Zeuge: Auf Befehl des Vaters in den Nacken geschossen

Von: Wolfgang Schumacher
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Aachen/Kall. Nach einer dreiwöchigen Pause ist es im Kaller Mordprozess am Montag turbulent weitergegangen. So verhängte das Aachener Schwurgericht unter Vorsitz von Richter Gerd Nohl direkt eine Ordnungsstrafe von 200 Euro plus Zusatzkosten, weil es ein Zeuge aus Trier nicht für nötig befunden hatte, zu erscheinen.

Die Kinder hätten zur Schule gemusst, berichteten Bekannte des Zeugen aus dem voll besetzten Saal.

Dafür mussten mehr als ein halbes Dutzend Anwälte, fünf Richter und vier Sachverständige tatenlos warten, der nächste Zeuge war erst für die Stunde danach vorgesehen. Doch dessen Aussage hatte es in sich.

In dem spektakulären Eifeler Fall, bei dem der Schrotthändler und Autohausbesitzer Ralf S. (45) aus Sötenich direkt zu Beginn freimütig zugegeben hatte, seinen Geschäftsfreund Johann P. mit einem doppelläufigen Jagdgewehr „aus Versehen” erschossen zu haben, zog sich die Schlinge für Ralf S. am Montag ganz eng zu.

Der bereits zu zehn Monaten Haft auf Bewährung wegen Strafvereitelung verurteilte Zeuge und ehemals „gute Bekannte” des Angeklagten schilderte den Tag nach der Bluttat am 17. Januar. Der 49-Jährige ließ sich dazu hinreißen - wie auch andere „gutwillige Helfer” aus dem dörflichen und familiären Umfeld - die mutmaßliche Mordwaffe samt Patronen mitzunehmen. Bei sich zu Hause zerlegte er das Gewehr mit einer sogenannten Flex „in fünf bis sechs Teile”. Die packte er unbemerkt in einen Pappkarton und fuhr damit „20 bis 25 Minuten” in Richtung Aachen zum Rursee.

Dort nahe dem Restaurant Seehof habe er die Waffenstücke in die Talsperre geworfen, nach 15 Metern Entfernung vom Ufer ist der See dort bereits an die 70 Meter tief. „Da haben Sie sich aber eine gute Stelle gesucht”, meinte der Vorsitzende Gerd Nohl mit feiner Ironie.

Der Mann im Zeugenstand berichtete, wie das Szenario im Ersatzteilkeller des Autohauses auf ihn wirkte. Der Freund aus der Jugendzeit hatte ihn gerufen, ohne dass er etwas von der Leiche im Keller ahnte. „Die lag da neben der Treppe, abgedeckt mit einer Matte”. Der Angeklagte eröffnete ihm im grausigen Ambiente zwischen Blutspuren und verölten Autoteilen, dass er seinen Kumpel erschossen haben. Der habe ihn erpressen wollen.

Dann kramte er die Flinte hervor. Der Zeuge berichtete, wie er selber spontan sagte: „Die muss weg”. Er nahm die Waffe samt vier Patronen an sich. „Wenn die das rauskriegen, brauch ich eine Uzzi”, habe der Freund gesagt.

Dann beichtete er im Autohauskeller den Mordplan. Er habe den Geschäfts- und Familienfreund über die Leiter in den Teilekeller „heruntergelockt”. Auf halber Treppe habe er gefeuert, der Kumpel sei nach oben geflohen und an der dortigen Montagegrube zusammengebrochen. Da sei „der Alte”, der Zeuge meinte damit den Vater von S., hinzugeeilt und habe gerufen „dann bring es zu Ende.”

Das habe S. ohne Zögern getan und dem liegenden Opfer von hinten in den Nacken geschossen. Der Angeklagte sagte nichts, er behauptet bislang, irrtümlich den Abzug betätigt zu haben. Letztlich habe der Zeuge das Gewehr zum Entsorgen mitgenommen, verweigerte jedoch seine Mithilfe bei dem Ansinnen, die Leiche auf den Komposthafen zu ziehen.

Dabei halfen dann ein paar tage später die Ehefrau und die Ex-Freundin (48) des Angeklagten. Letztere sagte am Montag aus, sie habe mit der anderen das Blut weggeschrubbt und mitgeholfen, die Leiche auf einem Anhänger zu verstauen. Der Prozess wird am Donnerstag, 4. Oktober, ab 9 Uhr im Aachener Landgericht fortgesetzt.
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