Kelmis/Aachen - „Woche der Fritte“: Belgier verteilen Gratis-Portionen

„Woche der Fritte“: Belgier verteilen Gratis-Portionen

Von: Alexander Barth
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Grenzgänger mit Gratis-Tüte: Rudolf Rölz und sein Enkel Lennard lassen sich zur „Woche der Fritte“ eine Portion in Kelmis schmecken. Belgische Verständigung: Der Flame Jo Boeyen (kleines Bild, re.) reicht dem Wallonen José Pappagne das Nationalgericht. Foto: Andreas Steindl

Kelmis/Aachen. José Pappagne wirkt erst einmal ein wenig enttäuscht. „Ich hatte gehofft, ein paar alte Kollegen zu treffen“, sagt der 63-Jährige, als er Mittwochmittag am alten Grenzübergang Tülje in der belgischen Gemeinde Kelmis eintrifft. Er kennt diesen Ort an der Lütticher Straße gut, als Zöllner hat Pappagne bis 1993 hier Autos kontrolliert.

Jetzt ist er in privater Mission zurück: „Wegen den Fritten“. Soweit, so ehrlich. Tatsächlich ist es das belgische Nationalgericht, das Kulturgut, die identitätsstiftende Kartoffelspeise, die an diesem regnerischen Mittwoch Autofahrer zum Halten und Fußgänger zum Schlangestehen bewegt. Es ist „semaine de la frite“, die „Woche der Fritte“ in Belgien, und das schon zum 18. Mal. Am Grenzpunkt zwischen Kelmis und der deutschen Siedlung Bildchen ist das unübersehbar. Und das frittierte Feiergut gibt es sogar gratis

Die Idee dahinter: Belgiern, die über die Grenze zurück in ihr Land kommen, soll ein Heimatgefühl vermittelt werden – egal ob sie zwei Wochen oder nur eine halbe Stunde weg waren. An vier ehemaligen Grenzübergängen mit Deutschland, Frankreich und den Niederlanden wird der kulinarische Patriotismus befeuert, und zwar mit traditionell zubereiteten Fritten: „Zwei mal in Fett erhitzt, einmal bei rund 140 Grad, später bei etwa 190 Grad“, umreißt Luc Roisin die wichtigsten Regeln. Als Vertreter der wallonischen Agentur für Landwirtschaft ist er gekommen, um für den Genuss „echter belgischer Fritten“ zu werben – und nicht zuletzt die Philosophie um den Genuss auch anderen Grenzgängern aus dem Dreiländereck nahe zu bringen. Eine Philosophie, mit der sich auch Pappagne identifiziert: „Fritten verbinden uns Belgier. Egal ob wir aus dem deutschsprachigen Teil, der Wallonie oder aus Flandern kommen. Wenn es sonst einiges gibt, was uns teilt: auf die Fritten sind alle gemeinsam stolz.“

Wenn auch nicht Pappagnes Kollegen vom Zoll auftauchen, auf die Anwesenheit von Uniformierten muss er nicht verzichten. „Friet Brigade“ ist auf ihren Jacken zu lesen. Zwar keine Staatsmacht, aber immerhin Repräsentanten des Anlasses sind Jo Boeyen und seine Kollegin Lies. Während der „Woche der Fritte“ sind sie in diesen Tagen rund 2000 Kilometer unterwegs, um die Botschaft quer durch das Land zu tragen.

Von Tournai bis De Panne

Von Tournai nahe der französischen Grenze führte ihr Weg mit einem herrlich altmodischen Imbiss-Wagen über Zelzate, unweit der Niederlande gelegen, nach Kelmis in den äußersten Osten des Königreichs. „Morgen geht es an die Küste nach De Panne“, sagt Boeyen, während er eine weitere Portion in die typische trichterförmige Papiertüte packt. „Es ist eine spannende Reise. In wenigen Tagen erlebt man die Landsleute mit all ihren regionalen Eigenheiten. Und die Nachbarn ebenso.“

Schließlich sind auch Deutsche und Niederländer in den Grenzgebieten zum kulinarischen Kulturaustausch eingeladen. „Aber eigentlich ist die Fritte doch längst grenzenlos hier bei uns“, ergänzt Ex-Zöllner Pappagne. „Ich kann ihnen Imbissbuden in allen drei Ländern nennen, wo sie gute Fritten bekommen.“

Rudolf Rölz und sein Enkel Lennard gehören zu denen, die die kurzen Wege im Dreiländereck an diesem Tag für einen Ausflug nutzen. „Wir haben es nicht weit. Fritten zu Fuß quasi“, sagt Rölz, den Mund noch halbvoll mit Frittiertem. Die beiden stimmen schnell in die angeregte Debatte rundum den Wagen der „Friet Brigade“ ein. Kernfrage: Wo gibt es die besten Pommes? Der kleinste gemeinsame Nenner ist schnell gefunden: „Majo mögen sie alle“, sagt Frittenschmied Boeyen.

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