Zu Besuch in Aachen: Joey Kelly berichtet über seine Erfahrungen

Von: Elisa Zander
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Sich eigene Ziele setzen: Joey Kelly stellt sich dieser Aufgabe immer wieder neu. Es ist ein immer währender Prozess, in dem es auch darum geht, über sich hinaus zu wachsen. Foto: Thomas Stachelhaus

Aachen. Grenzgänger – Joey Kelly ist so einer. Er durchquert Wüsten, geht bis zum Südpol und läuft drei Triathlons am Tag. Er treibt sich selbst immer wieder zu Höchstleistungen an. Einen beeindruckenden Lebensweg hat er hinter sich, nicht bloß sportlich gesehen.

Über seine Erfahrungen berichtet er am Montag, 19. Mai, bei einer Veranstaltung unserer Zeitung. Im Interview hat der 41-Jährige vorab erzählt, wie er zum Ausdauersport gekommen ist, warum er sich immer neue Herausforderungen sucht und wie ihm diese Erfahrungen beruflich weitergeholfen haben.

Wie sind Sie eigentlich zum Sport gekommen?

Kelly: Das war Zufall. Vor über 17 Jahren, da waren wir auf Tour, saß ich mit meiner Schwester beim Frühstück. Sie wollte an einem Volkstriathlon teilnehmen. Da dachte ich: ‚Wenn sie das kann, kann ich das auch.‘ Ich bin gestartet – und war fast letzter. Erst habe ich versprochen, dass ich das nie wieder mache. Aber einige Tage später war die Euphorie da. Und ich merkte den Ausgleich.

Warum gerade Laufen?

Kelly: Laufen ist praktisch! Und wenn man sich gut bewegen kann, ist im Leben vieles möglich. Es gibt ein gutes Körpergefühl.

Sie sagten einmal: „Hätte ich meinen Sport nicht so aktiv betrieben, hätte ich die Kelly Family nicht überlebt.“ Warum? Und was konnte Ihnen der Sport geben?

Kelly: Ja, das habe ich mal gesagt, aber der Satz ist mit einem Hintergrund verbunden. Ich habe früher als Geschäftsführer unser Unternehmen geleitet. Und ohne den Sport als Ausgleich hätte ich das nicht geschafft. Mein Vater war ein guter, aber harter Chef. Durch den Sport habe ich für mich gelernt, Ziele zu erreichen.

Haben Sie sich durch diese Art von Leistung persönlich verändert?

Kelly: Definitiv. Der Sport trägt einen. Wenn man als junger Mensch mit 20 Jahren in der Lage ist, einen Marathon zu laufen, trägt das sogar noch mehr, als wenn man das erst im fortgeschrittenen Alter macht. Denn dann ist das Leben an sich schon ein Marathon. Es gibt Höhen und Tiefen, Erfolge und Missgeschicke – so wie im Alltag auch.

Sie haben sich und die Ansprüche an sich selbst immer weiter gesteigert. Warum? Und wohin – denken Sie – wird Sie das noch führen?

Kelly: Es macht mir großen Spaß und ist nach wie vor eine Leidenschaft von mir. Ich kann die Themen Abenteuer und Reisen damit verbinden. Als normaler Tourist würde man nicht durch die Gobi-Wüste laufen und sie und die Menschen, die dort leben, und ihre Kultur kennenlernen und erleben. Ich freue mich immer auf die nächste Herausforderung. Wettkämpfe plane ich weit im Voraus.

Gibt es Herausforderungen, die Sie (vielleicht auch noch) nicht angenommen haben, weil Sie sich dem nicht gewachsen fühlten?

Kelly: Es gibt eine ganze Reihe von Wettkämpfen, die ich noch nicht gemacht habe. Ich weiß auch, dass dafür einige Vorbereitung notwendig ist. Bis jetzt habe ich die Wettkämpfe systematisch angenommen, manchmal ist man zufrieden mit dem Ergebnis, manchmal nicht.

Wie hat Ihnen der Sport beruflich weitergeholfen?

Kelly: Der Sport gibt mir Kraft, Disziplin und Ausdauer. Mit 24 habe ich den Sport für mich entdeckt, er hat mich erwachsen gemacht. Ich habe gelernt, nicht aufzugeben. Durch diese Kampf- und Zielsetzung schafft man auch mehr – im Sport und im Beruf. Wenn man acht Tage am Stück in der Wüste kämpft, oder auch bei einem klassischen Triathlon, dann erfordert das ein Zeitmanagement. Das kann man eins zu eins übertragen.

Was war die bislang größte Herausforderung für Sie?

Kelly: Es gab viele interessante Sachen. Beispielsweise in den USA den Lauf im Tal des Todes. Da läuft man 217 Kilometer nonstop. Ende Juli sind es da mindestens 50 Grad im Schatten, das ist fast unmenschlich. Starten dürfen nur qualifizierte Läufer, die genügend Erfahrung haben. Oder der dreifach Triathlon auf Hawaii. Das ist sehr hart, aber wunderschön.

Was möchten Sie den Besuchern mitgeben, die am Montag zu Ihrem Vortrag kommen?

Kelly: Ich möchte ihnen gar nichts mitgeben. Ich bin kein Prophet und kein Motivationstrainer. Ich erzähle etwas über mich. Die Menschen müssen sich selbst ihre Ziele setzen. Darum heißt mein Vortrag ja auch „Wie schaffe ich mein Ziel“. Jeder muss individuell auf sich gucken.

Aber Tipps oder Anregungen können die Besucher doch sicher mitnehmen, oder?

Kelly: Wenn ich es schaffe, den einen oder anderen anzuregen, ich Mut machen kann, Bestätigung und ein gutes Gefühl gebe, dann finde ich das gut. Vielleicht ist auch jemand dabei, der sagt: „Ich setze mir jetzt mein eigenes Ziel.“ Aber das mache ich auf keinen Fall mit erhobenem Zeigefinger.

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