Wirbel um „Marilyn“ aus dem Spielcasino

Von: Dorothea Hülsmeier und Eckhard Hoog
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Diese Aufnahme ist eine Reproduktion aus dem vor Jahrzehnten erschienenen Katalog über die Kunstsammlung des Aachener Spielcasinos. Sie zeigt einen Blick in die damalige Disco Club Zero im Spielcasino, wo die „Marilyn“-Siebdrucke von Andy Warhol als Dekoration hingen. Heute wird ihr Wert auf 850 000 Euro geschätzt. Sie sollen „im Moment“ nicht verkauft werden, erklärt Casinobetreiber Westspiel auf Anfrage. Foto: Archiv
Warhol Monroe Casino Aachen
Mehr als ein Jahr nach der umstrittenen Versteigerung von zwei Warhol-Siebdrucken aus der Aachener Spielbank sorgt ein weiteres wertvolles Werk des Pop-Art-Künstlers für politischen Wirbel. Foto: Westdeutsche Spielbanken/dpa

Aachen/Düsseldorf. Mehr als ein Jahr nach der umstrittenen Versteigerung von zwei Warhol-Siebdrucken aus der Aachener Spielbank sorgt ein weiteres wertvolles Werk des Pop-Art-Künstlers für politischen Wirbel.

Die FDP verlangt in einer Kleinen Anfrage von der Landesregierung Auskunft über das Schicksal von zehn „Marilyn“- Siebdrucken, die vor Jahren im Aachener Casino hingen – als Dekoration in der Disco Club Zero, neben einer Spiegel-Stele des Kölner Künstlers Victor Bonato.

Im November 2014 hatte Westspiel zwei Siebdrucke von Andy Warhol – „Triple Elvis“ und „Four Marlons“ – aus dem Aachener Casino für eine Gesamtrekordsumme von umgerechnet 120 Millionen Euro in New York versteigern lassen. Der Verkauf von Kunst durch das indirekt dem Land NRW gehörenden Unternehmen hatte starke Proteste ausgelöst.

„Was für ein Riesentamtam“

„Eine Posse! Was für ein Riesentamtam!“, stöhnt Westspiel-Sprecher Marco Lippert hörbar genervt am Telefon. Das Finanzministerium hat sich bei ihm gemeldet, überhaupt die Politik . . . „Dabei sind die Marilyns doch da“, sagt er. „Die sind nicht verschwunden, wie die ‚Bild‘-Zeitung schreibt.“ Alle zehn befinden sich demnach in einem Depot in Frechen, wie Lippert gegenüber unserer Zeitung erklärt. Und er stellt klar: „Die Siebdrucke lassen wir eingelagert. Im Moment gibt es keine Verkaufsabsichten.“

Dabei ist auch hier eine beachtliche Wertsteigerung erfolgt. „Die Bilder haben damals zusammen 15.000 Euro gekostet.“ Einer der kolorierten „Marilyn“-Siebdrucke wurde nach Lipperts Angaben 1988 „von einem Haustechniker irreparabel beschädigt, so dass man ihn ersetzen musste. Die Neubeschaffung hat dann umgerechnet schon 22.000 Euro gekostet – ein einziges Stück. Warhol war damals schon bekannt.“ Heute hätten die zehn Siebdrucke einen geschätzten Wert von 850.000 Euro.

Das ist allerdings weit weniger als der Wert der zwei unversehrten Warhol-Siebdrucke „Triple Elvis“ und „Four Marlons“ aus dem Aachener Casino. Für Westspiel sei die Auktion vor 15 Monaten ein „Jackpot“ gewesen, meint Lippert. „Eine Wertsteigerung in Höhe von 56.220 Prozent.“ Mit dem Erlös will Westspiel den defizitären Spielbanken-Betrieb sanieren und ein neues Casino in Köln bauen.

Ob tatsächlich alle Werke aus dem Aachener Spielcasino noch vorhanden sind, ist durchaus fraglich. Die Stele von Bonato zum Beispiel aus dem Club Zero soll jedenfalls auf einem Müllcontainer gelandet sein, das hatte uns ein Mitarbeiter der Aachener Spielbank versichert, der das mit eigenen Augen gesehen haben will. Westspiel erklärte Ende 2014 auf unsere Anfrage hin, dass sie keine Kenntnis von einem Bonato-Werk habe. Die entsprechende Seite im Katalog zeigt die Stele allerdings im Club Zero!

Inzwischen sucht ein Runder Tisch von Politikern, Kulturschaffenden und Unternehmen in NRW nach Lösungen, wie Kunst in Besitz von Landesunternehmen dem Bundesland erhalten bleiben kann. Hintergrund ist auch der immer noch beabsichtigte Verkauf der millionenschweren Kunstsammlung der WestLB-Nachfolgegesellschaft Portigon. Die wichtigsten Werke sollen nun vom Land über eine Stiftung angekauft werden. Auch die Sammlung von Westspiel, einer Tochter der landeseigenen NRW.Bank, war einst von der Westdeutschen Landesbank gekauft worden.

Mäzene sollen Werke sichern

Der stellvertretende FDP-Fraktionschef Ralf Witzel schloss nicht aus, dass das weiterhin defizitäre Spielbanken-Unternehmen künftig doch noch unter Druck kommen könnte, weitere Kunst zu verkaufen. Die FDP sei strikt gegen weitere „Sorglos-Verkaufslösungen“. Werthaltige Kunst in Besitz von Landesunternehmen solle nach FDP-Ansicht von privaten Mäzenen für das Land gesichert und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

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