Wer wird Meisners Nachfolger in Köln?

Von: Marlon Gego
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Wenn der Papst zustimmt, geht Kardinal Meisner am 25. Dezember in den Ruhestand, dem Tag seines 80. Geburtstags. Foto: stock/Thilo Schmülgen

Köln. Obwohl in Köln auch der Fernsehsender RTL beheimatet ist, der seit einigen Jahren am allerliebsten Castingshows ausstrahlt, gibt es bislang noch keine Gerüchte darüber, dass auch der Nachfolger von Erzbischof Joachim Meisner von RTL-Erzjuror Dieter Bohlen ausgesucht wird, immerhin.

Denn obschon der Papst noch gar nicht darüber entschieden hat, das Rücktrittsgesuch Kardinal Meisners nun anzunehmen oder nicht, wird über seine Nachfolge wenigstens hinter vorgehaltener Hand schon aufgeregt spekuliert. Als Meisner aus Berlin nach Köln kam, stand die Mauer noch, seit Februar 1989 ist er im Amt. Welche Anforderungen muss jemand erfüllen, der einem wie Meisner im größten Bistum Deutschlands nachfolgt?

Überhaupt wird in der katholischen Kirche in Deutschland in diesen Tagen viel über Nachfolgen diskutiert, denn auch der Freiburger Erzbischof und Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch (75), ist nur noch sozusagen kommissarisch in beiden Ämtern. Ein anderer Erzbischof, Werner Thissen in Hamburg, wird nächstes Jahr 75 und wohl ebenfalls abgelöst. Nicht besetzt sind im Moment die Bischofsstühle in Passau und Erfurt, und der Aachener Bischof, Heinrich Mussinghoff, wird im Oktober 2015 75 und den Papst um seinen Rücktritt bitten.

Wenn man sich in Kölner Kirchenkreisen umhört und liest, wie sich Meisner in seinen vielen Interviews zuletzt geäußert hat, dann könnte man auf die Idee kommen, dass er schon so etwas wie einen Wunschnachfolger hätte. Sein Name: Franz-Peter Tebartz-van Elst. Natürlich steht es weder Bischöfen noch Erzbischöfen zu, ihre Nachfolge zu regeln, auch Josef Ratzinger hat dem Konklave nicht erklärt, wen er sich zum Nachfolger als Papst wünscht. Trotzdem ist Meisner in der Vergangenheit schön öfter als Freund und Förderer des Limburger Bischofs Tebartz-van Elst aufgefallen, der in seinem Bistum ähnlich unbeliebt ist wie Meisner es war, als er 1989 nach Köln kam.

Die früheren Weihbischöfe

Hinzu kommt, dass Tebartz-van Elst gerade wegen Erster-Klasse-Reisen und dem bis zu 20 Millionen Euro teuren Umbau seiner Residenz eine Menge öffentlicher Entrüstung über sich ergehen lassen muss, was seine Chancen auf die Meisner-Nachfolge nicht eben steigern dürfte. Im Gespräch sind ebenfalls vier Männer, die unter Meisner in Köln einst zu Weihbischöfen ernannt wurden: Der Würzburger Bischof Friedhelm Hofmann (71), der Hildesheimer Bischof Norbert Trelle (71), der Bischof von Dresden-Meißen Heiner Koch (59) und der Berliner Erzbischof, Kardinal Rainer Maria Woelki (57).

Aus Köln ist zu hören, das Domkapitel, das dem Papst mögliche Nachfolger für Meisner vorschlagen wird, wünsche sich zwar einen gestandenen Bischof als neuen Erzbischof. Allerdings auch einen, der noch jung genug ist, um, ähnlich wie Meisner, eine eigene Ära in Köln begründen zu können. Damit würden Hofmann und Trelle eher nicht in Frage kommen. Bei Heiner Koch ist das Problem, dass er noch nicht einmal seit einem Jahr sein Bischofsamt in Dresden ausübt, bei Woelki, dass ein Wechsel von einem Erzbistum in ein anderes ungewöhnlich wäre. Ausgeschlossen ist ein solcher Wechsel andererseits nicht.

Aus dem Erzbistum Köln selbst käme wohl am ehesten Weihbischof Dominikus Schwaderlapp (46) in Frage, der zwischen 2004 und 2012 als Generalvikar sozusagen Verwaltungschef des Erzbistums war. Die anderen Weihbischöfe sind entweder zu alt (Manfred Melzer, 69), emeritiert (Klaus Dick, 85) oder gerade erst zum Bischof geweiht worden (Ansgar Puff, 57).

Andere Namen, die in der Nachfolge-Diskussion bereits gefallen sind: Franz-Josef Overbeck (49), Essener Ruhrbischof und Militärbischof der Bundeswehr, Franz-Josef Bode (62), Bischof von Osnabrück, und Stephan Ackermann (50), Bischof von Trier und innerhalb der deutschen katholischen Kirche spätestens seit Übernahme der Rolle als Aufklärer der kirchlichen Missbrauchsskandale hoch gelobt. Außerhalb der Kirche ist das Lob für Ackermann, dem Missbrauchsbeauftragten der Deutschen Bischofskonferenz, nicht gar so groß. Immerhin war er es, der in diesem Zusammenhang die Zusammenarbeit mit dem Kriminologen Christian Pfeiffer beendet hatte.

In Osnabrücker Kirchenkreisen gibt es Menschen, die davon ausgehen, dass Bischof Bode wenigstens auf der Kandidatenliste der potenziellen Meisner-Nachfolger erscheint. Er ist offen, diskussionsfreudig und daher beliebt, er ist im idealen Alter, hat allerdings keine Wurzeln in Köln. Ebenso wenig wie Georg Gänswein, Privatsekretär von Papst Benedikt XVI. und kurz vor dessen Rücktritt noch zum Erzbischof befördert. Gänswein hatte nach ersten Spekulationen im August erklärt, auf keinen Fall Erzbischof von Köln werden und lieber in Rom bleiben zu wollen. Er wird andererseits als Nachfolger von Erzbischof Robert Zollitsch in Freiburg gehandelt, ohnehin Gänsweins Heimat-Bistum.

Auf wen die Wahl auch immer fällt, eines steht schon jetzt fest: Papst Franziskus, der auf die Besetzung sämtlicher (Erz-)Bischofsstühle Einfluss nimmt, kann durch die Auswahl vieler im Moment und in naher Zukunft vakanter Bischofsstellen die katholische Kirche in Deutschland prägen. Als er vor einigen Monaten erstmals einen Bischof im deutschsprachigen Raum ernannte, im Bistum Feldkirch in Österreich, fiel seine Wahl auf Benno Elbs (52). Elbs kommt aus der Feldkircher Region, es heißt, er sei ein in der Kirche und vor allem in der Bevölkerung geschätzter Geistlicher.

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