Zigarettenschmuggel: Gericht will Hintermänner ausfindig machen

Von: Ulrich Pfaff
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Eupen/Paderborn. Nun sieht es doch nicht mehr nach einem kurzen Prozess aus: In dem Verfahren gegen eine mutmaßliche Bande von Zigarettenschmugglern, die ihre Glimmstängel illegal vor allem in Eupen produziert hat, will das Landgericht Paderborn nun weitere Zeugen hören.

 Denn die Geständnisse der Angeklagten reichten der zweiten Großen Strafkammer am gestrigen fünften Verhandlungstag noch nicht aus.

Dafür sind die Ermittlungen in Eupen weit gediehen. Wie berichtet, stehen sechs Mitglieder der mutmaßlichen Bande seit März in Paderborn vor Gericht. Sie sollen laut Anklage insgesamt 9,5 Millionen Zigaretten – produziert auf Uralt-Anlagen in einer Gewerbehalle in Eupen – unversteuert nach Deutschland eingeführt und dort auf dem Schwarzmarkt verkauft haben.

Die Zollfahndung geht davon aus, dass eine größere kriminelle Gruppierung jedoch deutlich mehr Zigaretten illegal hergestellt und verkauft hat: Die Rede ist von 1,7 Millionen Stangen und einem Steuerschaden von über 50 Millionen Euro. Alle Angeklagten haben die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft an den vorhergehenden Prozesstagen weitestgehend eingeräumt.

Mit den Geständnissen zeigte sich die Vorsitzende Richterin Margret Manthey unzufrieden. „Das ist bislang alles ein bisschen löchrig“, sagte sie. Denn der Kammer geht es vor allem darum, mögliche Hintermänner ausfindig zu machen. Bisher heißt es seitens des Hauptangeklagten und des Geldboten, ein in Brüssel ansässiger Geschäftsmann mit dem Spitznamen „der Dicke“ sei der Drahtzieher.

Auch das Drängen der Kammer brachte am Montag keine neuen Erkenntnisse: Die Angeklagten weigern sich, über die bisher gemachten Angaben hinaus Aussagen zu machen. Dabei würde ihnen ein von der Strafkammer akzeptiertes umfassendes Geständnis jeweils eine Reduzierung des Strafmaßes bringen. Dem Hauptangeklagten wurden sieben Jahre Haft in Aussicht gestellt, ohne das „vollumfängliche Geständnis“ könnten es zehn Jahre werden.

Das Gericht hat sich bis kommenden Dienstag vertagt. Bis dahin soll geklärt werden, ob neue Zeugen geladen werden. In Ostbelgien stehen die Ermittlungen gegen andere mutmaßlich an der illegalen Zigarettenproduktion in Eupen Beteiligte vor dem Abschluss. Staatsanwältin Andrea Tilgenkamp (Eupen) sagte, alle Tatverdächtigen seien aus der Untersuchungshaft entlassen worden – nach zwei Personen werde international gefahndet. Sobald man dieser Verdächtigen habhaft geworden sei, könne in Belgien Anklage erhoben werden.

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