Ziel: Junge Menschen ganzheitlich fördern

Von: Antonius Wolters
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Jülich. Wenn es nach den Wünschen von Ministerpräsident Jürgen Rüttgers geht, dann wird NRW bis zum Jahr 2025 Deutschlands Innovationsland Nummer eins.

Gestaltungshinweise für dieses ehrgeizige Ziel hat im vergangenen Jahr die sogenannte Zukunftskommission unter dem Leitmotiv „Innovation und Solidarität” formuliert. In einer Veranstaltungsreihe wollen die Düsseldorfer Ministerien zentrale Themen der Kommission voranbringen.

So hatte das Ministerium für Schule und Weiterbildung zum Werkstattgespräch ins Science College am Gymnasium Haus Overbach in Jülich-Barmen eingeladen, die erste Jugendbildungseinrichtung im Land, die sich Naturwissenschaften und Technik widmet.

Achim Bachem, Vorstandsvorsitzender des nahegelegenen Forschungszentrums und Mitglied der Zukunftskommission, betonte in seinem einleitenden Referat den besonderen Wert von Bildung als „Quelle der Innovation”. Die hat das bevölkerungsreichste Bundesland offenbar bitter nötig, denn beim Wachstum hinkt NRW hinterher, hat die niedrigste Abiturientenquote, aber die meisten Studenten. Zudem sei NRW ein Exportland und gehöre zu den weltweit größten Industrieländern.

„Wir brauchen gut ausgebildeten Nachwuchs”, so Bachem. Dazu sei es notwendig, die Ingenieurwissenschaften nachhaltig zu fördern, in denen NRW-Schüler nur mittelmäßig abschneiden. Den sogenannten Mint-Schulen im Land, die sich die Förderung von Mathematik, Ingenieur- und Naturwissenschaften und Technik auf die Fahne geschrieben haben, komme dabei besondere Bedeutung zu. Es gelte, Qualitätsstandards zu setzen, junge Leute ganzheitlich zu fördern und „niemanden zurückzulassen”. Neben Spitzenforschung und Wissenstransfer dürfe die Basis nicht vernachlässigt werden.

„Wir fangen zu spät und falsch an”, möchte Klaus Kinkel Mädchen und Jungen am liebsten schon im Kindergarten für Naturwissenschaften und Technik begeistern. Der frühere Außen- und Justizminister, heute Vorsitzender der Telekom-Stiftung, beklagt als weitere Kernprobleme ungleiche Startchancen in Deutschland und hält den Förderalismus in Bildungsfragen für eine „gigantische Bremse”. Zudem beklagt er eine nicht ausreichende Aus- und Fortbildung der Lehrer.

Hier fühlte sich offenbar Günter Winands angesprochen, Staatssekretär im NRW-Schulministerium. Es gelte, das neue Lehrer-Ausbildungsgesetz mit Leben zu erfüllen. Zudem sei es notwendig, elitäre Denkmuster in der Gesellschaft aufzubrechen. Auch Technikfeindlichkeit und die weit verbreitete Mathe-Phobie seien „Teil unseres Problems”. Dem Staatssekretär ist auch klar, dass mehr Werbung für den Lehrerberuf Not tut. Allein in diesem Jahr seien 600 Seiteneinsteiger wie FH-Absolventen verpflichtet worden, um vakante Lehrerstellen zu besetzen. Mit in diesen Problemkreis spielten die Arbeitsbedingungen der Lehrer an den Schulen und die hohen Abbrecherquoten an den Universitäten.

Großer Bedarf bei Kindern

Dass NRW noch lange nicht als Produktionsstandort ausgedient hat, betonte der Direktor des „Verein Deutscher Ingenieure” (VDI), Willi Fuchs: „Unser Land wird weiter von der Wirtschaft leben.” Gern sieht er deshalb das Interesse an Naturwissenschaften und Technik bei Kindern und Jugendlichen. Wie groß der Bedarf ist, habe ein Technik-Sender des VDI im Internet gezeigt. Auch der sogenannte VDIni-Club - ein Technik-Club für Vier- bis Zwölfjährige - hat knapp 1300 Mitglieder.

Wie bereits Grundschüler zum Experimentieren verführt werden können, hatten vor Beginn der Gesprächsrunde vier Schülerinnen des Overbacher Fit-Projektes demonstriert: Unter dem Motto „Forschung ist top” vermitteln die 14- bis 16-Jährigen Grundschülern spielerisch die Neugier für Naturwissenschaften.
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