Region - „Wir schaffen das!“: Karikaturen zur Flüchtlingsthematik

Solo Star Wars Alden Ehrenreich Kino Freisteller

„Wir schaffen das!“: Karikaturen zur Flüchtlingsthematik

Von: Andreas Herkens
Letzte Aktualisierung:
kari 6
Willkommen, 2015. © Thomas Plaßmann
merkel
Neues Land, 2015. © Heiko Sakurai
kari 5
In Dunkeldeutschland, 2015. © Thomas Plaßmann
kari dosen
Schnellbau von Flüchtlingsheimen, 2015. © Waldemar Mandzel
kari 3
Der Catenaccio zum EM-Jahr, 2016. © Heiko Sakurai
kari 4
Wir schaffen das, 2015. © Waldemar Mandzel
integration
Leitkultur, 2015. © Thomas Plaßmann
kari waschanlage
Vor der Waschstraße, 2015. © Heiko Sakurai

Region. Da steht sie nun auf ihrem Sockel, gerade, unbeugsam, entschlossen, und streckt den rechten Arm mit der Fackel in die Höhe. Wie die Freiheitsstatue, das große Symbol des Lebens ohne Ketten auf Liberty Island im New Yorker Hafen. Aber es ist nicht die berühmte Darstellung der Figur der Libertas, der römischen Göttin der Freiheit – es sieht nur so aus.

Wer hier auf dem Sockel steht, ist eine andere markante Persönlichkeit: Angela Merkel, die Bundeskanzlerin. „Gebt mir eure müden, eure armen, eure geknechteten Massen...“, fordert die Inschrift auf dem Sockel auf. Und auf der Tafel, die die in rote Robe und schwarze Hose gekleidete Kanzlerin im linken Arm hält, steht auch gleich die von ihr gezogene Schlussfolgerung dazu: „Wir schaffen das!“.

„Wir schaffen das!“ Wohl kaum ein anderer Satz hat in den vergangenen Jahren in der politischen und gesellschaftlichen Landschaft unseres Landes so polarisiert, erst für Zustimmung, dann für Ablehnung gesorgt wie dieser. Kaum einer steht aber auch derart stellvertretend wie dieser für einen ganzen Bereich der Zeitgeschichte, für eine Entwicklung, die uns seit Jahren beschäftigt und uns noch lange beschäftigen wird: das Flüchtlingsthema.

„Wir schaffen das!“ – so lautet auch der Titel einer Karikaturen-Ausstellung, die vom 28. April (die Eröffnung ist am Vorabend um 18 Uhr) bis zum 10. September im Internationalen Zeitungsmuseum in Aachen zu sehen ist. Gezeigt werden mehr als 50 Arbeiten der drei deutschen Karikaturisten Waldemar Mandzel, Thomas Plaßmann und Heiko Sakurai, die sich mit unterschiedlichen Sichtweisen und Akzenten, mit Elementen wie Übertreibung, Reduzierung, Verfremdung und Humor um die Flüchtlingsthematik drehen.

Im Fall der besagten Dame auf dem Sockel hat der Zeichner Sakurai das neben den Inschriften auf seine Art sehr plastisch visualisiert: Die Figur steht nicht wie im Original am Wasser, sondern in einem Meer von Fußabdrücken. Hier geht es nicht um europäische Auswanderer in die USA wie seinerzeit bei der Freiheitsstatue, sondern um die vielen Flüchtlinge, die aus Syrien und anderen Ländern nach Europa kommen. Und Horst Seehofer hat sich schon in Position gebracht...

Die Karikaturen-Schau kommt aus Oberhausen nach Aachen. Dort wurde sie von der Ludwiggalerie Schloss Oberhausen präsentiert, kuratiert von der dortigen Direktorin Christine Vogt. Andreas Düspohl, Leiter des Internationalen Zeitungsmuseums, freut sich, jetzt diese Arbeiten mit spitzer Feder und Hintersinn in der Aachener Pontstraße zeigen zu können. „Kein Mensch kann sich diesem Thema entziehen“, sagt er.

Düspohl hält viel vom Bildmittel Karikatur. Nicht nur, weil es ein wichtiger Bestandteil im Medium Tageszeitung ist, das ja auch in seinem Haus eine nicht unerhebliche Rolle spielt. Karikaturen seien eine gewisse Art von Vereinfachung, mit der man viel andeuten könne, meint Düs-pohl. Natürlich liege auch viel Provozierendes darin. Aber das findet er nicht schlecht, im Gegenteil: „Karikaturen können auch ruhig Grenzen strapazieren.“

Und noch ein anderer Aspekt ist dem Museumsleiter wichtig: „Oft fehlt den Menschen jemand, der sie bei einer bestimmten Thematik an die Hand nimmt.“ Eine Karikatur könne das bewirken. Sie diene dazu, eine Kommunikation in Gang zu bringen. „Karikaturen können einen Anstoß geben – die Menschen beschäftigen sich mit einem Thema.“

Diese Aufgabe erfüllen auf jeden Fall auch die in dieser Ausstellung versammelten Bilder von Mandzel, Plaßmann und Sakurai, deren optisch umgesetzte und zugespitzte Analysen regelmäßig in Tageszeitungen erscheinen. Wenn etwa Mandzel, 1948 im Kreis Husum geboren, einen deutschen Michel zeigt, der verzweifelt versucht, eine auf ihn zurollende Flüchtlings-Lawine aufzuhalten beziehungsweise zu stemmen, während im Vordergrund die Kanzlerin lächelnd den Daumen hebt und verkündet: „Wir schaffen das!“

Sein Kollege Plaßmann, 1960 in Essen auf die Welt gekommen, dreht die Perspektive schon mal gerne um. Da nehmen Flüchtlinge selbst diesen Satz in den Mund wie in der Karikatur „In Dunkeldeutschland“. Sie wollen durchhalten, während ihnen schon der Gegenwind mit Hass und Hetze um die Ohren fliegt. Auch diese Seite mit fremdenfeindlichen Äußerungen und Aktionen wird nicht ausgeblendet. Oder wenn er Flüchtlinge beim Integrationskurs zeigt, die sich über angeblich deutsche Tugenden à la „Pünktlich wie die Bahn“ amüsieren...

Sakurai, 1971 in Recklinghausen geboren, nimmt unter anderem die gekippte Stimmungslage und die Diskussion in Sachen EU-Flüchtlingspolitik auf und verrammelt ein (Fußball-)Tor unbarmherzig mit Stacheldraht. Von wegen „Wir schaffen das!“ Da hat sich der doch ursprünglich positive Ansatz der Botschaft der Kanzlerin, die in Sakurais Freiheitsstatuen-Bild ja gleichsam noch den Fels in der Brandung gibt, endgültig ins Gegenteil gekehrt. Was auch Plaßmann kommentiert, wenn sich bei ihm das Wort „Willkommen“ langsam, aber sicher in ebensolchen Draht verwandelt.

Für Gesprächsstoff ist also gesorgt im Internationalen Zeitungsmuseum.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert