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Wer versendet eigentlich die Spammails?

Von: Katja Laska
Letzte Aktualisierung:

Aachen. In manchen Mails wird den Empfängern das Blaue vom Himmel versprochen, obwohl niemand nach dem Blauen vom Himmel gefragt hat. In Spammails werden Millionengewinne, ein Auto oder günstig Pillen versprochen, täglich. Mehrfach. Es nervt. Und Oliver Hohlfeld geht es da nicht anders.

Hohlfeld ist Informatiker an der RWTH und hat sich nach einem Gespräch mit einem Freund der Spammails angenommen. „Wir haben uns über die Zumüllung unseres Postfachs aufgeregt und uns gefragt, was wohl passiert, wenn wir den Spieß mal umdrehen“, sagt Hohlfeld und hat es sich zur Aufgabe gemacht herauszufinden, woher die dubiosen Angebote kommen. Das war 2009. Seitdem hat sich viel getan.

Seine ersten Ergebnisse hat Hohlfeld 2012 präsentiert und damit Forscher der kalifornischen Universität in Santa Barbara auf sich und seine Arbeit aufmerksam gemacht. Seitdem forschen sie gemeinsam. Am Anfang stand eine eigene Domain, sprich eine Internetadresse. Auf dieser Seite veröffentlichte er Listen mit frei erfundenen E-Mailadressen. Bemerkenswert: Die erfundenen E-Mailadressen wurden sprichwörtlich bombardiert. „Wir haben uns gewundert. Die haben das echt genutzt“, sagt Hohlfeld und wirkt immer noch etwas verwundert. Doch wer sind eigentlich „die“?

Genau wissen sie es immer noch nicht. Aber was sie wissen, ist, dass es drei Spieler in diesem Spiel gibt: Verkäufer, Vertreiber und Ort des Vertriebs. Als erstes wäre da der Verkäufer. Er verkauft die E-Mail-adressen in Internetforen, sozusagen auf dem Schwarzmarkt, an die Vertreiber. Die sind wiederum auf die Adressen angewiesen, um ihre Kampagne unter die Leute zu bringen und dafür brauchen sie einen Ort des Vertriebs. Automatisierte Computerprogramme werden unbemerkt auf fremden Rechnern installiert und haben Zugriff auf die dort gespeicherten Daten. Von diesen Computern können dann die Spammails verschickt werden.

„Es läuft vieles im Verborgenen, deswegen ist es schwierig, Genaueres zu sagen. Wir denken, dass es eine gewisse ,Kundentreue‘ gibt. Die gekauften E-Maillisten und auch die Computerprogramme werden von den Vertreibern mehrmals für verschiedene Werbung genutzt“, sagt Hohlfeld. Wer jetzt denkt, dass die Hintermänner durch diese Geschäfte reich werden, irrt sich. „Für eine Million Adressen bekommt man auf dem Schwarzmarkt 20 bis 40 Euro“, sagt Hohlfeld. „Auch mit dem Verkauf der eingerichteten Computerprogramme verdient keiner ein Vermögen. Bei den Summen handelt es sich um Cent-Beträge.“

Wie der Versand der Spammails funktioniert, hat Hohlfeld herausgefunden. Aber welcher Sinn dahinter steckt, wer eigentlich profitiert, dazu hat er nur Vermutungen. „Ich denke, eine Menge dieser Spammails dienen dem Identitätsdiebstahl“, sagt Hohlfeld. Wer durch diese E-Mails etwas bestellen oder gewinnen möchte, muss oft persönliche Daten preisgeben. Nicht selten wird nach der Kontoverbindung, Kreditkarten- oder Personalausweisnummer gefragt. Und da wartet für die Spieler des Spiels das große Geld.

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