Wiener Terrorverdächtiger: Unter ständiger Kontrolle der Aachener Polizei

Von: Angela Delonge und Marlon Gego
Letzte Aktualisierung:
13896466.jpg
Ein Wiener Islamist wurde bei seiner Ankunft am Aachener Hauptbahnhof festgenommen. Foto: krö

Aachen/Wien. Als Islamistenhochburg gilt der Aachener Raum zwar nicht, aber auch dort gibt es eine islamistische Szene. Zehn oder elf islamistische Gefährder sind der Aachener Polizei bekannt, wie sie Anfang des Jahres erklärt hatte. Doch der 17 Jahre alte Österreicher, der im Verdacht steht, für Ende Januar einen terroristischen Anschlag in Wien geplant zu haben, gehört nicht dazu.

Als er im Dezember in Aachen war, hatte er gar keine Gelegenheit, Kontakte im Aachener Raum zu knüpfen. Denn nach Recherchen unserer Zeitung hatte die Reise des Österreichers mit albanischen Wurzeln ausschließlich familiäre Gründe, keine politischen oder terroristischen. Dennoch war die Aachener Polizei über die genaue Ankunft des 17-Jährigen am Aachener Hauptbahnhof vorab informiert worden, noch am Bahnhof wurde er von Polizisten vorübergehend festgenommen und auf eine nahe gelegene Dienststelle gebracht. Dort wurde der 17-Jährige fast sieben Stunden lang verhört.

Obwohl die Ermittler eine Menge erfuhren, erhielten sie keine konkreten staatsgefährdenden Erkenntnisse, sie ließen den 17-Jährigen wieder frei. Die Polizei brachte ihn wieder zum Bahnhof und setzte ihn in einen Zug. Die „Süddeutsche Zeitung“ hatte berichtet, der Österreicher habe sich „vom 2. bis zum 15. Dezember (...) in der Aachener Islamistenszene“ aufgehalten; doch tatsächlich dauerte der Aufenthalt des 17-Jährigen in Aachen noch nicht einmal einen halben Tag.

Die Aachener Polizei wollte zu dem Thema mit Verweis auf das laufende Verfahren gegen den 17-Jährigen am Donnerstag keinerlei Stellung beziehen, auch andere Sicherheitsbehörden hielten sich weiter bedeckt.

Von Aachen aus war der 17-Jährige auf eigenen Wunsch nach Neuss weitergereist. Die Polizei stellte sicher, dass er dort auch tatsächlich ankam und nicht vorher den Zug verlassen konnte. Der 21-jährige Kevin T., den der Österreicher in Neuss dann besucht hatte, steht im Verdacht, bei den Vorbereitungen für den geplanten Terroranschlag des Österreichers geholfen zu haben. Der 21-Jährige war am Samstag verhaftet worden, einen Tag, nachdem der 17-Jährige in Wien verhaftet worden war. Beide sitzen nun in Untersuchungshaft.

Es ist möglich, dass das Verhör des 17-Jährigen in Aachen die Ermittlungen vorangebracht hat. Denn nach Recherchen unserer Zeitung hat die Aachener Polizei sämtliche gewonnenen Erkenntnisse an alle an den Ermittlungen beteiligten Sicherheitsbehörden weitergeleitet.

Leserkommentare

Leserkommentare (1)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert