Zu Tode getreten: Prozessauftakt in Aachen

Von: Wolfgang Schumacher
Letzte Aktualisierung:
Westpark Prozess Mord
Wegen gemeinschaftlichen Totschlags eines 42-jährigen Aacheners und schwerer Körperverletzung müssen sich seit Mittwoch drei Männer (27, 28, 28) vor dem Aachener Schwurgericht verantworten. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Wegen gemeinschaftlichen Totschlags eines 42-jährigen Aacheners und schwerer Körperverletzung müssen sich seit Mittwoch drei Männer (27, 28, 28) vor dem Aachener Schwurgericht verantworten.

Der Fall spielte sich in der Nacht des 16. Juli in einem Haus am Aachener Westpark ab und erregte wegen der Brutalität des Vorgehens der mutmaßlichen Täter ähnliches Aufsehen, wie die Überfälle Jugendlicher in den U-Bahnen von München und Berlin; vor allem auch deswegen, weil der 28-jährige Markus J. an diesem Wochenende auf Hafturlaub aus der Aachener JVA war.

Laut Anklage soll es nach Mitternacht im 3. Obergeschoss des Aachener Hauses Streit gegeben haben. Zunächst ging ein mutmaßlicher Mittäter, David C., in eine Wohnung und soll dort zwei Mal zugeschlagen haben. Zwei weitere Männer, die sich im Haus befanden, kamen dem Geschlagenen zu Hilfe, darunter das später seinen schweren Verletzungen erlegene Opfer.

Auch eine Frau mischte sich ein, die durch einen Schlag ins Gesicht verletzt wurde. Erst dann griffen die weiteren Angeklagten Markus J. und Alexander J. ins Geschehen ein. Laut Anklage schlugen die Drei zunächst einen der beiden Helfer nieder. Als er auf einem Treppenabsatz am Boden lag, sollen alle Drei mit solcher Wucht auf und gegen den Schädel des Mannes getreten haben, so dass der 42-Jährige ins Koma fiel und später an schwersten Hirnverletzungen starb.

Staatsanwalt René Gilles musste allerdings zunächst mit der Anklageverlesung warten, da der Anwalt von J., Rainer Dietz, überraschend einen Antrag auf Einstellung des Verfahrens stellte, dem sich die anderen Verteidiger für ihre Mandanten anschlossen. Die Begründung ist eher simpel: Die mediale Berichterstattung über den Fall sei in einem hohen Maße vorverurteilend gewesen.

Das belegte der Verteidiger mit einer langen Reihe von Zitaten aus der Presse und aus Rundfunkbeiträgen - insbesondere auch durch Äußerungen des NRW-Justizminister Thomas Kutschaty, der sich zu der Situation des Tatverdächtigen als Freigänger geäußert hatte.

Das Gebot eines fairen und rechtsstaatlichen Verfahrens seien nun nicht mehr einzuhalten, argumentierte Dietz. Das Schwurgericht (Vorsitz: Richter Gerd Nohl) wies die Möglichkeit einer Beeinflussung von sich, die zitierten Berichte seien der Kammer „nur zum Teil” bekannt gewesen. Der Prozess geht am 24. Januar weiter.
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