Wohnen 2014: Alles ist bunt und rund

Von: Angela Delonge
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So macht Sitzen Spaß: Die neuen Sitzkugeln mit dem sinnigen Namen „The Ball“ erinnern nur noch entfernt an die Sitzbälle aus der Physiotherapie. Mit Stoffbezügen in allen Farben passen sie in jedes Wohnambiente. Foto: dpa

Köln. 12 Uhr mittags: Im Untergeschoss von Halle 2 der Kölner Möbelmesse, dort, wo sich die Stände der Asiaten mit ihren europäisch anmutenden Plagiaten befinden, werden die Stäbchen ausgepackt. Sichtlich genießen die Aussteller diesen Moment – sich mit einem Chop Suey aus der Mikrowelle kulinarisch mal kurz in die Heimat zu beamen. Ganz anders wird der Lunch auf den oberen Etagen zelebriert.

In den trendig gestylten Bistros der einzelnen Möbelhersteller geht es zu wie im Bienenkorb. Ein Gesumme und Geplauder und Geschmause wie nach der Opernpremiere. Gedränge bei Thonet und Vitra. Da muss man gewesen sein. Hinterher ein Espresso im Stehen bei der nächsten Firma.

Sehen und gesehen werden – das zählt auf der international bedeutendsten Möbelmesse in Köln genauso wie auf der Pariser Fashion Show oder der Art Basel. Es geht schließlich auch hier ums Verkaufen, und was wäre der beste Geschäftsabschluss ohne das Gesellige? Beim „Dress Code“ ist erlaubt, was gefällt – vom schwarzen Anzug bis zur Designerjeans mit Löchern. Einziges Muss: bequeme Schuhe, denn man läuft richtig viel durch die insgesamt 15 Hallen. Designermäßig punkten kann man mit knallbunten Sohlen ebenso wie mit orthopädisch korrektem Schuhwerk.

Reges Treiben herrscht auch in Halle 1, hier stellen Kunsthochschulen und Akademien aus. Alles ist ein wenig schlichter: Espresso und stilles Wasser am Stehtisch, dazu Fingerfood. Die Aachener Handwerksakademie Gut Rosenberg vertritt die Handwerkskammer Aachen und wirbt für ihr Handwerkerstudium. Der massive Holzhocker am Stand aus einem Baumstamm stammt von Heide Dittmann, es ist die Examensarbeit der Holzbildhauerin. Sie hat damit im vergangenen Jahr den Gut-Rosenberg-Preis der Aachener Bank gewonnen.

Und noch eine Preisträgerin ist in Halle 1 zu finden: Lena Schlumbohm, Design-Absolventin der Fachhochschule Aachen. Sie hat die magnetisch justierbare Schreibtischleuchte „Jella“ kreiert und ist damit nicht nur in den illustren Ausstellerkreis der 22 Gewinner des Design-Wettbewerbs „D3 Contest“ des Deutschen Rats für Formgebung gekommen, sondern ergatterte mit „Jella“ noch vor Beginn der Messe am vergangenen Sonntag auch den dritten Preis des Interior Innovation Award – Best of Best 2014 der „imm cologne“.

In Halle 1 gibt es Innovatives und Witziges zu sehen: So kann man am Stand der „Köln International School of Design“ einem 3D-Drucker bei der Arbeit zusehen oder begutachten, welche Alltagsgegenstände die Absolventen der FH Ostwestfalen-Lippe aus Ein-Euro-Produkten kreiert haben, zum Beispiel „bumpy chair“, einen Loungesessel aus Poolnudeln. Nachhaltigkeit ist das Thema in allen Bereichen.

Auch bei den wirklich begehrenswerten Dingen in den Hallen 2, 3 und 4. Behagliche Sofas und Sessel mit organischen, runden Formen und bunten Stoffen, überhaupt Sitzgelegenheiten aller Art. Vorbei die Zeiten der überdimensionierten Loungeecken, der Trend geht zu kleineren und variablen Sitzmöbeln. Auch in Sachen Tapete ist was los: Streifen für den Pragmatiker, wilde Muster und lustige Fototapeten für den Kreativen, Blümchen für den unbekümmerten Youngster, die Fischtapete für das Badezimmer – es gibt nichts, was es nicht gibt.

Ebenso beim Thema Licht: die LED-Technik eröffnet eine Flut neuer Lichtwelten, Licht wird in Möbelstücke integriert oder leuchtet als solitäres Kunstobjekt. So wie die Lampen von Tatjana Pisanec, deren kleiner Stand zahlreiche Interessenten anzieht. Aus Seidenpapierkrepp kreiert die Aachener Architektin und Designerin ihre federleichten Leuchten, die an geöffnete Blütenkelche erinnern. Erst seit einem halben Jahr widmet sich Pisanec intensiv der Lampenproduktion, und der Laden läuft.

So viele schöne, neue Dinge – doch was passt ins eigene Zuhause? Bei dieser Frage hilft vielleicht die kostenlose Speed-Wohnberatung einer Fachzeitschrift, die erstmals in Halle 4 angeboten wird. Die Experten empfehlen, einen Grundriss mitzubringen.

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