Wie man spielend Deutsch lernen kann

Von: Katharina Menne
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„Geschichten spielen, Deutsch lernen“: Mirtò Valsamidou und Johannes Arens vom Region Aachen Zweckverband mit der neuen Broschüre für die Schulen der Region. Foto: Katharina Menne

Aachen. Frau Schmitz ist Lehrerin und spricht nur Deutsch, Ali ist neu in ihrer Klasse und spricht nur Arabisch. Trotzdem soll Frau Schmitz dem Jungen Mathe, Erdkunde oder Englisch beibringen. Wie soll das gehen?

Vor diesem und ähnlichen Problemen stehen zurzeit viele Lehrer und Erzieher, in deren Klassen und Kita-Gruppen im vergangenen Jahr Kinder mit Flucht- und Migrationshintergrund untergebracht wurden – die Verständigung ist oft schwierig bis unmöglich.

Mit „Hayya! Geschichten spielen, Deutsch lernen“ bringt der Region Aachen Zweckverband jetzt eine Broschüre heraus, mit deren Hilfe spielerische Sprachbegegnungen ermöglicht werden sollen. Das Konzept orientiert sich daran, wie Kinder ihre Muttersprache lernen – durch Imitieren, Ausprobieren und viele Wiederholungen. Der Ausdruck „Hayya“ ist arabisch und heißt „Los!“.

Und genau das ist auch das Motto des Hefts: Die Kinder werden ohne Vorkenntnisse mit der fremden Sprache konfrontiert. Anhand von zehn kurzen Geschichten, die von den Pädagogen vorgespielt werden sollen, lernen sie die Wochentage, Tiernamen, Begriffe aus der Küche oder aus dem Klassenraum und vieles andere mehr.

Wichtig sind dabei vor allem eine überzeugende Gestik und Mimik und passende untermalende Geräusche. Die Erzählungen sind für Kinder zwischen vier und zwölf Jahren gedacht und orientieren sich am kindlichen Lebensumfeld: Mal backt Nils Pfannkuchen, mal träumt Murat, dass er eine Fliege ist, mal besuchen Marie und Christina einen Bauernhof.

Die zündende Idee zu „Hayya“ kommt von Mirtò Valsamidou. Die Soziologin und Übersetzerin arbeitet seit 2010 als wissenschaftliche Mitarbeiterin im Bereich „Bildung und Wissen“ beim Region Aachen Zweckverband. Sie betreute bereits das von der EU geförderte Projekt „Linguacluster“, das Kinder spielerisch an die Sprachen der Euregio – Deutsch, Französisch und Niederländisch – heranführen soll.

„Das vorliegende Heft übernimmt in den Grundzügen die Geschichten und Ideen des EU-Projekts und wurde nur vor dem Hintergrund der interkulturellen Unterschiede etwas angepasst“, erklärt Valsamidou. So hätten sie zum Beispiel die Geschichte über den Unterschied zwischen Weihnachtsmann und Nikolaus herausgenommen, da zu viel Hintergrundwissen erforderlich wäre, um die Zusammenhänge zu verstehen.

Um den Kindern zu Beginn jeder Geschichte eine vage Idee der Handlung zu geben, beginnt jedes Kapitel mit einer kurzen arabischen Einleitung. „Auch völlig ohne arabische Sprachkenntnisse können die wenigen Sätze in Lautschrift ohne Zögern vorgelesen werden“, ist sich Valsamidou sicher. „Wir haben das mehrfach getestet und auch wenn die Aussprache mal nicht ganz stimmte, wurde es immer verstanden.“

Die Methode geht zurück auf Ansätze der modernen Fremdsprachendidaktik. Die zugrunde liegenden Theorien gehen davon aus, dass auch dem Mutterspracherwerb eine lange Phase des Hörverstehens vorausgeht, in der die Kinder nur auf die Gestik und die Mimik der Eltern reagieren. Dadurch entwickeln sie schon früh ein Gefühl für die Sprachmelodie und den Satzbau. Die spielerische Herangehensweise über die alltagsnahen Geschichten soll außerdem Hemmschwellen abbauen.

Johannes Arens, der Leiter des Bereichs „Bildung und Wissen“ beim Zweckverband, ist sich sicher, damit den Nerv der Schulen zu treffen. „Der Bedarf für eine Version, die sich an eine Zielgruppe mit arabischem Hintergrund richtet, liegt auf der Hand“, sagt Arens.

Zehn Wörter pro Kapitel

„Wir haben die Schulen des Vorgängerprojekts im Vorfeld gefragt, was sie davon halten, und alle waren hellauf begeistert – also haben wir direkt losgelegt.“ In einer Erstauflage sollen 500 Hefte gedruckt und an die Schulen der Städteregion Aachen und der Kreise Heinsberg, Düren und Euskirchen verteilt werden.

Außerdem bekommen die Kinder zusätzlich noch ein kindgerecht gestaltetes Vokabelheft an die Hand, das etwa zehn Wörter pro Kapitel aufgreift und noch mal direkt ins Arabische übersetzt. Finanziert wurde das Projekt mit Hilfe der Bezirksregierung Köln und aus internen Mitteln des Zweckverbands.

Dass die Methode funktioniert, haben die Erfahrungen mit dem EU-Projekt gezeigt. Valsamidou bezeichnet sich sogar selbst als bestes Beispiel. „Ich hab‘ damit erfolgreich noch ein bisschen Niederländisch gelernt – mit 60“, sagt sie lachend.

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