Aachen/Heinsberg/Düsseldorf - Wie falsche Polizisten Senioren betrügen

Wie falsche Polizisten Senioren betrügen

Von: Nicola Gottfroh, Angela Delonge und Antonia Hofmann
Letzte Aktualisierung:
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Mit diesem Plakat warnt die Polizei vor Betrügern, die sich am Telefon als Polizisten ausgeben. In Nordrhein-Westfalen ist die Zahl der Fälle, bei denen vermeintliche Ordnungshüter am Telefon falsche Tatsachen vorgaukelten, zuletzt rasant angestiegen. Foto: Archiv/dpa

Aachen/Heinsberg/Düsseldorf. Mit einer fiesen Betrugsmasche haben es Kriminelle auf Senioren und deren Hab und Gut abgesehen. Als falsche Polizisten erschleichen sie sich das Vertrauen ihrer Opfer. Die Masche von sogenannten falschen Polizisten funktioniert meist nach demselben Prinzip: Ein Anruf, warnende Worte – und ein vermeintliches Hilfsangebot. Ihr Ziel: Geld und Wertgegenstände.

Die Täter agieren dabei deutschlandweit, wie es beim Bundeskriminalamt (BKA) in Wiesbaden heißt.

Allein in Nordrhein-Westfalen wurden von Januar bis März mindestens knapp 1200 Fälle gemeldet – fast doppelt so viele wie in den drei Monaten zuvor. Das Landeskriminalamt (LKA) geht bei diesen Delikten zudem von einer hohen Dunkelziffer aus.

Auch in der Region ein Thema

„Auch bei uns in der Region sind falsche Polizisten ein Thema“, sagt Petra Wienen, Sprecherin der Polizei Aachen.

Wenn der „Enkeltrick“ nicht ziehe, komme oft die Betrugsmasche mit dem falschen Polizisten zum Einsatz. Und wie schon beim „Enkeltrick“ werden ältere Menschen als potenzielle Opfer ausgewählt. Die Täter suchten im Telefonbuch nach Namen, die auf ein hohes Alter schließen lassen. Dann behaupten sie beispielsweise, der Angerufene stehe auf einer Einbruchsliste von Kriminellen. Ein Kollege werde kommen und Wertgegenstände zur sicheren Verwahrung abholen. Eine andere Masche: Auf dem Konto des Opfers liege angeblich Falschgeld, das überprüft werden müsse.

Opfer werden häufig Senioren. Am Mittwoch erst ist am Landgericht Aachen ein Mann wegen Beihilfe zum Betrug in 18 Fälle und Beihilfe zum Versuchten Betrug in sieben Fällen zu zwei Jahren und sechs Monaten Gesamtfreiheitsstrafe verurteilt worden, weil er das Vertrauen von Senioren ausgenutzt hatte, sagt Daniel Kurth, Richter am Landgericht Aachen. Zwar agierte er nicht als falscher Enkel oder Polizist, dafür aber als Handlanger für Trickbetrüger, die aus dem Ausland operierten. Für sie hatte der Verurteilte Telefonnummern angemeldet.

Die Täter, die aus der Türkei agierten, hatten den Angerufenen hohe Gewinne in Aussicht gestellt, für die die möglichen Opfer zunächst einen hohen Geldbetrag an die „Glücksboten“ überweisen sollten, damit die angebliche Gewinnsumme ausgezahlt werden könne. Auch mit gefälschten Bankschreiben, mit Hilfe derer sich die Täter zugang zu den Konten ihrer Opfer verschaffen wollten, hatten die Täter hohe Summen ergaunert.

Auch in anderen Bundesländern schießen die Deliktzahlen – insbesonde, was die Masche um die falschen Polizisten und den Enkeltrick angeht – in die Höhe.

Zwar haben die Täter selten Erfolg, die Schadensumme ist teilweise jedoch enorm. Der Polizei in Münster zum Beispiel wurden seit Anfang September 100 Anrufe von falschen Polizisten gemeldet, nur bei sechs kam es zur Übergabe von Wertgegenständen, Schmuck oder Geld – insgesamt jedoch im Wert von mehreren 100 000 Euro. Die Schadenssumme in ganz NRW geht laut LKA in die Millionen. Die größte Beute in einem Einzelfall lag dort bisher bei über 520.000 Euro.

Polizei hat Verständnis

Man könne sich aber schützen, erklärt Angela Jansen, Sprecherin der Heinsberger Kreispolizeibehörde, auf Nachfrage. Sollte ein Polizist an der Haustür klingeln, seien ein paar Verhaltensregeln zu beachten, sagt sie. „Man sollte sich auf jeden Fall immer den Dienstausweis der Person zeigen lassen“, empfiehlt sie. Hilfreich sei dabei natürlich, wenn man den Ausweis eines Polizisten auch als solchen erkennen könne.

„Und beim geringsten Zweifel, sollte die Polizei unter 110 angerufen werden, um sich zu erkundigen, ob mit dem Beamten vor der Tür alles in Ordnung ist“, rät Jansen. „Man braucht auch keine Scheu zu haben, dem Polizisten erst einmal die Türe vor der Nase zuzumachen, um zu telefonieren. Ein echter Polizist wird Verständnis dafür haben, dass man sich zunächst absichern möchte.“

Auch wenn die Polizei sich zunächst telefonisch ankündigt, ist Vorsicht geboten. „Die Polizei ruft nur in seltenen Fällen an. Dann handelte es sich eventuell um Terminabsprachen oder Umlegungen. Vorladungen werden mit der Post verschickt“, erklärt Jansen. „Übrigens“, betönt sie, „die Polizei ruft nicht unter der Nummer 110 an. Wenn diese Nummer im Display erscheint, handelt es sich um einen betrügerischen Anruf.“

Auch am Telefon könne und solle man sich den Namen und die Dienststelle geben lassen und sich dort rückversichern, ob dort ein Polizist dieses Namens arbeitet. Man sollte sich dabei nicht zeitlich unter Druck setzen lassen. Zudem würde ein echter Polizist würde nie nach Bankdaten und Bankverbindungen fragen. Wenn dies geschieht, wird es sich um Betrüger handeln.

„Man sollte niemals am Telefon einer fremden Person – auch wenn sie vermeintlich von der Polizei ist – Kontodaten mitteilen und in keinem Fall Geld aushändigen“, warnt Jansen. „Auch dies wird ein echter Polizeibeamter nicht verlangen“, sagt sie.

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