WZL: Aushängeschild, Kaderschmiede, Industriepartner

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Ein verheerendes Feuer und der entstandene Schaden: Impressionen aus der Nacht und das Bild am Tag danach. Die Versuchshalle des Werkzeugmaschinenlabors ist teilweise wie ein Kartenhaus zusammengefallen. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Die Maschinenbauer gelten als die Drittmittelkönige der Exzellenzuniversität, als gefragter Partner der Industrie, als Kaderschmiede für die großen Maschinenbau- und Automobilkonzerne. Das Werkzeugmaschinenlabor (WZL) der RWTH Aachen ist eine der bekanntesten Einrichtungen der Universität. Das steht hinter dem WZL:

Was ist das Werkzeugmaschinenlabor eigentlich?

Das Werkzeugmaschinenlabor ist ein Forschungsinstitut mit dem Schwerpunkt Produktionstechnik und setzt sich aus fünf Lehrstühlen zusammen: Fertigungsmesstechnik und Qualitätsmanagement, Produktionsmanagement, Produktionssystematik, Technologie der Fertigungsverfahren, Werkzeugmaschinen.

Es zählt zu den ältesten Einrichtungen der RWTH Aachen, geht auf das Jahr 1906 zurück und hat seit jeher die Hochschule maßgeblich geprägt. Auf Initiative des WZL wurde das Fraunhofer-Institut für Produktionstechnologie nach Aachen geholt, es entstand unter anderem das Aachener Demonstrationslabor für integrierte Produktionstechnik und vieles mehr.

Welchen Stellenwert hat das WZL heute?

Zwei sogenannte Exzellenzcluster machen die RWTH Aachen zur Exzellenzuniversität. Eines dieser beiden Cluster ist am Werkzeugmaschinenlabor entstanden: integrative Produktionstechnik für Hochlohnländer. Das WZL mit seinen etwa 830 Mitarbeitern ist also eine Art Aushängeschild der RWTH Aachen. Auch oder gerade dank des traditionsreichen Werkzeugmaschinenlabors hat sich die RWTH Aachen eine Spitzenposition in Sachen Maschinenbau insgesamt, zumindest in Deutschland, wenn nicht sogar in Europa erarbeitet.

In diversen Uni-Rankings landet der Maschinenbau der RWTH auf Spitzenpositionen. Im jüngsten Ranking der Wirtschaftswoche landete die RWTH in dieser Disziplin nach Jahren an der Spitze hinter dem Karlsruher Institut für Technologie auf Rang 2. In den Personalabteilungen der großen Maschinenbaubetriebe oder Automobilkonzerne sind Absolventen aus Aachen als Bewerber gerne gesehen. Es wird immer wieder kolportiert, dass WZL-Absolventen in der Industrie mit offenen Armen empfangen werden.

Wie sehr prägt der Maschinenbau die Universität?

Welchen Stellenwert der Maschinenbau beziehungsweise das Maschinenwesen innerhalb der RWTH hat, machen folgende Zahlen deutlich: Mit 12.050 Studenten ist die Fakultät für Maschinenwesen (Fakultät 4) die größte der RWTH. Zuletzt gab es 2161 Neueinschreibungen. Von den 12 050 Studenten machen 2757 ihren Master. Hinzu kommen 1217 Promotionen – auch das ist ein Spitzenwert. Die Fakultät geht dabei bis an ihre Belastungsgrenze – und darüber hinaus. Die Auslastung beträgt tatsächlich 173 Prozent. Keine Fakultät kommt auf einen ähnlichen Wert. Begehrt sind die Studienplätze in aller Welt: 26,1 Prozent der ausländischen Studenten haben sich für Maschinenwesen eingeschrieben, 45 Prozent davon kommen aus Asien.

Warum ist das so?

Weil insbesondere das WZL für praxisnahe Forschung mit Partnern aus der Industrie steht. „Unser Selbstverständnis ist es, die Probleme der Praxis zu lösen“, hat der geschäftsführende Direktor des WZL, Professor Günther Schuh, in einem Interview mit unserer Zeitung gesagt. Und als Problemlöser ist das WZL ein gern beauftragter Forschungspartner.

Wie drückt sich das aus?

In Versuchsaufbauten, aber mehr noch in Zahlen: Mehr als ein Drittel der Drittmittel, die die RWTH Aachen im Jahr 2014 eingeworben hat, entfallen auf die Fakultät 4, zu der das WZL zählt. Genauer: Der Jahresetat der gesamten Hochschule setzte sich 2014 aus 445,8 Millionen Euro Landeszuschuss, 63,3 Millionen Euro sogenannter Sondermittel etwa aus dem Hochschulpakt und eben 330,4 Millionen Euro Drittmittel zusammen. Und davon waren 94,4 Millionen Euro von Industrieunternehmen überwiesen worden. Keine andere deutsche Hochschule hat derartige Mittel einwerben können.

116,5 Millionen Euro der genannten Drittmittel insgesamt entfallen wiederum auf das Maschinenwesen zuzüglich weiterer 95 Millionen Euro, die auf sogenannte An-Institute und die Fraunhofer-Einrichtungen entfallen. Als zweitbeste Fakultät kommt die für Mathematik, Informatik und Naturwissenschaften auf 49,5 Millionen Euro. Und: Im Jahr 2003 konnte die gesamte RWTH gerade einmal 150 Millionen Euro Drittmittel einwerben.

Und das meiste Geld kommt aus der Industrie?

Von den 116,5 Millionen Euro der Fakultät 4 kommen vergleichsweise geringe 13,3 Millionen Euro von der Deutschen Forschungsgemeinschaft DFG. Das bedeutet, auch wenn keine konkreten Zahlen vorliegen: Zig Millionen kommen aus der Industrie und gerade das WZL ist hier ein maßgeblicher Treiber. Die Planmittel, also die Landesmittel, die die Fakultät darüber hinaus finanzieren, belaufen sich übrigens auf 96 Millionen Euro, liegen also deutlich unter den Drittmitteln.

Beeinflussen die industriellen Drittmittel nicht die viel zitierte Freiheit der Forschung?

Mit diesem Vorwurf werden die Verantwortlichen im WZL immer wieder konfrontiert. Günther Schuh weiß das. Er sagte an dieser Stelle in einem Interview mit unserer Zeitung: „Edle Forschung ist nicht dadurch edel, dass ihre Mittel aus der öffentlichen Hand kommen.“ Unfrei sei industrielle Forschung ohnehin nicht. „Wir lassen uns nicht sagen, was wir machen sollen. Uns interessieren nur sinnvolle Fragestellungen“, erklärte Schuh weiter.

Am Ende wird auch nicht ausschließlich für die Industrie geforscht. 31 Prozent aller Schutzrechte, also Patente, die die RWTH Aachen 2015 angemeldet hat, nahmen ihren Ursprung in der Fakultät 4 – auch am WZL. Das ist auch die Geburtsstätte eine der bekanntesten Entwicklungen der RWTH der letzten Jahre: das Elektromobil Streetscooter.

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