Köln - Wer folgt in Köln auf Fritz Schramma?

Wer folgt in Köln auf Fritz Schramma?

Von: Markus Peters, ddp
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Fritz Schramma. Foto: dpa

Köln. 2009 ist ganz gewiss nicht das Jahr von Kölns Oberbürgermeister Fritz Schramma (CDU). Der Einsturz des Stadtarchivs am 3. März und der damit verbundene Tod von zwei jungen Männern trafen den rheinischen Gemütsmenschen Schramma schwer.

Bis zum Unglück in der Südstadt hatte der joviale und bürgernahe Studiendirektor als Favorit bei der Kommunalwahl am 30. August gegolten. Angesichts der anhaltenden Kritik an seinem Krisenmanagement und der mangelnden Unterstützung durch die Landespartei verzichtete Schramma am 29. März zermürbt auf eine erneute Kandidatur. Nun bereitet er schrittweise seinen Abschied von dem Amt vor, das er fast neun Jahre mit Leib und Seele ausgefüllt hat.

Fünf Kandidaten bewerben sich um die Nachfolge des 61-Jährigen. Erfolgsaussichten werden aber nur dem gemeinsamen Kandidaten von SPD und Grünen, Kölns ehemaligen Polizeichef und Regierungspräsidenten Jürgen Roters, sowie dem CDU-Bewerber Peter Kurth eingeräumt. Eine wichtige Rolle spielt auch der FDP-Kandidaten Ralph Sterck, der Kurth dringend benötigte Stimmen aus dem bürgerlichen Lager kosten könnte.

Laut einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Omniquest kommt Roters auf 58,6 Prozent der Stimmen. CDU-Bewerber Kurth liegt nur bei 30,3 Prozent. Für den FDP-Kandidaten Sterck würden 6,3 Prozent stimmen. Knapp ein Viertel der Befragten (24 Prozent) nennen keinen Kandidaten. 15,8 Prozent haben sich noch nicht entschieden.

Es gibt also angesichts der Unentschlossenen noch Hoffnung für den ehemaligen Berliner Finanzsenator Kurth, den die Kölner CDU erst nach einer quälend langen Kandidatenkür an den Rhein geholt hat. Der eloquente gebürtige Siegburger kommt durchaus an in Köln, Beobachter fragen sich allerdings, ob er seine Partei wirklich hinter sich hat.

Seine brüske Absage an den Klüngel und jedwede parteipolitische geprägte Pöstchenverteilerei irritiere manch christdemokratisches Urgestein, hört man aus Parteikreisen. Für Befremden sorgt mitunter auch Kurths mangelnde Begeisterung für den Karneval und den 1. FC Köln, während seine Homosexualität wohl kein Problem mehr für die Partei ist. Hartnäckig hält sich das Gerücht, dass Kurth für seine eher undankbare Mission in Köln mit einem Posten in der zukünftigen NRW-Landesregierung entschädigt werden soll.

Ein weiteres Problem für die Kölner CDU ist die am 4. August erfolgte Verurteilung ihres früheren Vorsitzenden Richard Blömer wegen einer Wahlspendenaffäre vor zehn Jahren. Der aktuelle Parteichef Jürgen Hollstein sprach von einem harten Urteil, das die Partei ausgerechnet zur Kommunalwahlzeiten getroffen hat.

Peter Kurth forderte Blömer unverblümt zum Rücktritt von seinem Posten als Chef des einflussreichen CDU-Stadtbezirks Lindenthal auf. Doch offenbar denkt Blömer gar nicht an Rücktritt, da er sich für unschuldig hält und gegen seine einjährige Bewährungsstrafe Berufung einlegen will.

Derweil hoffen die Christdemokraten immer noch, dass FDP-Kandidat Ralph Sterck in letzter Minute auf seine Bewerbung verzichtet. Sterck rät inzwischen listig zumindest indirekt zum Stimmensplitten. Sehr gerne dürften liberale Sympathisanten ihre Kreuze bei den FDP-Kandidaten für Stadtrat und Bezirksvertretung machen. Wer allerdings einen bürgerlichen Oberbürgermeister wünsche, solle sich doch für den Bewerber entscheiden, der die größten Erfolgsaussichten hat.

Der gemeinsame Kandidat von SPD und Grüne, Jürgen Roters, ist im Wahlkampf bislang noch nicht durch allzu pointierte Aussagen aufgefallen. Verständlich, muss er doch auf die durchaus unterschiedlichen Positionen der beiden Parteien Rücksicht nehmen, die er hinter sich hat. Da ist wohl einfacher, den Wählern von seinen früheren Erfolgen als Kölner Polizeipräsident zu berichten.

Fritz Schramma hat sich zu seinen weiteren politischen Plänen noch nicht geäußert. Aus seinem Umfeld verlautete, dass er sich bei der Wahl im Frühjahr um einen Sitz im Landtag bemühen will. Allerdings müsste zugunsten des Kölners ein anderer Bewerber verzichten, aufgrund des Regionalproporzes in der nordrhein-westfälischen Union ein Rheinländer. Das dürfte kaum freiwillig geschehen. Und da ist noch das angespannte Verhältnis von Schramma zu der Landespartei, der er nach seinem Rückzug mangelnde Unterstützung vorgeworfen hatte.
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