Hellenthal - Wie aus Mängeln Einzigartigkeit wird

Wie aus Mängeln Einzigartigkeit wird

Von: Verena Müller
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Ein Hohlpfeiler der Oleftalsperre von innen: Staumauermeister Holger Müller überwacht die Stabilität. Bereits zwei Mal in der 50-jährigen Geschichte der Talsperre bei Hellenthal musste am Bau nachgebessert werden, weil sich Risse gebildet hatten. Foto: Verena Müller

Hellenthal. Weltweit einzigartig ist die Oleftalsperre. Das kann man wohl mit Fug und Recht behaupten. Nicht etwa, weil die Grundidee - hohle Pfeiler statt einer massiven Betonmauer - damals, vor 50 Jahren, eine architektonische Revolution gewesen wäre.

Nein. Ähnliches gab es schon in Italien und in der Schweiz. Sondern weil die Eifler sparen wollten und eine Konsequenz dessen war, dass sich schon während der Bauzeit Risse an den Pfeilern bildeten. Gleich zwei Mal musste umfangreich nachgebessert werden. Am vergangenen Samstag nun wurde das 50-jährige Bestehen der Talsperre gefeiert. Mehrere tausend Menschen aus der gesamten Region kamen zum Tag der offenen Tür.

Bei den Führungen konnten die Besucher Details über die Hilfskonstruktionen erfahren. „Die Rurtalsperren-Gesellschaft hatte sich für diesen, 17 Millionen Mark teuren Entwurf entschieden, um eine Million Mark zu sparen.

Nach der ersten Verstärkung war die Einsparung schon wieder dahin, die zweite Maßnahme kostete 30 Millionen Mark”, erzählt Herbert Polczyk, Leiter des Unternehmensbereichs Talsperren des Wasserverbands Eifel-Rur (WVER). Aber noch einmal von vorne anzufangen, sagt er, wäre erstens noch teurer geworden und zweitens hätte der Stausee abgelassen werden müssen. Acht Kommunen mit über 16.000 Haushalte hätten auf dem Trockenen gesessen. Undenkbar also. Hatte doch schon der Anschluss der Eifeler an die Trinkwasserversorgung für genug Verdruss gesorgt.

Viel Überzeugungsarbeit

„Da wurde wirklich Pionierarbeit geleistet”, sagt Arno Lehmkühler, Werkleiter des Wasserverbands Oleftal. Nicht technischer Art, sondern im Sinne von Überzeugungsarbeit. „Bis vor 50 Jahren hatte hier jeder Ort seine Quelle, viele Einwohner sogar einen eigenen Brunnen im Garten”, sagt Polczyk. Dass dann die Hauswand für die Verlegung der Leitungen durchbohrt werden musste und die Anwohner dafür auch noch bezahlen sollten, war den Eifelern nur schwer beizubringen. Es gab aber keine Wahl. Der Anschluss war Pflicht.

An erster Stelle beim Staumauerbau stand aber nicht die Trinkwasserversorgung, sondern der Hochwasserschutz. Um diese Jahreszeit ein unscheinbarer Bach, kann die Olef im Frühjahr 25 Kubikmeter Wasser pro Sekunde führen. Zum Vergleich: In Trockenperioden sind es nur wenige Liter.

Erste Pläne für eine Talsperre hatte die Rurtalsperren-Gesellschaft zu Aachen, Vorläufer des Wasserverbands Eifel-Rur schon in den 30er Jahren. Eine der Urfttalstaumauer ähnliche Gewichtsstaumauer sollte es werden. Dann kam der Zweite Weltkrieg. Erst 1953 nahm das Vorhaben konkrete Formen an, 1955 war der Baubeginn der materialsparenden sogenannten Betonhohlzellenpfeiler-Staumauer.

Beteiligt waren übrigens auch Trinkwasserunternehmen des Aachener Raums. Sie haben noch heute das Recht, Wasserkontingente zu reservieren. Maximal zehn Millionen Kubikmeter pro Jahr werden bei Bedarf zur Verfügung gestellt, die auf dem natürlichen Weg über Olef und Urft in die Urfttalsperre und über das Staubecken Heimbach in die Rur geleitet werden können. Zehn Millionen Kubikmeter sind nicht wenig - rund 18 Millionen Kubikmeter Wasser staut die Oleftalsperre bei Höchststand, etwa acht Millionen sind es im Sommer.

Schon 1957, Ende des zweiten Baujahrs, wurden Risse an den Pfeilern sichtbar. Der Felsengrund war starrer als angenommen, dadurch kam es bei erhöhter Spannung zu Verformungen. Die Pfeiler mussten zwischen 1962 und 1965 von innen mit Stahlbetonwänden verstärkt werden. Kein leichtes Unterfangen. Alles Material und alle Gerätschaften mussten durch eine zwei mal ein Meter große Öffnung geschafft werden.

Nicht einmal zehn Jahre später wurden dann bei Routinekontrollen die nächsten Risse entdeckt. Dieses Mal an Pfeilerköpfen. „Die Risse waren nur zwischen 0,05 und 0,3 Millimeter groß”, sagt Polczyk. „Staumauern haben aber nach Atomkraftwerken das größte Gefährdungspotenzial”, sagt Lehmkühler. Also wurden auf der sogenannten Luftseite der Mauer die Lücken zwischen den Pfeilern mit Beton verschalt, zusätzlich wurden Abstützbalken eingezogen.

Rudernd überwachen

Um sicherzugehen, dass nicht doch noch ein Riss übersehen wird oder etwa durch Sickerwasser, das nicht abfließen kann, Druck entsteht, wurde in den Folgejahren ein kompliziertes Überwachungssystem eingeführt. Im Blick hat das Holger Müller, der Staumauermeister des Wasserverbands Eifel-Rur. Er ist übrigens auch der einzige, der zwecks Kontrollen an den Außenwänden mit dem Boot über den See fahren darf. Nur Angeln ist dem „Normalsterblichen” an der Oleftalsperre erlaubt.

Bislang ist an der Mauer alles in Ordnung. Und laut Bezirksregierung Köln hat der Wasserverband Eifel-Rur auch bis Ende 2108 das Recht, mit dieser Talsperre weiterhin Wasser aufzustauen. Fast das Dreifache ihres jetzigen Alters kann sie also mindestens noch erreichen.

Die Oleftalsperre in Zahlen

Die Krone der Staumauer ist 282 Meter lang, sie wird von 16 Pfeilern getragen. Ein Pfeiler ist 18 Meter breit, die Wände sind oben drei und unten sechs Meter dick.

19 Millionen Kubikmeter Wasser kann der See maximal fassen. De facto sind es rund 18 Millionen Kubikmeter bei Höchststand und etwa acht Millionen im Sommer. 750 Kubikmeter Wasser werden pro Stunde in die Haushalte geschickt. Das sind 18 Millionen Liter am Tag.

Aus dem 3000 Kubikmeter Wasser fassenden Speicher im Hang wird das Wasser nach seiner Aufbereitung auf 240 Höhenmeter (das entspricht einem Druck von 24 Bar) gepumpt. 1,4 Millionen Kubikmeter werden pro Jahr maximal, minimal 1,2 Millionen verbraucht.

Versorgungsgebiet Wasserverband Olef

Zum Versorgungsgebiet des Wasserverbands Oleftal gehören folgende Städte und Gemeinden: Wolfgarten, Einruhr, Gemünd, Kalenberg, Dreiborn, Schleiden, Kall, Sötenich, Hellenthal, Stistig, Marmagen, Hollerath, Giescheid, Udenbreth, Schmidtheim, Dahlem, Losheim, Kehr und Kronenburg, darüber hinaus auch Vogelsang und die Stadt Bad Münstereifel.

Zweck der Talsperre ist neben Hochwasserschutz, Trink- und Brauchwasserbereitstellung sowie Niedrigwassererhöhung auch die Energieerzeugung.
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