Wie Städte um Aachens Studenten buhlen

Von: Carmen Krämer
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Super C RWTH Universität
Die RWTH warb 2011 die meisten Drittmittel ein. Foto: Michael Jaspers

Städteregion. Für Anna steht schon länger fest, dass sie in Aachen Maschinenbau studieren will. Mit unbeschreiblichen Glücksgefühlen hat sie ihre Zusage für den Studienplatz im Briefkasten gefunden. Die Freude war nur von kurzer Dauer, denn es gilt, eine Wohnung in Aachen zu finden. Schließlich gehen im Oktober die Vorlesungen los.

Mit Anna suchen in diesem Jahr aufgrund des doppelten Abiturjahrgangs vermutlich doppelt so viele Studenten eine Wohnung in Uninähe wie im Jahr zuvor. Die Stadt Aachen rechnet mit rund 10.000 Studienanfängern zum Wintersemester, damit wird die Zahl der Studenten auf mehr als 50.000 steigen.

Seit 2011 gibt es deshalb die Initiative „Extraraum“ der Stadt Aachen, ihrer Hochschulen und dem Studentenwerk, die einem drohenden Wohnungsmangel aktiv entgegenwirken soll. Die Kampagne wirbt dafür, dass sich private Haus- und Grundbesitzer darüber Gedanken machen sollten, Raum für Studenten zu schaffen. Derzeit laufen Anträge von privaten und öffentlichen Bauherren für etwa 2000 neue Schlafplätze in der Stadt.

Aber nicht nur innerhalb Aachens, auch außerhalb der Stadt soll Platz für Studenten geschaffen werden. Die folgenden Kommunen haben ihre Projekte bereits vorgestellt.

Eschweiler

Idee: In Kooperation mit der Initiative „Extraraum“ wurden in Eschweiler Wohnungsbaugesellschaften, Wohnungsverwalter und der Verein Haus und Grund angeschrieben. Die Idee ist, dort leerstehenden Raum für Studenten bewohnbar zu machen, denn Eschweiler hat aufgrund der Euregiobahn eine gute Verkehrsanbindung nach Aachen.

Derzeitiger Stand: Aktuell, so berichtet Dietmar Röhrig, Wirtschaftsförderer der Stadt Eschweiler, gibt es 16 Wohnungen, die frei und für mehrere Studenten geeignet sind. „Sie bieten Platz für rund 40 Studenten, denn sie sind alle WG-tauglich“, sagt Röhrig. Nicht alle Wohnungseigentümer seien jedoch dazu bereit, an Studenten zu vermieten, was aus seiner Sicht vermutlich in Vorurteilen gegen die jungen Leute begründet liegt.

Einschätzung: Zwar zeigt sich in einem Bericht des Allgemeine Studierendenausschusses (AStA), dass Eschweiler ein beliebter Studentenwohnort ist, doch waren sich Dietmar Röhrig und Stefan Kaever, Pressesprecher der Stadt, einig, dass es nur natürlich sei, wenn man ein Leben unter Gleichgesinnten bevorzuge, und wenn man aus einem entfernten Ort käme, auch gern in der Stadt leben möchte, in der man studiert.

Kerkrade

Idee: Mancher Student hat vielleicht bisher gezögert, sich im benachbarten Ausland nach Wohnungen umzusehen, weil das Semesterticket lediglich in NRW gilt und er beim Pendeln hohe Kosten auf sich nehmen musste. Ein Projekt in Kerkrade soll dieses Problem lösen. In einem Stadtviertel werden, ebenfalls in Kooperation mit „Extraraum“ und in Absprache mit den Studentenvertretern in Aachen, bei ausreichender Nachfrage mehrere Gebäude renoviert und für 90 Studenten bewohnbar gemacht. Die Besonderheit: Zusätzlich zu ihrem Semesterticket erhalten die Studenten, die dort wohnen, ein Ticket, mit dem sie sich in der Parkstad Limburg und bis nach Aachen bewegen können.

Außerdem wird ihnen ein Totalpaket angeboten, in dem sie über Krankenversicherung und Bürokratie informiert werden. Wenn sich genügend Studenten dort ansiedeln, werden Gemeinschaftsräume wie zum Beispiel ein Fitnessstudio eingerichtet und Niederländisch-Sprachkurse angeboten.

Derzeitiger Stand: Bisher gibt es einige Modellwohnungen, die den Studenten zur Verfügung stehen. Anfang August wurde damit begonnen, für dieses Angebot in Aachen mit einem Flyer zu werben. Projektleiter Nermin Dizdarevic sieht dies als Probe. Wenn es gut angenommen wird, könnten weitere Wohnungen folgen.

Einschätzung: Bei den Werbeaktionen vor Ort hätten die angesprochenen Studenten durchweg positiv reagiert, sagt Dizdarevic. Allerdings hielten sich derzeit fast ausschließlich Studenten an der Uni auf, die bereits eingeschrieben und selbst nicht auf der Suche nach einer Wohnung seien. „Wir rechnen damit, dass die Studenten Kerkrade als letzten Ausweg wählen und erst kurz vor Semesterbeginn bei uns anfragen werden“, sagt Dizdarevic. Grundsätzlich scheint dies gerade im Hinblick auf das Semesterticket ein attraktives Angebot zu sein. Weitere Informationen zum Projekt unter www.heemwonen.nl.

Stolberg

Idee: Der Rat in Stolberg beschäftigt sich schon länger mit der Idee, in den leerstehenden Häusern am Steinweg Wohnungen für Studenten einzurichten. Immobilienbesitzer wurden angeschrieben. Auch von Stolberg aus haben Studenten dank der Euregiobahn eine gute Anbindung nach Aachen, und die Wohnungen könnte man, wenn sich der Ansturm der Studenten gelegt habe, zu Seniorenwohnungen umfunktionieren. Für die notwendigen Sanierungen der teils heruntergekommenen Gebäude gibt es sogar Fördermittel des Landes NRW.

Derzeitiger Stand: Trotz der finanziellen Unterstützung vom Land hält sich die Begeisterung der Immobilienbesitzer bisher in Grenzen. Aus dem Fördertopf von fast 2,8 Millionen Euro wurden im vergangenen Jahr lediglich 65.500 Euro abgerufen. Derzeit werden Flyer in Aachen verteilt mit dem Titel „Wohnung gesucht? Stolberg gefunden!“, mit denen die Studenten auf die vorhandenen Wohnungen aufmerksam gemacht werden sollen.

Einschätzung: Fachbereichsleiter Andreas Pickardt glaubt, dass die Auflagen, die für die Auszahlung der Fördermittel eingehalten werden müssen, so hoch sind, dass die Eigentümer lieber zinsgünstige Darlehen bei der Bank holen würden. Die Wohnungen, die es in Stolberg gibt, sind jedoch häufig günstiger als die in Aachen, außerdem gibt es viele Vereine, eine schöne Altstadt und zahlreiche Kneipen und Restaurants. Ein weiterer Vorteil sei die Nähe zur Natur. Weitere Infos auf Anfrage per E-Mail katharina.oebel@stolberg.de.

Düren

Idee: Ähnliche Pläne hat die Stadt Düren, wo sich das „Freshman-Institute“ der Fachhochschule Aachen an dem seit den Ferien geschlossenen Gebäude der Realschule interessiert zeigt. In dem Gebäude, das kürzlich für mehrere Millionen Euro energetisch saniert worden ist, sollen 200 bis 300 junge Menschen aus dem Ausland auf ein Fachhochschulstudium vorbereitet werden. Darüber hinaus plant ein Investor, Wohnungen in Bahnhofsnähe zu errichten. Die Verkehrsanbindung von dort sowohl Richtung Aachen als auch Richtung Köln ist ideal, auch die Mietpreise sind geringer als in den Universitätsstädten.

Derzeitiger Stand: Die Verhandlungen zu diesen Projekten befinden sich in den letzten Zügen. „Es besteht ein großes Interesse daran – von allen Seiten“, sagt Heinz Mannheims, Leiter der Wirtschaftsförderung Düren.

Einschätzung: Düren biete mit seinen Vereinen, seiner Gastronomie und seinem Kino ein großes Freizeitangebot und eine sehr günstige Verkehrsanbindung an Aachen und Köln. Die Wohnungen und das Weiterbildungszen­trum lägen unmittelbar am Bahnhof, und die Innenstadt ist zu Fuß zu erreichen. Auch der günstigere Mietpreis in der Stadt spricht laut Mannheims dafür, sich eine Wohnung in Düren zu suchen.

Alsdorf

Idee: Auch Alsdorf ist dank der Euregiobahn innerhalb weniger Minuten von Aachen aus zu erreichen und könnte aufgrund geringer Mietpreise eine attraktive Wohnmöglichkeit für Studenten bieten.

Derzeitiger Stand: Dort werden von einem privaten Investor ein Hotel umgebaut und ein barrierefreies Haus von der Stadt errichtet. Beide können künftig von Studenten bewohnt werden und liegen in unmittelbarer Nähe zum Bus- und Bahnhof. Zudem wird, ebenfalls von einem Privatinvestor, ein Pflegestift eingerichtet, an den eine Art Aparthotel mit Wohnungen, die auch über kürzere Zeiträume gemietet werden können, angeschlossen ist. Diese könnten beispielsweise den Gastdozenten der Hochschulen eine Schlafmöglichkeit bieten. Darüber hinaus könne man auch über die Wohnungsbaugesellschaften günstige Wohnungen in Alsdorf finden, sagt Ralf Kahlen, 1. Beigeordneter der Stadt.

Einschätzung: Im Vergleich zu Aachen bietet die Stadt Alsdorf einen wesentlich günstigeren Mietpreis. Das Freizeitangebot kann sich nach Meinung des 1. Beigeordneten ebenfalls sehen lassen: „Der Cinetower lockt ständig junge Besucher an, die Stadthalle hat immer etwas zu bieten, Karneval wird auch in Alsdorf groß geschrieben und gerade wird die ‚Unterstation‘ zur Disco umgebaut“, sagt Kahlen. Man müsse die Anreise außerdem in Relation zu anderen Großstädten betrachten: „Wenn ich in Berlin eine Stunde fahren muss, ist mir das egal, da bin ich froh, dass ich eine Wohnung habe. Von Alsdorf aus ist man in 20 Minuten in Aachen, und da kommt es einem weit vor.“

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