Stolberg - Wie ein Stolberger zu „Bauer sucht Frau“ kam

Wie ein Stolberger zu „Bauer sucht Frau“ kam

Von: Angela Delonge
Letzte Aktualisierung:
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Mehr Natur geht kaum: Jürgen reitet sein Lieblingspferd – einen Golden Pinto mit Namen „Pu“ – durch die blühenden Wiesen, die zu seinem Hof gehören. Seine spezielle Reitweise nennt sich Rai – ohne Gebiss und ohne Zwang bleiben die Tiere total entspannt.

Stolberg. Der weiße Pickup – den gibt’s tatsächlich auf Jürgens Hof. Das Auto steht in der riesigen Scheune auf Jürgens riesigem Pferdehof, und wer vergangenen Sonntag die erste neue Folge der RTL-Serie „Bauer sucht Frau – das Leben ist (k)ein Ponyhof“ gesehen hat, weiß, dass der Pickup darin eine tragende Rolle spielte.

Ebenso wie Jürgen, der als „Pferdehofbesitzer aus der Voreifel“ in drei Folgen seine Traumfrau finden will. Ziemlich gewagt, möchte man sagen. Ein super Abenteuer, sagt Jürgen.

Der 50-Jährige ist bekennender „Bauer sucht Frau“-Fan, seit der Privatsender das Format 2005 aus der Taufe hob. Aber da mal aktiv mitzumachen, daran hatte er nie gedacht. Ein Freund brachte ihn auf die Idee. „Du sitzt hier immer so alleine rum“, meinte der. „Bewirb‘ dich da doch mal.“ Und weil Jürgen seit vier Jahren Single ist, nichts übrig hat für Datingportale und bei all der Arbeit mit seinem 26-Hektar-Hof und 50 Pensionspferden einfach nicht genug von dem hat, was andere Leute Freizeit nennen, ist es so gekommen, dass Jürgen jetzt im Fernsehen mal Akteur und nicht Voyeur ist.

Insgesamt fünf Kandidaten

Er ist einer von fünf Kandidaten – drei Frauen, zwei Männer, alle Pferdehofbesitzer, die sich vor laufenden Kameras freiwillig ziemlich entblößen, um für das Fernsehpublikum ein bisschen auf Gefühl zu machen. „Das muss man mit Humor nehmen und locker bleiben“, sagt Jürgen, und genau das hat er getan.

Zwei Bewerbungssätze und zwei Fotos später hatte er schon die Zusage von RTL, Interessentinnen nahmen ihn aufs Korn. Viele? „Ja, sehr viele“, sagt Jürgen und grinst. Eingeladen hat er dann nur zwei – Gabriella und Margret. Familie, Freunde und Nachbarn fanden’s gut. Und das Interesse reißt wohl nicht ab. Der Bauer vom Nachbarhof kennt das jetzt schon und winkt schmunzelnd weiter, wenn wieder eine Jürgens Hof sucht…

Den Zuschauer wundert’s, dass sich einer wie Jürgen via Fernsehen auf Partnersuche begibt, denn er ist zwar Landwirt, aber eigentlich nicht der Typ kontaktarmer Bauer, der sich nach ein bisschen Leben und Liebe sehnt. Jürgen ist groß, lässig, mit gewinnendem Lachen, das strohblonde Haar zum Zopf gebunden. Wow.

Der könnte genauso gut als Weltenbummler, Hippie oder Cowboy durchgehen – ein „wilder Sunnyboy“, wie Moderatorin Inka Bause meinte. So ein Mann bringt natürlich Quote: Am vergangenen Sonntag schauten wie schon 2012 wieder 3,44 Millionen beim Kennenlernen der Kandidaten und ihrer Möchtegern-Zukünftigen zu.

Andere Landwirte, die mit RTL eine Frau suchen, kommen längst nicht so vorteilhaft rüber wie Jürgen. Das sei doch gar nicht das Thema, sagt er. Er sieht vielmehr, dass die Sendung durchaus einen ernsten Hintergrund hat: „Viele Landwirte führen aufgrund ihrer Arbeit oft wirklich ein einsames Leben, und so kommen sie mal raus aus ihrem Loch und lernen mal, sich in der Welt zu bewegen.“

Die Sendung setze auf jeden Fall was in Gang, meint er, auch bei ihm: Eine ganze Woche lang war Dreh auf seinem Hof, mit Gabriella und Margret und einem „supernetten“ Filmteam. Kritik an den Produktionsbedingungen von RTL-Formaten, wie sie zuletzt vom Satiriker Jan Böhmermann erhoben wurden, kann Jürgen in seinem Fall nicht ausmachen.

„Ich durfte mich genauso geben wie ich bin und hatte jederzeit die Freiheit, Vorschläge des Teams anzunehmen oder abzulehnen.“ Es habe durchaus Situationen gegeben, wo er gesagt habe: „Ne, das mache ich nicht.“ Insgesamt findet Jürgen, dass das „ein tolles Kapitel“ in seinem Leben war, und „es hat super viel Spaß gemacht.“ Noch mal würde er es wohl nicht machen. Es war eben auch „super anstrengend“.

Kapitel hat es im Leben des gebürtigen Münsterländers schon viele gegeben, die meisten sind abgeschlossen: die Weltreise mit 21, die Tätigkeit als Tischler in Hamburg ebenso wie die als Redakteur bei Radio Rur in Jülich. Geblieben sind die Pferde, die sein Leben seit 20 Jahren bestimmen. Als er durch seine frühere Partnerin die Reitweise des sanften Rai-Reitens kennenlernte, war es um ihn geschehen. Ein Leben ohne Pferde ist für Jürgen seitdem nicht mehr vorstellbar, und auf seinem Hof leben die Tiere ganz frei nach dem Motto: Licht, Luft, Laufen. Für ihn persönliches zählt: Freiheit, Natur, Selbstbestimmtheit.

Dieser Mann kennt sich aus mit Neubeginnen. Und er fackelt dabei meistens nicht lange. „Ich weiß, was ich will“, sagt er, „und wenn ich mich einmal für etwas entschieden habe, dann zieh‘ ich das auch durch.“ Was er nun noch will, ist eine Frau, die dieses sehr spezielle Leben mit ihm teilt. Selbstständig soll sie sein, einen eigenen Beruf haben und Natur und Pferde mögen. „Ich such‘ keine Frau, die mir hier den Mist aufsammelt.“ Klare Ansage.

Als Mann mit klaren Vorstellungen ist Jürgen im Fernsehen zu erleben. Geradeheraus und ohne Schnickschnack. Bei ihm gibt es weder Blümchen noch Pferdebettwäsche. Aber einen ordentlichen Kaffee. Zur Begrüßung setzt er Gabriella und Margret erstmal hinten auf die mit frischem Heu gefüllte Ladefläche des Pickups und sagt: „Wenn die ‘ne Heuallergie haben, können wir die Sache gleich beenden.“ Hatten sie aber nicht, weshalb man am Sonntag sehen kann, wie es mit Jürgen und den Frauen weitergeht.

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