Aachen - Widersacher schmieden starke Allianz

Widersacher schmieden starke Allianz

Von: Thorsten Karbach
Letzte Aktualisierung:

Aachen. Europas Weg aus der Krise führt direkt in die führenden europäischen Universitäten. Davon ist Ernst Schmachtenberg, Rektor der RWTH Aachen, mehr denn je überzeugt. Und er findet in diesen Tagen ausschließlich Zustimmung: In Aachen tagt die „Cesaer“, ein Verbund der besten technischen Universitäten auf dem Kontinent, und mehr als 40 Rektoren aus 19 Ländern schmieden an ihrer Allianz, die mittels Innovation und Unternehmertum aus ihren Reihen Europa weiterbringen will.

Außerdem diskutieren die Vertreter der sogenannten Idea-League (ETH Zürich, TU Delft, Paris Tech und RWTH) und die Rektoren und Präsidenten der TU9, der größten deutschen technischen Universitäten um RWTH und TU München.

„Wir haben unser Potenzial doch noch gar nicht ausgeschöpft“, sagt Schmachtenberg. Die RWTH ist erstmals Gastgeber einer solchen Generalversammlung, es ist die 25. ihrer Art. So viele hochkarätige TH- und TU-Spitzen hat auch die Aachener Exzellenz-Universität noch nicht erlebt.

Beim obligatorischen Gruppenbild stehen sie fein aufgereiht, Rektor Schmachtenberg verschwindet als guter Gastgeber in der letzten Reihe – er zählt auch körperlich zu den Größten seiner Zunft. Und die anwesenden Rektoren wirken, als seien sie enger denn je zusammengerückt.

Dabei sind sie auf vielen Ebenen durchaus Widersacher: Wenn es um die besten Studenten, Dozenten, Professoren und nicht zuletzt um Fördermittel geht, dann sind beispielsweise RWTH Aachen und TU München erbitterte Rivalen. Und beide stehen auch noch in erheblicher Konkurrenz beispielsweise zu den „Cesaer“-Mitgliedern ETH Zürich und EPF Lausanne. Doch darum geht es in diesen drei Tagen in Aachen nicht.

„Ja, es gibt diesen Reflex, dass wir Mitbewerber sind und uns nicht gerne in die Karten schauen lassen. Aber wir müssen lernen, so wie hier miteinander zu reden und eine gemeinsame Sprache finden“, sagt Schmachtenberg.

Denn längst stehen Universitäten und Technologieregionen im weltweiten Wettbewerb insbesondere mit Asien und den USA. „Es geht hier nicht gegen etwas. Es ist für Europa. Die Nationen in Europa sind doch Zwerge. Wir müssen unsere Kräfte bündeln“, erklärt Schmachtenberg. Insbesondere das Unternehmertum, das in den Universitäten entwickelt wird, müsse weiter gefördert werden.

„Es ist doch klar: In Aachen ist die alte Industrie rückläufig. Aus der RWTH entwickeln sich dagegen jedes Jahr 40 Unternehmen, das ist Strukturwandel. Und das ist in anderen Regionen genauso“, erläutert Prorektor Malte Brettel.

Gemeinsam stellten sich die Rektoren die Frage, wie sie dieses Unternehmertum noch weiter fördern können. „Das ist kein Fach wie Mathematik, es muss in allen Fächern vermittelt werden“, sagt beispielsweise Schmachtenberg. Aus den 19 Ländern gab es ganz unterschiedliche Ansätze, Beispiele für gelungene Förderung des Gründertums.

Der RWTH-Campus wurde als Verknüpfung von Wissenschaft und Wirtschaft präsentiert. Aber auch im walisischen Swansea gibt es ein erfolgreiches Modell, Unternehmen in die Forschung einzubinden. „Wir werden nicht mehr lange sagen können, die Campus-Idee sei ein rein Aachener Modell“, berichtet RWTH-Rektor Schmachtenberg. So nahmen die Gäste, die natürlich auch die Stadt samt Dom gezeigt bekamen, also auch die Campus-Idee mit in ihre Heimat.

Unterschiedliche Bedingungen

Dort erwarten sie dann aber wieder recht unterschiedliche Rahmenbedingungen – auch das wurde während der „Cesaer“-Versammlung deutlich. So konnte die Universidade do Porto zwar von vielen exzellenten Absolventen berichten. Es wurde aber auch darüber geklagt, dass es diese Absolventen nach Deutschland zieht anstatt in ihrer Heimat ein Unternehmen zu gründen.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert