Wenn Zootiere ins Rentenalter kommen

Von: Dina Abel und Christoph Niekamp
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Nicht mehr ganz so jung: Das Rote Vari-Weibchen Tanja aus dem Kölner Zoo ist schon 30 Jahre alt – und damit quasi Rentnerin. Sie hält den Kopf etwas schief, vermutlich hatte sie einen Schlaganfall. Foto: dpa

Aachen/Jülich. Die Kapuzineraffendame „Venus“ zählt stolze 26 Jahre. Sie ist die älteste Bewohnerin des Euregiozoos in Aachen, dicht gefolgt von „Pünktchen“, einem 25-jährigen Pinguin. Ihr fortgeschrittenes Alter sieht man „Venus“ und „Pünktchen“ nicht an.

„Als Laie kann man das Alter von Tieren kaum erkennen, denn oft sind auch alte Tiere noch ganz aufmerksam und aktiv“, sagt Euregiozoo-Direktor Wolfram Graf-Rudolf. Trotzdem gebe es ein Merkmal, an dem das Alter von Felltieren sichtbar wird. Wie Menschen bekommen sie graue Haare. Besonders bei Eseln, Wölfen und Ponys färbt sich das Fell mit der Zeit grau, erzählt Hans-Josef Bülles, Geschäftsführer des Brückenkopfparks in Jülich.

„Manche werden kauzig“

Und es sind nicht nur die grauen Haare: Arthrose, Bandscheibenschäden, Zahnprobleme, grauer Star. Tiere bekommen im Alter die gleichen Wehwechen wie Menschen. „Manche werden etwas kauzig“, sagt Alexander Sliwa, Kurator im Kölner Zoo. Der Luxus im Zoo: Pflegenotstand gibt es eher nicht, denn hier kümmert sich ein Tierarzt um die Altersleiden der Bewohner. Erfolgreich.

Im Schnitt werden Tiere im Zoo doppelt so alt wie in der Natur. „Bei uns haben die Tiere keinen Nahrungs- oder Wassermangel, keine natürlichen Feinde, und Erkrankungen sind dank guter Pflege viel seltener. Das wirkt sich positiv auf das Alter der Tiere aus“, sagt Graf-Rudolf.

Zu den typischen Altersbeschwerden zählt bei den Tieren ein Zahnleiden. Deshalb wird im Brückenkopfpark viel Wert auf Zahnpflege gelegt. Esel und Ponys sind besonders betroffen.

Tierbabys sind die unangefochtenen Stars der Zoos. „Der Süß-Effekt zieht immer“, sagt Graf-Rudolf. Ein Jungtier ist bei den Besuchern zwar beliebter als eine 26-jährige Kapuzineraffendame, die Tierpfleger haben aber oft ein ganz besonderes Verhältnis zu den alten Tieren. Über viele Jahre hinweg kann eine enge Freundschaft zwischen Pfleger und Tier entstehen.

Den Altersrekord im Kölner Zoo hält Brüllaffe Chico mit 29 Jahren. Sein Fell ist schon etwas schütter, viele Zähne hat er nicht mehr. Im Euregiozoo ist ein Kapuzineraffenmann, der 38 Jahre alt wurde, Rekordhalter. Am Ende sah er fast nichts mehr und hatte kaum noch Zähne im Mund – trotzdem lebte er weiter in der Gruppe und verstand sich gut mit seinen Artgenossen. Ohnehin sei Altersaggressivität bei Tieren nicht üblich.

Tiere werden manchmal getrennt

Nur wenn sie sich nicht mehr richtig bewegen können, trete ab und zu eine leichte Gereiztheit auf, sagt Graf-Rudolf. Im Euregiozoo wie auch im Brückenkopfpark leben Alt und Jung zusammen. „Das ist wie bei einer ganz normalen Familie: Oma und Opa gehören einfach dazu“, sagt Bülles.

Problematisch kann das Zusammenleben nur werden, wenn alte Tiere Schwäche zeigen. „In der freien Wildbahn werden schwache Tiere getötet, im Zoo kommt das aber selten vor“, sagt Graf-Rudolf. Im Kölner Zoo musste Orang-Utan-Dame Tilda – 50 Jahre alt – von den anderen Orang-Utans getrennt werde. Sie bewegt sich langsam, und auf ihren Fingern zeichnen sich schon die Altersflecken ab.

„Die Jüngeren würden Sie nicht in Ruhe lassen“, sagt Sliwa. Alte Tiere seien weniger flexibel, nicht mehr so wendig. Bei den Roten Varis bemerkt Sliwa, dass das älteste Vari-Weibchen Tanja den Kopf ständig schief hält. „Die hat bestimmt einen Schlag bekommen“, vermutet er. Varis sind Halbaffen aus Madagaskar. Tanja ist noch dort geboren. Jetzt lebt die 30-Jährige mit ihrem 29-jährigen Mann Trouble getrennt von den jüngeren Varis im Kölner Zoo.

Auch was das Essen angeht, werden die Rentner im Zoo mitunter speziell behandelt – spätestens sobald sie unter Zahnproblemen leiden. Dann setzen die Pfleger auf altersgerechte Nahrung wie weiches Gemüse oder Fleisch ohne Knochen. „Die Nahrung der Tiere zu pürieren ist jedoch nahezu unmöglich, weil das Probleme mit der Verdauung und Verstoffwechselung mit sich bringen würde“, sagt Graf-Rudolf.

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