Wer mit wem? Schwarz-Gelb oder große Koalition?

Von: Frank Rafalski, dpa
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Berlin. Eigentlich hätten sich die Parteien die mehr als 60 Millionen Euro Wahlkampf-Kosten sparen können. Gemessen an den nackten Umfrage-Zahlen von Januar bis kurz vor dem Wahl-Sonntag, haben Union, SPD, FDP, Grüne und Linke ihre Zustimmungswerte nicht entscheidend verändern können.

Es bleibt damit an diesem Sonntag faktisch bei einem Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen dem Mitte-Links- und dem Mitte-Rechts-Lager mit nur zwei realistischen Regierungs- Varianten: Schwarz-Gelb oder Fortsetzung der großen Koalition.

Nach den letzten Befragungen der großen Institute gehen Union (um 35 Prozent) und FDP (13 bis 14) mit einem Vorsprung in die Wahl. SPD (24 bis 26), Linke (10 bis 11,5) und Grüne (10 bis 11) liegen allerdings nicht weit dahinter.

Nach dem am Freitag veröffentlichten Forsa-„Wahltrend” für RTL und „Stern” könnte es sogar einen Gleichstand geben: Union und FDP liegen demnach gemeinsam nur noch bei 47 Prozent und damit gleichauf mit SPD, Grünen und Linkspartei, die zusammen ebenfalls mit 47 Prozent rechnen könnten. Die Vergleichszahlen von 2005: Union 35,2 Prozent, SPD 34,2, FDP 9,8, Linke 8,7 und Grüne 8,1.

Die SPD erlebte in den letzten Wahlkampfwochen - auf niedrigem Niveau - den stärksten Umfrage-Schub. Dieser Trend könnte die Partei von Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier noch in einen halben Wahlerfolg retten.

Die kleineren Parteien stehen dagegen nach den aktuellen Umfragen bereits als Sieger der Wahl fest, weil sie nach vier Jahren der großen Koalition in den Umfragen durchweg zulegen können. Die Union von Kanzlerin Angela Merkel und die SPD müssen dagegen zittern. Verlieren sie mehr oder weniger deutlich, steht ihnen große Unruhe ins Haus.

Die SPD hat bis zum Schluss ihre Linie durchgehalten - erstes Wahlziel: keine Mehrheit für Schwarz-Gelb; zweites Wahlziel: eine eigene Mehrheit mit Grünen und FDP. Letzteres geben die Umfragen nicht her.

Die Union hat zunächst zurückhaltend, später offensiver auf ein Bündnis mit der FDP gesetzt. Sollte es dafür nicht reichen und stehen die Grünen nicht als Mehrheitsbeschaffer zur Verfügung, bleibt auch Merkel nur eine Fortsetzung der großen Koalition.

Dann allerdings gäbe es erneut rechnerisch eine Mehrheit für SPD, Grüne und Linke. Ein solches Linksbündnis hat Steinmeier bis 2013 ausgeschlossen. Ob das auch gilt, falls die SPD in den kommenden Jahren ihr Führungspersonal austauscht, bezweifeln Union und FDP.

Die Liberalen haben ihrerseits die Tür zu einer „Ampel” mit SPD und Grünen zugeschlagen. Die Grünen wiederum lehnen eine „Jamaika”- Koalition mit Schwarz-Gelb strikt ab. So bleiben am Sonntag praktisch nur zwei Machtoptionen: Eine Koalition von Union und FDP - oder eine Neuauflage von Schwarz-Rot.

Doch alle Berechnungen könnten sich auch als Makulatur erweisen. Vor vier Jahren lagen die Meinungsforscher vor der Wahl zum Teil gewaltig daneben. Die Union schätzten sie damals in den letzten Umfragen deutlich stärker ein und die SPD deutlich schwächer, als sie dann tatsächlich wurden. Das Ergebnis: Vier Jahre große Koalition.
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