Wohnungsmangel in NRW birgt sozialen Sprengstoff

Von: dpa
Letzte Aktualisierung:
Wohnung Köln Immobilien
Um den Bedarf an Wohnungen in Metropolen wie Köln zu decken, müsste viel mehr gebaut werden, sagt die Branche. Foto: Oliver Berg/dpa

Düsseldorf. Ein erheblicher Mangel an bezahlbaren Wohnungen in Deutschland wird nach Einschätzung der IG Bau ohne eine kräftige Aufholjagd beim Neubau für sozialen Sprengstoff sorgen. In Ballungsräumen, Groß- und Unistädten werde zwar gebaut - allerdings deutlich zu wenig und überwiegend „in der Luxusklasse”, kritisierte der Vize-Bundesvorsitzende der IG Bauen-Agrar-Umwelt, Dietmar Schäfers, am Samstag auf einer Konferenz der Gewerkschaft in Düsseldorf.

„Haushalte mit unteren und mittleren Einkommen können sich Mieten in Neubauwohnungen nicht leisten, eine fatale Entwicklung”, warnte er laut Mitteilung.

Bezahlbarer Wohnraum müsse Topthema der NRW-Landtagswahl im Mai und der Bundestagswahl im September werden. Es brauche wieder ein eigenständiges Bundesbauministerium. Das bevölkerungsreichste Bundesland NRW sieht die Gewerkschaft „tief in einer Wohnungskrise”. Die Mietspirale drehe sich immer weiter nach oben. Köln und Düsseldorf gehörten zu den Top-20-Städten mit dem höchsten Mietniveau, noch vor Hamburg und Frankfurt am Main.

„Viele Haushalte müssen inzwischen die Hälfte ihres Einkommens für die Miete aufwenden. Manche sogar noch mehr - gerade Geringverdiener”, schilderte Schäfers. Der Staat müsse günstige Mietwohnungen gezielt und stärker fördern. Wohnungsbaupolitik sei „ein wichtiges Stück Sozialpolitik”.

Das Baugewerbe sieht den Wohnungsbau trotz leichter Steigerungen ebenfalls noch weit vom eigentlichen Bedarf entfernt. „Die Lücke wird auch immer größer”, sagte der Hauptgeschäftsführer des Baugewerbe-Verband Nordrhein, Lutz Pollmann. Die für 2017 von Experten erwartete Zahl von gut 300 000 fertiggestellten Wohnungen bundesweit sei nur etwa die Hälfte dessen, was notwendig wäre.

Der Immobilienspezialist Deutsche Invest Immobilien geht davon aus, dass durch die geringe Zahl an Neubauten über viele Jahre hinweg in Deutschland mehr als eine Million Wohnungen fehlen. Zwischen 2011 und 2015 seien nur 32 Prozent der benötigten Wohnungen in Großstädten wie Berlin, Hamburg, Düsseldorf, Köln, Stuttgart, Frankfurt und München gebaut worden. Bundesweit wurde gut die Hälfte der benötigten Einheiten (53 Prozent) gebaut.

Das NRW-Bauministerium betonte, das Land habe auf die verschärfte Wohnungsmarktlage reagiert. Schon 2015 sein fast 40 Prozent aller neuen Sozialwohnungen in NRW gebaut worden. Für 2016 und 2017 seien die Förderprogramme deutlich auf je 1,1 Milliarden Euro aufgestockt worden, sagte Staatssekretär Michael von der Mühlen (SPD) laut Redemanuskript. 2016 sei auch wegen finanzieller Anreize des Landes für Investoren zum Boomjahr geworden.

Die Probleme seien aber längst nicht gelöst. Die Förderbedingungen für den sozialen Wohnungsbau müssten auch nach dem Wahljahr 2017 attraktiv für Investoren bleiben. Wohnungsleerstand werde stärker aktiviert, in Ballungsräumen brauche es mehr Bauflächen. Die „Leistungsträger der Gesellschaft” - Krankenpfleger, Facharbeiter oder kaufmännische Angestellte - dürften nicht aus den Städten verdrängt werden, weil die Mieten für sie unerschwinglich seien.

Laut Baugewerbe-Verband steht NRW bei den Fördermitteln für den sozialen Wohnungsbau zwar besser da „als alle anderen Bundesländer zusammen”. Die rot-grüne Regierung habe aber zugleich die Grunderwerbssteuer auf ein Spitzenniveau angehoben.

Die Homepage wurde aktualisiert