Wie stark bleibt der Bund vor Ort?

Von: Rene Benden
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Geringe Gefährdungsstufe für
Geringe Gefährdungsstufe für den Standort Aachen: „Alpha” ist die kleinste Gefährdungsstufe im Militärjargon. Für die Lützow-Kaserne in Aachen (Bild) gilt dies auch mit Blick auf die Bundeswehr-Reform. Die Technische Schule hat gute Chancen, in ihrer Form erhalten zu bleiben. Foto: Jaspers

Aachen. Es bleibt bis zum Schluss ein Geheimnis. Welcher Bundeswehrstandort in Deutschland noch eine Zukunft hat, wissen bis heute Morgen nur wenige Vertraute von Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU). In den Abgeordneten-Büros des Deutschen Bundestags gingen die Lichter am Dienstag nicht aus.

Dort wartete man bis in die Nacht auf einen Anruf aus dem Verteidigungsministerium - oder besser gesagt: Die Abgeordneten hofften inständig, nicht angerufen zu werden. „Denn wenn wir was hören, können wir davon ausgehen, dass in den Standorten unseres Wahlkreises auch etwas passiert”, sagte Tobias Kohl, Büroleiter des Dürener CDU-Abgeordneten Thomas Rachel.

Die Zahlen machen deutlich, wie tief die Einschnitte für die Bundeswehr, ihre Angehörigen und die Standortkommunen sein werden. Um rund 80.000 Mann wird die deutsche Armee reduziert. 30 von 400 Standorten werden geschlossen. Betroffene Kommunen fürchten, dass ihnen der Wirtschaftsfaktor Bundeswehr verloren geht.

In der Region Aachen, Düren, Heinsberg gibt es insgesamt noch vier Bundeswehrstandorte. In Aachen und Eschweiler ist die Technische Schule Landsysteme und Fachschule des Heeres für Technik ansässig - auch Technische Schule des Heeres genannt. In Nörvenich liegt das Jagdbombergeschwader 31 Boelke. In Jülich sitzt das Mechatronikzentrum der Bundeswehr. Und in Geilenkirchen gibt es neben der Nato-Air-Base noch das sogenannte Zentrum für Verifikationsaufgaben der Bundeswehr. Auf diese Standorte verteilen sich rund 3600 Soldaten und zivile Angestellte, über deren Zukunft heute entschieden wird.

Wie sicher diese Zukunft ist, wusste bis Dienstagnacht nur der kleine Kreis um de Maizière. Was für die Standorte in der Region spricht, ist, dass sie mit Ausnahme des Luftwaffenstützpunktes in Nörvenich einzigartig in der Struktur der Bundeswehr sind. Die Technische Schule des Heeres mit ihren rund 1000 Soldaten und Zivilangestellten in vier Kasernen in Aachen und Eschweiler ist die Zentrale für die Aus- und Weiterbildung der Instandsetzungskräfte des Heeres. Mit ihrer Nähe zur RWTH Aachen und zur FH Aachen hat sie einen exzellenten Standort.

Darüber hinaus erfüllt die Schule auch Aufgaben in Auslandseinsätzen. In Afghanistan beispielsweise hat die Bundeswehr fast 100 unterschiedlich Fahrzeugtypen im Einsatz. Aufgrund der Kontingentobergrenze von 5000 Soldaten sind nie genügend Instandsetzer vor Ort, die an allen Fahrzeugtypen ausgebildet sind.

150 Millionen investiert

Bei Problemfällen kann die Technische Schule per Videokonferenz den Soldaten vor Ort helfen. Ob das ausreicht, um sie an ihrem derzeitigen Standort zu belassen, wird sich zeigen.

Gleiches gilt für das Zentrum für Verifikationsaufgaben der Bundeswehr in Geilenkirchen. Ungefähr 250 Soldaten und zivile Mitarbeiter haben dort die Aufgabe, internationale Abrüstungsverträge zu überwachen. Dazu gehören beispielsweise der KSE-Vertrag, der die Stärke konventioneller Streitkräfte in Europa regelt, und das Chemiewaffenabkommen.

Der militärisch kleinste und vielleicht auch unsicherste Standort ist das Mechatronikzentrum der Bundeswehr in Jülich. Es gibt immer wieder Spekulationen um dessen Schließung. Dort sind nur noch gut 20 Soldaten stationiert. Allerdings gibt es rund 250 Zivilangestellte. Hinzu kommt, dass das Zentrum ein wichtiger Ausbildungsbetrieb für die Region ist. Es bildet jährlich zwischen 40 und 50 Mechatroniker aus.

Der größte Standort der Region ist die Luftwaffenbasis in Nörvenich mit rund 2000 Soldaten und Zivilangestellten. Weil die Luftwaffe derzeit 150 Millionen Euro in den Umbau der Basis steckt, geht man allgemein davon aus, dass der Standort sicher ist. Derzeit wird das Geschwader von Tornado-Jagdbombern auf den Eurofighter umgerüstet. Das bedeutet allerdings nicht, dass der Standort vor jeglichen Einschnitten sicher ist. Denn er gliedert sich in das Jagdbombergeschwader, ein Sanitätszentrum, ein Objektschutzbataillon und ein Dienstleistungszentrum. Ob diese Struktur erhalten bleibt, wird sich heute zeigen.

Bonn bekommt Standortgarantie

Über einen Standort hat de Maizière schon im Vorfeld entschieden: An seinem Geburtsort Bonn bleiben der erste Dienstsitz des Ministeriums und insgesamt 4000 Bundeswehr-Dienstposten erhalten.

Gleichzeitig will der Minister aber so viele Mitarbeiter seines Hauses wie möglich nach Berlin verlagern. Derzeit sind von mehr als 3000 Mitarbeitern rund 500 in Berlin. Der Personalbestand soll auf 2000 reduziert werden.

Das Ministerium geht davon aus, dass nach dem Gesetz zur Verteilung der Regierungsstandorte auf Bonn und Berlin künftig bis zu 1250 Mitarbeiter in Berlin arbeiten können.

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