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Wie Gey zu seinem Dorfauto kam: Quietschgrün und jede Menge Werbung

Von: Elke Silberer, Andreas Gabbert, Stephan Johnen
Letzte Aktualisierung:
Helmut Rößeler
Der Ortsvorsteher von Gey, Helmut Rößeler, steht in Hürtgenwald mit einem Parkschild vor dem Dorfauto. Das Projekt Dorfauto startet am 13. Januar 2015 im Eifelort Gey bei Hürtgenwald. Foto: dpa

Hürtgenwald. Es ist nicht so, dass in dem Eifeldorf Gey niemand ein Auto hätte. Und einen Bus gibt es auch – noch. Aber auf dem Land geht ja kaum was ohne Auto, ob Einkauf, Arztbesuch, Schule, Arbeit. Der Bus ist vielen zu zeitraubend, zu umständlich: erst rein in die nächste Stadt, umsteigen, dann wieder raus.

Gey hat jetzt ein Dorfauto. Das startet offiziell morgen. Jeder, der einen Führerschein hat, darf damit fahren.

Das Auto ist ein echter Hingucker: Quietschgrünes Design und jede Menge Werbung drauf. Sogar auf den Radkappen, die beim Fahren schön in der Waagerechten bleiben, damit man auch ja alles erkennt. Der absolute Clou: Es ist ein Elektroauto. „Da haben die Leute im Ort viel Wert drauf gelegt“, sagte der Ortsvorsteher von Gey, Helmut Rößeler (CDU). Er ist neben der 44-jährigen Sylvia Fahle die treibende Kraft bei dem Projekt.

Rund 16.000 Euro hat der Vorführwagen gekostet, aber die 1900 Dorfbewohner haben keinen Cent dafür hingelegt. Sponsoren – vor allem Unternehmer – aus der Gegend haben das Auto durch ihre Werbung finanziert. Jetzt Tagen kann das ehrenamtlich getragene Carsharing starten. Ein Blick ins Internet auf eine Plattform, ob das Auto frei ist, oder ein Anruf bei Sylvia Fahle und dann läuft das, sagen sie.

Der Betrieb muss sich jetzt noch etwas einspielen. Ein Künstler im Ort hätte das Auto gern an zwei festen Tagen in der Woche für die Fahrt zu seinen Töpferkursen geblockt. „Am besten auf Jahre. Das geht natürlich nicht“, sagt Rößeler.

Wenig-Fahrer zahlen einen monatlichen Basis-Preis von fünf Euro, 20 Cent pro Kilometer und zwei Euro pro Stunde, Vielfahrer eine höhere Pauschale, aber weniger pro Kilometer und Stunde. Mit den Einnahmen sollen die laufenden Kosten für den grünen Flitzer finanziert werden. Um Profit geht es nicht.

Das Dorf hat in einer halbjährige Testphase das Carsharing unter ehrenamtlichen Bedingungen erprobt. Das Dorfauto war ein sogenanntes Leader-Projekt „Eifel mobil“ der Europäischen Union zur Förderung des ländlichen Raums.

In der mehrmonatigen Testphase, die im September 2013 begonnen hatte und Anfang Mai 2014 endete, war das Elektroauto etwa 7000 Kilometer unterwegs. 50 Bürger nutzten es regelmäßig. „Bei den Touren waren viele Kurzstrecken dabei, aber auch Fahrten nach Aachen, Würselen, Eschweiler und Köln“, bilanzierte Fahle. Im Schnitt sei es zweimal täglich genutzt worden. Damit war es ausgelastet. Und alle Gruppen nutzten das Auto: Rentner, Hausfrauen, junge Leute. Der jüngste Fahrer sei 17, der älteste 81 Jahre alt gewesen. Das schweißt das Dorf zusammen, meint Fahle.

„Für kommerzielle Carsharing-Anbieter ist die Nutzungsdichte auf dem Land nicht hoch genug“, sagt der Projekt-Leiter für das Leader-Programm in der Eifel, Alexander Sobotta. Bundesweit gebe es schon Dorfautos. Aber nur wenige könnten vom ganzen Dorf genutzt werden.

In der Eifel haben noch andere Dörfer das Dorfauto erprobt. Die Dörfergemeinschaft An Thürme (Bad Münstereifel/Kreis Euskirchen) sucht jetzt ebenfalls Sponsoren, allerdings für einen Diesel. In den „Bergen“ verbraucht das Elektroauto zu viel Strom. Auch Simmerath-Eicherscheid hatte das E-Auto im Rahmen des Leader-Orojekts getestet, von April bis Oktober 2014. Dort gab es ebenfalls Bedenken, weil das E-Auto in der hügeligen Landschaft nur eine Reichweite von etwa 90 Kilometern, statt normalerweise 150 Kilometern hatte. Eine Fahrt nach Aachen oder nach Simmerath sei aber problemlos möglich gewesen. Das Dorf Blankenheim-Freilingen sucht noch seinen Weg. Wer in der Versuchsphase fahren wollte, musste sich in Freilingen im Gegenzug ehrenamtlich engagieren: Bänke streichen, Beete hacken, Kuchen Backen oder so was.

Aber daran liege es nicht, dass das Dorf noch überlegt, wie es weitermacht. „Dorfautos fordern ein hohes Engagement von der Dorfgemeinschaft“, bilanziert Sobotta. Und ein einheitliches Patentrezept gebe es eh nicht.

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