Wiener Kongress ordnete Europa neu, auch die Region

Von: Valerie Barsig
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Die Schlussakte des Wiener Kongress aus dem Jahr 1815. Darin wurde festgelegt, dass die Gebiete am Rhein zu Preußen gehören sollten. Foto: dpa

Aachen/Bonn. Wien, 18. September 1814: Unter der Leitung des Österreichischen Außenministers Clemens Wenzel Lothar von Metternich wird Europa von den Großmächten neu geordnet. Im Frühjahr ist Napoleon auf die Insel Elba verbannt worden, nachdem er in den Befreiungskriegen von Österreich, Preußen, Russland, England und Schweden in der Völkerschlacht bei Leipzig geschlagen worden ist.

Ortswechsel in die Region links des Rheins: Noch ist dort alles so, wie Napoleon es geordnet und organisiert hat. „Als die Franzosen ins Rheinland einmarschierten, war das das Ende der Fürstenherrschaft und der geistigen Stifte“, erklärt Helmut Rönz vom Landschaftsverband Rheinland (LVR). Die Franzosen trugen die Errungenschaften der Revolution auch in die Gebiete der Region. Es wurde eine neue Verwaltungsstruktur geschaffen, der Zunftzwang wurde aufgelöst. Die Franzosen führten die Gewerbefreiheit ein, ebenso wie die liberalen Gesetze des napoleonischen „Code civil“.

„Man muss bedenken, dass bis zu diesem Zeitpunkt ein Großteil des Besitzes Kirche und Adel gehörte“, sagt Rönz. Plötzlich aber wurden kirchliche Besitztümer auf dem Immobilienmarkt angeboten, und man konnte sich selbstständig machen. Wirtschaftlich löste das eine Dynamik aus, die den Raum um Köln und Aachen wirtschaftlich erfolgreich machte. „Dennoch war die Zeit, in der die Franzosen im heutigen Rheinland waren keine paradiesische“, erklärt Rönz.

Denn Napoleon zog fleißig Männer für seine Kriege ein, verlangte hohe Steuerzahlungen und Abgaben. Dennoch seien zu dieser Zeit die Voraussetzungen geschaffen worden, damit das Rheinland zum Rheinland, wie wir es heute kennen, werden konnte. Endgültig manifestierte es sich als solches nach dem Wiener Kongress, als es Preußen angegliedert wurde.

„Die Preußen wollten das Rheinland allerdings gar nicht“, erzählt Rönz. Mit den katholischen „Westprovinzen“ konnte Preußen nicht viel anfangen. Dort hatte man nämlich ein Auge auf Sachsen geworfen. Von österreichischer Seite wurde dem preußischen König allerdings nahegelegt, das Rheinland zu übernehmen, um gegenüber Frankreich eine Wachtstellung einzunehmen. Das Feilschen um die einzelnen Gebiete während des Wiener Kongresses bezeichnen Quellen als „unwürdiges Seelenschacher“.

Trotzdem: Die Preußen kamen an den Rhein. Der Dichter Max von Schenkendorf legte den Preußen nahe, Beamte zu schicken, die verständig für das Völkchen am Fluss waren. Denn dort hielt man inzwischen die liberale Gesetzgebung Napoleons hoch, ebenso wie Bräuche wie den Karneval oder den Katholizismus. Hinzu kamen Vorurteile gegen die ländlich geprägten Preußen, gerade in industrialisierten Zentren wie Eupen, Aachen und Köln.

Als der bedeutende Kölner Bankier Abraham Schaaffhausen erfuhr, dass in Zukunft Preußen seine Heimat verwalten sollten, soll er ausgerufen haben: „Jesses Maria, do hierode mer ävver en en ärm Famillich!“ („Ohje, da heiraten wir aber in eine arme Familie!“).

Bürger wollten mitmischen

Das Rheinland sei laut Rönz auch dadurch das Rheinland geworden, weil das liberale Bürgertum die Politik mitbestimmen wollte und sich gegen die Agrarier aus dem Osten behauptete. Die Rheinländer hielten die alte französische Gesetzgebung für passender für sich und wollten sie behalten. Durch das Bestehen auf diesen Gegensätzen sei das Rheinland zum heutigen Rheinland geworden.

Die Preußen teilten die ehemaligen französischen Verwaltungsbezirke in die Provinz Herzogtum Niederrhein (darin Aachen, Koblenz und Trier) und die Provinz Jülich-Kleve-Berg auf, in der sich Köln und Düsseldorf befanden. 1822 wurden sie zu den Rheinprovinzen zusammengefasst. „Und genau darin liegt die verwaltungsmäßige Geburtsstunde des Rheinlandes“, sagt Rönz. Bis heute seien die Verwaltungsstrukturen, die die Preußen schafften in der Region zu finden.

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