Windräder vergraulen Eifeltouristen nicht

Von: Ulrich Simons
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Windrad / Tourismus
Der Naturpark Nordeifel hat die Ergebnisse einer Besucherbefragung vorgestellt: Die meisten Touristen haben sich an den Anblick der „Spargel” gewöhnt. Foto: dpa

Euskirchen. Was man aus anderen Regionen Deutschlands schon seit einiger Zeit wusste, hat sich jetzt auch für die Eifel bestätigt: Windkraftanlagen haben auf Touristen keine oder nur geringe abschreckende Wirkung.

Jedenfalls nicht in einem Ausmaß, das die Besucher in Scharen davonlaufen lässt. Das ist das Ergebnis einer aktuellen und bundesweit ziemlich einmaligen Studie, die der Naturpark Nordeifel am Mittwoch in Euskirchen vorgestellt hat.

In sieben Kommunen der südlichen Eifel waren von Juni bis August mehr als 1300 Tagestouristen und Übernachtungsgäste unter anderem gefragt worden, ob sie Windkraftanlagen als störend empfinden oder sogar bei weiterem Ausbau der Propeller-Parks in der Eifel diese künftig als Ferienregion meiden würden.

Der Kreis Euskirchen brachte als Untersuchungsgebiet die besten Voraussetzungen mit, erläuterte Vize-Landrat Manfred Poth. 101 Windkraftanlagen mit einer Gesamtleistung von 130 Megawatt seien im Kreis bereits in Betrieb, 14 weitere mit 35 Megawatt Gesamtleistung in der Planung.

Bereits heute produziere der Kreis Euskirchen 13 Prozent des verbrauchten Stromes mithilfe des Windes und sei damit ganz nahe an der 15-Prozent-Vorgabe der Landesregierung. Dennoch wolle man die schöne Landschaft nicht vollends „zuspargeln”: „Wir wollen die Chancen nutzen und dabei den Erholungs- und Erlebniswert der Eifel erhalten.”

Günter Schumacher, Vorsitzender des Vereins Naturpark Nordeifel, bescheinigte der Studie aufgrund der erfassten Datenmenge ein hohes Maß an Aussagekraft, Geschäftsführer Jan Lembach erläuterte die Details. Bei der Befragung der Gäste - so Lembachs Fazit - sei man auf eine „überraschend geringe Abneigung” gestoßen. Auf die Frage: „Wie empfinden Sie Windkraftanlagen in der Eifel?” hatten 59 Prozent mit „nicht störend”, weitere 28 mit „störend, aber akzeptabel” geantwortet. Aufgeschlüsselt nach Altersgruppen ergab sich von Jung nach Alt eine abnehmende Akzeptanz, wobei diese aber selbst in der Altersgruppe 70plus noch bei knapp 80 Prozent lag.

Beim Bau zusätzlicher Anlagen würden nur sechs Prozent der befragten Touristen künftig einen Bogen um die Eifel machen, 91 Prozent gaben an, dass dies keine Auswirkungen auf ihre Ferienplanung haben würde. 53 Prozent der Befragten sähen die Windräder bevorzugt an konzen­trierten Standorten, 37 Prozent lieber in der Region verteilt. Informationsangebote wie einen Ausflug zu einem Windpark in der Eifel würden 24 Prozent „bestimmt”, 23 Prozent „vielleicht”, 53 Prozent jedoch „eher nicht” nutzen.

Jan Lembach regte unter anderem als Attraktion in einem der nächsten Parks ein Windrad mit Fahrstuhl und gläserner Besucherkanzel unter der Gondel an und bekam dafür Lob von Udo Paschedag aus dem NRW-Ministerium für Klimaschutz und Umwelt. Der Staatssekretär zeigte sich allerdings vom Ergebnis der Befragung und der großen Akzeptanz „überhaupt nicht überrascht”. Paschedags Erklärung: „Der Gegner ist kleiner als man glaubt, aber sehr laut und darum wahrnehmbarer.”

Bewohner mit einbinden

Wichtig sei, die Bewohner, die mit ansehen müssen, wie sich ihre Landschaft verändert, in neue Projekte mit einzubinden. „Die Menschen vor Ort müssen etwas davon haben”, forderte er. Schon bei der Ausschreibung sei daher darauf zu achten, dass ein gewisser Prozentsatz der Aufträge lokal oder regional vergeben wird.

Ausdrücklich versprach er einen „naturverträglichen Ausbau” der Windkraft: „Wir werden uns genau anschauen: Wo geht das, und wo lässt man es besser bleiben?”

Klaus Schäfer, Geschäftsführer der Eifel Tourismus GmbH, wies auf eine Schwachstelle der Untersuchung hin: Gäste, die heute schon wegen der Windkraftanlagen wegblieben, seien nicht erfasst worden. Zudem könne die Einstellung sich verändern, wenn tatsächlich gebaut werde. Daher müsse diese Momentaufnahme aus dem Sommer fortgeschrieben werden, um sich ändernde Tendenzen zu erkennen. Immerhin bringe der Fremdenverkehr der Eifel 1,2 Milliarden Euro im Jahr und schaffe 30.000 Arbeitsplätze.

Jan Lembach hielt einen kleinen Trost für die Skeptiker bereit: „Windräder kann man auch wieder abbauen. Vielleicht brauchen wir die in 50 Jahren gar nicht mehr, und die Eifel sieht dann wieder aus wie vor 20 Jahren.”
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