Monschau/Würselen - Wieso die Region sich gerade heute für Europa ausspricht

Wieso die Region sich gerade heute für Europa ausspricht

Von: Udo Kals
Letzte Aktualisierung:
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Stand Martin Schulz vor 20 Jahren als Bürgermeister zumindest beim Abschlussfoto noch in der zweiten Reihe, wird er am Samstag bei der neuerlichen Unterzeichnung der „Monschauer Erklärung“ im Roten Haus im Mittelpunkt stehen. Foto: dpa

Monschau/Würselen. Beinahe hät­te es Martin Schulz vor 20 Jahren gar nicht erst zur Feierstunde geschafft, hätte die europapolitische Monschauer Erklärung im Januar 1993 ohne die Unterschrift des damaligen Würselener Bürgermeisters verabschiedet werden müssen. „Ich wollte den Amtskollegen unserer französischen Partnerstadt Morlaix im Auto mitnehmen“, erinnert sich Schulz lebendig an jenen regnerischen Sonntag.

„Doch als er seinen Mantel in den Kofferraum legen wollte, hat er sich so schwer den Kopf angeschlagen, dass wir zu meinem Bruder Erwin mussten.“ Der ist Arzt. Und erst als der bretonische Würdenträger wieder reisefähig war, ging es in die Eifel.

„Wir waren nicht pünktlich, aber auch nicht zu spät“, beendet Schulz seine Anekdote, die sinnbildlich ist: Die deutsch-französische Freundschaft verbindet, deren Schrammen müssen manchmal aber auch verbunden, verarztet werden.

Hoffentlich ist Schulz heute pünktlich. Stand er vor 20 Jahren als Bürgermeister zumindest beim Abschlussfoto noch in der zweiten Reihe, wird er heute bei der neuerlichen Unterzeichnung der „Monschauer Erklärung“ im Roten Haus im Mittelpunkt stehen – als Festredner. Und vor allem als Präsident des Europäischen Parlaments. War der Wirkungsradius der Erklärung vor 20 Jahren regional begrenzt, ist sich Schulz nun sicher: „Wenn ich eine solche Erklärung als Parlamentspräsident unterzeichne, hat das einfach eine andere Wirkung. Das wird wahrgenommen.“

Der 57-Jährige freut sich nicht nur über die Einladung der Monschauer Bürgermeisterin Margareta Ritter, sondern auch, dass das Papier, das er selber mit formuliert hatte, „nicht in Vergessenheit“ geraten sei. Wurde die Erklärung einst in Zeiten des Aufbruchs – Maas­trichter Vertrag (1992), Binnenmarkt (1993), Erweiterung um Schweden, Finnland und Österreich auf 15 Mitglieder (1995) – verabschiedet, herrscht heute die Euro-Krise. „Diesen Beschluss nun zu erneuern, das ist in Zeiten der wachsenden Europa-Kritik ein positives und ermutigendes Signal.“

Neben Schulz und Regierungspräsidentin Gisela Walsken werden heute erneut zahlreiche Bürgermeister und Landräte das Dokument unterzeichnen. Dabei ist für Schulz die darin enthaltene Forderung nach einem Europa der Bürger und der Regionen zwar eine oft gehörte Formulierung, aber keine leere Worthülse. „Die europäische Idee lebt von der Akzeptanz der Bürger, in den Kommunen wird auch mit den Städtepartnerschaften der Alltag gelebt“, sagt Schulz, der am Vorabend des 50. Geburtstages des Elysée-Vertrags betont: „Die deutsch-französische Freundschaft ist der stabile Anker.“

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