Zeugnisse von Menschen des Widerstands

Von: Stefan Herrmann
Letzte Aktualisierung:
Prälat Moll. Foto: Stefan Her
Prälat Moll. Foto: Stefan Herrmann

Aachen. Wenn an die Glaubenszeugen gedacht wird, die in Aachen unter Hitlers Terror umkamen, dann fällt zwangsläufig ein Name: Franz Oppenhoff. Der ehemalige Oberbürgermeister der Stadt, der am 25. März 1945 Opfer des Werwolf-Kommandos wurde.

„Oppenhoff war ein Mann von Recht und Gerechtigkeit und ein katholischer Christ”, sagt Moll. Oppenhoff ist ein bekanntes Gesicht des Widerstands. Davon zeugt nicht zuletzt die nach ihm benannte Allee. Aber: Oppenhoff war nicht der einzige.

„Ihn kennt jeder, die zehn anderen niemand. Woran liegt das?”, fragt Helmut Moll provokativ. Der Historiker, der 1973 beim heutigen Papst Benedikt XvI. promovierte, hat es sich zur Aufgabe gemacht, die vielen Schicksale aufzuarbeiten. 900 Lebensbilder katholischer Märtyrer hat er in Zusammenarbeit mit 160 Fachleuten aus allen 27 Diözesen Deutschlands zusammengetragen.

Für das nahe Erzbistum Köln ist Moll tätig. Trotzdem war es erst der zweite offizielle Besuch Helmut Molls in Aachen. Mitgebracht hatte der Prälat Lebensbilder von gut zehn Menschen, die in der Region in einer unmenschlichen Zeit ihren Glauben lebten, die Mensch blieben, ihrem Gewissen folgten und dem Nazi-Regime die Stirn boten. Am Ende bezahlten sie ihr Handeln mit dem Tod. „Sie wurden zu Märtyrern”, sagt Moll.

Wenn Moll sein zweibändiges, über 1700 Seiten starkes Buch in den Händen hält, dann scheint es, als blicke er ein wenig auch auf sein Lebenswerk. „Zeugen für Christus” heißt das deutsche Martyrologium des 20. Jahrhunderts. Für den Herausgeber, Professor und Beauftragten der Deutschen Bischofskonferenz eine Arbeit, die immer weitergeht. Auch und gerade in Aachen und der Region.

Die Aufarbeitung der Märtyrergeschichte des 20. Jahrhunderts war eine Herzensangelegenheit von Papst Johannes Paul II. Er war es, der das weltweite Projekt 1994 initiierte. Moll und seine Mitarbeiter haben seitdem Erstaunliches zusammengetragen.

So wie das Schicksal von Hubert Klinkenberg. Der Techniker aus Eschweiler lebte in Aachen und setzte sich in der Reichspogromnacht 1938 für bedrohte Juden ein. „Es gab Leute wie Klinkenberg. Für sie war es ein Akt der Menschlichkeit, Juden zu helfen”, ernnert Moll. Seinen Einsatz bezahlte Klinkenberg mit dem Tod. Er starb 1942 im KZ Flossenbürg.

Ein anderer war der 1885 in Aachen geborene Pfarrer Franz Coenen. „Er hat als echter Aachener Flagge gezeigt”, sagt Moll. Er habe Klartext gesprochen und öffentlich die Meinung vertreten, dass das Christentum und der Nationalsozialismus niemals vereinbar seien. Die Folge: Er wurde entlassen und kam nach Bergisch-Gladbach. Dort musste er wegen seiner mutigen Worte viele Schikanen erleiden und kam schließlich als Gegner der NS-Ideologie 1939 zu Tode. In Bergisch-Gladbach ist eine Straße nach Coenen benannt. „In Aachen ist er unbekannt”, stellt Moll fest.

Der 1944 in Euskirchen geborene Moll listet weitere Personen auf, die in Aachen und der Region geboren wurden oder gewirkt haben und schließlich als überzeugte Christen den Märtyrertod erleiden mussten. Menschen wie der Pallottinerpater Franz Reinisch, der nach einer religiösen Woche in St. Peter in Aachen Predigt- und Redeverbot erhielt und 1942 im Zuchthaus Brandenburg-Görden umkam. Oder Hubert Berger, der von 1924 bis 1931 als Kaplan in St. Marien Aachen den Aufstieg der NSDAP in der Region miterlebte.

Auch er kam schließlich ins KZ, sollte 1945 auf den so genannten Todesmarsch, setzte sich ab und starb kurze Zeit später an den Folgen des erlittenen Martyriums. Sie seien großartige Männer gewesen, betont Moll. Ebenso wie die 900 anderen Frauen und Männer, die zu Zeiten des Nationalsozialismus, aber auch im Kommunismus und als Missionare wegen ihres Glaubens und christlichen Handelns sterben mussten.

„Als Historiker muss ich sagen, das die Zeit des Nationalsozialismus in Aachen noch nicht hinreichend aufgearbeitet ist”, beendet Moll seinen Besuch gleich mit einem Arbeitsauftrag. Er selbst schreitet dabei voran, zückt immer wieder sein kleines Notizbuch aus der Jackentasche, um weitere Informationen über Glaubenszeugen aus der Region zu sammeln. Sein Lebenswerk ist noch lange nicht abgeschlossen.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert