig Beton: Neue Unregelmäßigkeiten beim U-Bahn-Bau

Von: ddp
Letzte Aktualisierung:
Pfusch beim Kölner U-Bahnbau
Der Vorstand der Kölner Verkehrbetriebe, Jürgen Fenske, zeigt in Köln in der Station Heumarkt die Stelle, an der stabilisierende Stahlbügel fehlen. In Köln kommen immer unglaublichere Dinge zum Bau der U-Bahn ans Licht. Die neueste Enthüllung: In den unterirdischen Wänden fehlen bis zu 83 Prozent der stabilisierenden Stahlbügel. Die Stadt erwog deshalb vorübergehend die Evakuierung von Häusern an der innerstädtischen Baugrube Heumarkt und eine Umleitung des Rosenmontagszugs. Foto: dpa

Köln. Beim Bau der neuen U-Bahn in Köln sind weitere Unregelmäßigkeiten bekanntgeworden. Nach einem Bericht des „Kölner Stadt-Anzeigers” (Samstagausgabe) soll an der U-Bahn-Haltestelle Waidmarkt zu wenig Beton verbaut worden sein. Dies sei möglicherweise auch Auslöser für den Einsturz des Kölner Stadtarchivs im März 2009 gewesen.

Nordrhein-Westfalens Bau- und Verkehrsminister Lutz Lienenkämper (CDU) sprach von „hochkriminellen Vorgängen” beim Kölner U-Bahn-Bau, die dringend aufgeklärt werden müssten.

Derzeit besteht laut Stadt Köln keine weitere Einsturzgefahr an den U-Bahn-Haltestellen in Köln. Dies hätten Messungen ergeben, hatte Stadtdirektor Guido Kahlen am Freitag gesagt. Die Schull- und Veedelszöch (Schul- und Viertelzüge) am Sonntag sowie der Rosenmontagszug können nach Angaben von Kahlen „ohne Bedenken” veranstaltet werden.

Eine Einsturzgefahr an den U-Bahn-Haltestellen droht laut Experten aber möglicherweise bei einsetzender Schneeschmelze und dem damit einhergehenden Rhein-Hochwasser. Sachverständige schließen nicht aus, dass die Konstruktion bei einem Pegelstand von mehr als vier Metern instabil werden könnte. Dann müssten möglicherweise auch Häuser in der Nähe der U-Bahn-Baustellen evakuiert werden, hieß es.

Am Donnerstag hatte eine Prüfung ergeben, dass an der U-Bahnbaustelle Heumarkt zum Teil nur 17 Prozent der zur Sicherung der Schlitzwandlamellen vorgesehenen Stahlbügel verbaut wurden. Die Lamellen dienen der Stabilisierung der Baugrube.

Laut „Kölner Stadt-Anzeiger” vermuten Gutachter der Staatsanwaltschaft nun ein Leck in der unmittelbar vor dem ehemaligen Archiv eingebauten Lamelle 11, durch das Grundwasser in die Baugrube strömte. Dies könnte schließlich zum Einsturz des Stadtarchivs geführt haben.

Nach Informationen der Zeitung könnte die Lücke dadurch entstanden sein, dass der 3,40 Meter breite Greifer zum Aushub der Lamelle in einer Tiefe von 30 Metern durch ein Hindernis beschädigt und dann gegen einen lediglich 2,80 Meter breiten Greifer ausgetauscht wurde. Nach dem Bericht der Zeitung soll es zudem 22 Lamellen mit falschen Vermessungsprotokollen geben.

Minister Lienenkämper sagte, es sei richtig, dass die Staatsanwaltschaft die schwerwiegenden Straftaten beim Kölner U-Bahn-Bau mit Hochdruck verfolge. Nun liege es in erster Linie in der Verantwortung des Bauherrn, der Kölner Verkehrsbetriebe (KVB), und der Stadt Köln, die Sicherheit der Bürger zu gewährleisten. Acht Tage nach dem Kölner Rosenmontagszug im Jahr 2009 war am 3. März das Stadtarchiv eingestürzt.

Genau an der Unglücksstelle hatten sich Tausende Schaulustige den Karnevalsumzug angesehen. Beim Einsturz des Stadtarchivs und benachbarter Häuser waren am 3. März zwei junge Männer ums Leben gekommen und zahlreiche historische Dokumente verschüttet und beschädigt worden.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert