Herzogenrath - Wie Christian Rieger zum Retter wurde

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Wie Christian Rieger zum Retter wurde

Von: Beatrix Oprée
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Held des Tages: Saint-Gobain-Angestellter Christian Rieger, der half, in Herzogenrath zwei Mädchen und einen Hund zu retten. Foto: Beatrix Oprée

Herzogenrath. Es waren Hilferufe, die so leicht hätten überhört werden können: Zwei etwa zwölfjährige Mädchen sind am Dienstagnachmittag nahe den Glaswerken in Herzogenrath in eine lebensgefährliche Situation geraten, nachdem sie die regennasse Böschung zur Wurm hinuntergeklettert waren.

Sie wollten ihren Hund retten, der in den aufgrund der starken Regenfälle relativ schnell fließenden Bach gesprungen war und, so hatte es wohl den Anschein, nicht wieder alleine ans Ufer gelangen konnte. Beim Versuch, des Tieres habhaft zu werden, rutschten die Mädchen jedoch selbst ins rund einen Meter tiefe Wasser und, so berichtet die Herzogenrather Feuerwehr, wurden von der Strömung mitgerissen.

Nach rund 150 Metern gelang es ihnen, sich an überhängenden Ästen festzuhalten. Selbst befreien konnten sie sich aus dieser verzweifelten Lage – an einsamer Stelle und von dichtem Strauchwerk völlig verdeckt – offenbar nicht.

Rund fünf Meter über ihnen, auf der anderen Uferseite, liegt das Werksgelände von Saint-Gobain Sekurit. Zum großen Glück für die beiden völlig durchnässten und frierenden Mädchen hatte sich Christian Rieger (26), Schlosser in der CMS-Werkstatt, mit einem Werksfahrrad auf den Weg über das weitläufige Gelände gemacht, um eine an der Pforte hinterlegte Lieferung abzuholen.

Reger Betrieb herrscht den ganzen Tag über an der Firmenzufahrt, Lastwagen und Pkw passieren die Schranken im Minutentakt. Aufgrund der Motorengeräusche hatte Rieger auf dem Hinweg nichts Ungewöhnliches wahrgenommen. Als er mit dem Rad jedoch den Rückweg angetreten hatte, muss einen Moment lang Ruhe geherrscht haben.

„Plötzlich hörte ich ein Kind rufen“, berichtet Christian Rieger unserer Zeitung. „Im ersten Moment habe ich mir noch nichts dabei gedacht, spielende Kinder gibt es ja öfters da unten.“ Doch irgendwie klang das Ganze anders als sonst, ernster, verzweifelter. Rieger beschloss, dem Klang der Stimme nachzugehen. Durch das dichte Laubwerk hindurch versuchte er, einen Blick auf den Bachlauf zu werfen und entdeckte schließlich die beiden Mädchen, die sich krampfhaft an der für ihn unerreichbaren anderen Uferseite festklammerten.

Geistesgegenwärtig forderte er die Kinder auf, Ruhe zu bewahren und klärte zudem ab, ob es ernsthafte Verletzungen gebe. Nachdem die Mädchen dies verneint hatten, rief er ihnen zu, er werde Hilfe holen und rannte zum Werkseingang zurück, wo er den Pförtner in Kenntnis setzte, der wiederum sofort die Feuerwehr informierte.

Rieger lief derweil über die nahe gelegene Wurmbrücke, um zu den Mädchen zu gelangen. „Dann ging alles sehr schnell“, erzählt er. „Schon nach wenigen Minuten war der Rettungshubschrauber da, kurz darauf die Feuerwehr.“

Die beiden Werksangehörigen wiesen den Rettern den Weg. Die Wehrleute schnitten mit einer Kettensäge die Uferböschung frei, gelangten mit Steckleitern an die rund fünf Meter tiefer gelegene Unglücksstelle und halfen den mittlerweile unterkühlten Mädchen, nach oben zu klettern. Der Hund, so berichtet Herzogenraths Wehrleiter Achim Schwark, habe nur einen kleinen Schubs gebraucht, um selbstständig die Uferböschung zu erklimmen. Sie wurden vom Rettungsdienst untersucht und anschließend nach Hause gebracht.

Froh ist Christian Rieger, die beiden verzweifelten Mädchen rechtzeitig gehört zu haben. Und wundert sich dennoch ein wenig über das große positive Echo, das er im Kollegenkreis bis hin zu seinen Chefs für seinen Einsatz erfahren hat, den er für absolut selbstverständlich hält.

„Wir sind stolz, dass ein Angestellter unseres Werks so beherzt reagiert hat und genau wusste, was zu tun war“, würdigt Firmensprecherin Sandra Rikowski den jungen Kollegen. Die strengen werksinternen Sicherheitsstandards, auf die alle Mitarbeiter immer wieder hingewiesen werden, hätten sich in diesem Falle doppelt ausgezahlt.

Auch für die Herzogenrather Feuerwehr war die Rettungsaktion durchaus kein alltäglicher Einsatz: „Der Leitstelle waren drei Kinder in der Wurm gemeldet worden“, berichtet Achim Schwark. Entsprechend groß war die Alarmierung: Insgesamt 43 Wehrleute der städtischen Hauptwache sowie die Löschzüge Herzogenrath und Merkstein rückten aus, dazu drei Rettungswagen, der Rettungshubschrauber und zwei Notärzte. Zum Glück ist alles glimpflich ausgegangen.

Sich in solch einer Situation, vor allem nach starken Regenfällen, von Wasser und steilen Uferböschungen fernzuhalten, rät der Feuerwehrchef dringend. Und im Unglücksfall sofort die Feuerwehr zu rufen, anstatt sich selbst in Gefahr zu bringen, wichtig dabei: „Einsätze zur Rettung von Menschen, Tieren und Sachwerten sind nicht kostenpflichtig!“

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