Wo Tomaten in den Kochtopf wachsen

Von: Verena Müller
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So soll das Ausstellungszentrum des „Viertels von morgen” auf dem grenzüberschreitenden Gewerbegebiet Avantis einmal aussehen. Die Natur fließt sozusagen über die Schräge, einen Lärmschutzwall, in das Gebäude ein. Entworfen haben es Studenten der Hogeschool Zuyd in Heerlen. Foto: Verena Müller

Heerlen. Roel Derkx und Leroy Merks sind nicht einmal Mitte zwanzig, können sich aber schon rühmen, auf dem Gewerbegebiet Avantis bleibende Spuren zu hinterlassen. Ihre Bachelorarbeit an der Hogeschool Zuyd in Heerlen ist gemeinsam mit einem weiteren Abschlussprojekt ausgewählt worden, im „Viertel von morgen” gebaut zu werden.

Das „Viertel von morgen” („De wijk van morgen”) ist ein Modellviertel mit drei Wohngebäuden und einem Ausstellungs-/Büro-Gebäude, die den aktuellen Stand in Sachen nachhaltigem und energieeffizientem Bauen widerspiegeln sollen.

Zwei wesentliche Interessen werden damit verknüpft: Studenten der Heerlener Hochschule können praxisbezogen lernen und im Umfeld angesiedelte Unternehmen können ihre Produkte vorteilhaft präsentieren. Kürzlich war der Spatenstich für den Wohnkomplex, ab dem kommenden Jahr sollen die nächsten beiden Gewinnerentwürfe umgesetzt werden.

Was der Jury an der Arbeit von Roel Derkx und Leroy Merks mit dem Titel „Eco/nnect” gefallen hat, war die in das Gebäude einfließende Natur. Die Rückwand des Komplexes besteht nämlich aus einer mit Gras bewachsenen Schräge, die als Dachterasse ausläuft und zugleich Lärmschutz ist. Ein „spektakuläres Design” nannte das die Jury, in der unter anderem Vertreter diverser Hochschulen wie Aachen, Lüttich und Hasselt sowie des grenzüberschreitenden Gewerbeparks sitzen.

Natürlicher Kreislauf

Auf dem Dach befindet sich dann eine Mischung aus Gewächshaus und Restaurant, bei dem die Tomaten förmlich in den Kochtopf wachsen. „Die Wärme unter dem Glas wird über einen Wärmetauscher in dem Erdwall, unter dem Lärmschutzwall gespeichert”, erläutert Leroy Merks. Regenwasser wird für das Betreiben der Toiletten und Bewässern der Pflanzen gesammelt.

Die Abfälle und die menschlichen Exkremente werden unterirdisch aufbereitet: Flüssigkeiten werden biologisch gereinigt, der Rest kompostiert. „Die dabei entstehenden Gase werden über eine Mikroturbine zur Energiegewinnung genutzt, der Kompost wird wiederum als Pflanzendünger genutzt”, erklärt Roel Derkx. So entsteht ein natürlicher Kreislauf. Sonnenkollektoren komplettieren das Öko-Gebäude, das die Energie, die in ihm gebraucht wird, selbst generiert.

Während der Bauperiode soll ein Interimsbau Ausstellungs- und Büroräume zur Verfügung stellen. Und gerade weil es nur eine Übergangslösung sein soll, bestand die Aufgabe für die Studenten darin, kostengünstig und recyclebar zu planen.

Ebenso wie beim dauerhaften Bau soll es keine Energie von außen benötigen. Besonders gut gelungen ist das laut Jury Bas Wijnands und Tom Moulen. Von vorne sieht das Modell aus wie zwei L´s, die kurz vor der Vereinigung zu einem Viereck verharren.

Das Fundament besteht aus großen, sechseckigen Waben, in die mit Wasser gefüllte dickwandige Ballons eingelassen werden. So hinterlässt das Gebäude - im Gegensatz zu einem gegossenen Betonfundament etwa - in der Natur kaum Spuren.

Die Wände setzen sich aus mit alten Lkw-Planen bespannten Metallgerüsten zusammen, als Isoliermaterial sind Holzfasern vorgesehen, die Innenwände bestehen aus Pappkartons. „93 Prozent des Materials ist recyceld”, sagt Bas Wijnands. 50 Prozent waren als Minimum als Aufgabenstellung gefordert. Alle Leitungen sollen in Rollwänden untergebracht werden.

An der Realisierung ihrer Pläne werden die Studenten allerdings - wenn überhaupt - nur im Hintergrund beteiligt sein. Viel Zeit haben sie eh nicht. Drei der vier Absolventen der Hogeschool Zuyd studieren inzwischen an anderen Hochschulen weiter, wo sie ihren Master machen wollen, einer orientiert sich noch neu.
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