Aachen - Wichtiger denn je: das Kommunizieren über das Kommunizieren

Wichtiger denn je: das Kommunizieren über das Kommunizieren

Von: Amien Idries
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Zur Zukunft des Journalismus (von links): René van Zanten (Stiftung Journalismus), Nina Leßenich (Volontärin), Chefredakteur Bernd Mathieu und Franziska Seitz im Gespräch mit Robert Esser. Foto: Harald Krömer
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Josef Thouet wurde zur Stimme der Region gekürt.

Aachen. Keine Frage, Kommunizieren ist so alt wie die Menschheit. Und so war dann auch eine Erkenntnis des gleichnamigen „Aachen-2025“-Themenparks im Medienhaus Zeitungsverlag Aachen, dass Kommunizieren unabhängig von allen technischen Neuerungen vor allem in der Oldschool-Variante Spaß macht: Zusammenkommen, interessante Vorträge hören, diskutieren.

Im Prinzip wie damals am Lagerfeuer. Das war es dann aber auch schon in Sachen alter Schule. Ging es doch in Vorträgen und Ausstellungen um die Zukunft der Kommunikation in all ihren Facetten.

Journalismus:

Bernd Mathieu, Chefredakteur unserer Zeitung, entwarf in seinem Vortrag eine Zukunftsperspektive zur Rolle von regionalen Medien. Die müsse sich vor dem Hintergrund der sich durchs Internet immer weiter beschleunigenden Informationsmöglichkeiten ändern, ohne jedoch Qualitätskriterien über Bord zu werfen. Vor allem um einem jüngeren Publikum den Wert von hochwertigem Journalismus nahezubringen, gelte es die crossmedialen Möglichkeiten auszuschöpfen. Der Datenjournalismus berge etwa die Möglichkeit, komplexe Sachverhalte anschaulich zu präsentieren. Auch im Bereich der Sozialen Netzwerke müsse man noch aktiver werden.

Einblicke in die niederländische Medienlandschaft offenbarte René van Zanten von der niederländischen Stiftung Journalismus. Die hat Zukunftsszenarien für den Journalismus im Jahr 2025 entworfen, die von der völligen Auflösung publizistischer Mittelsmänner bis zu einer Welt reichen, in der nur noch wenige große IT-Konzerne die Informationsflüsse beherrschen. „Ich weiß natürlich auch nicht genau, wie sich der Journalismus entwickeln wird“, räumte van Zanten ein. Es sei aber wichtig, sich auf mögliche Entwicklungen einzustellen.

Kommunikationstechnik:

Hier elektrisiert derzeit alle 5G. Das ist der neue Mobilfunkstandard, der bis 2020 kommen und den Weg zur „nächsten industriellen Revolution ebnen“ soll, wie Norbert Niebert vom Ericsson Eurolab Aachen erläuterte. Wissenschaftlich untermauert wurde diese Einschätzung von Prof. Frank Fitzek (TU Dresden). Entscheidend sei die größere Bandbreite und eine niedrigere Reaktionszeit bei der Interaktion mit dem Netz. Dabei gehe es weniger um schnellere Onlinespiele, sondern um Anwendungen wie kooperierende Roboter in der Industrie, vernetztes Fahren oder ferngesteuerte humanoide Roboter für den Katastropheneinsatz.

Zukunftsmusik, in die Wolfgang Heer ein wenig Dissonanz brachte. Heer ist Vorsitzender des Bundesverbands Glasfaseranschluss und beklagte, dass Deutschland in Sachen Glasfaserausbau hinterherhinke. Bandbreite, Bandbreite, Bandbreite, so sein Credo.

Mensch-Maschine-Kommunikation:

Carlo Matic (Interactive Pioneers) blickte am Sonntag genau neun Jahre in die Zukunft und skizzierte seinen digitalisierten Tagesablauf am 25. September 2025. Seine Vision: weniger Interfaces, weil Bedürfnisse des Users antizipiert werden und jede Oberfläche ein potenzieller Bildschirm ist. Intelligentere Interaktion zwischen Mensch und Maschine, die ihrem Dienstherrn Entscheidungen abnimmt oder ihm individuelle Angebote macht.

Kommunikation in Sozialen Medien:

Dennis Breuer, Social-Media-Manager der Tema AG, zeichnete ein ambivalentes Bild von den Herausforderungen durch Facebook & Co. Einerseits bestünde für Oppositionelle in Diktaturen durchaus die Möglichkeit, Soziale Netzwerke für ihre Zwecke zu gebrauchen. Dem demokratischen Potenzial stünde aber andererseits auch eine diktatorische Tendenz von social media gegenüber. Nicht nur einmal sagte Breuer: „Das kann einem schon Angst machen“.

Sprache als Kommunikationsmittel:

Faszinierend und beängstigend zugleich war der Vortrag von Dirk C. Gratzel. Sein Unternehmen Precire Technology analysiert Sprache anhand Hunderttausender Merkmale und kann so mit hoher Wahrscheinlichkeit etwa Charaktereigenschaften erkennen. Die Anwendungsbeispiele sind zahlreich: in der Medizin zur Früherkennung von Parkinson oder bei Vertriebsmitarbeitern, deren Sprache mit Blick auf ihre Verkaufsleistung analysiert wird. Auch in der Personalauswahl kommt Precire zum Einsatz. Eine mächtige Technologie, bei der Missbrauch nicht komplett ausgeschlossen werden kann, wie Gratzel einräumte. Deshalb sei ein verantwortungsvoller und gesetzestreuer Umgang mit ihr vonnöten. Vor allem, weil man den Nutzen nicht hoch genug einschätzen könne.

 

Fazit: Das Kommunizieren über das Kommunizieren ist in diesen Zeiten notwendiger denn je. Gerne auch in der Oldschool-Variante mit einem Gastgeber (Andreas Müller, Geschäftsführer des Zeitungsverlags), Moderatoren (AN-Redakteurin Laura Beemelmanns sowie AZ-Redakteur Robert Esser), guten Referenten und einem interessierten Publikum.

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