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Wenn Kinder den Aachener Dom erklären

Von: Katharina Menne
Letzte Aktualisierung:
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Kinderdomführerin in Aktion: Paula Schulte steht mit einer Gruppe vor dem Karlsschrein im Aachener Dom. Es ist eine von zwölf Stationen der Führung von Kindern für Kinder. Erwachsene dürfen aber auch zuhören. Foto: Andreas Hermann

Aachen. Stolz nehmen Paula Schulte und Maximilian Krückemeier den Domschlüssel in Empfang. Für die nächsten 45 Minuten haben die beiden Zwölfjährigen Schüler die Schlüsselgewalt. Damit dürfen sie in den Altarbereich des Aachener Doms und hoch zum Karlsthron – Bereiche, die für die Öffentlichkeit normalerweise nicht zugänglich sind.

Doch die beiden sind in besonderer Funktion hier: Als Kinderdomführer bringen sie Kindern und auch Erwachsenen den Aachener Dom und seine vielen Sehenswürdigkeiten näher.

Die Führung beginnt mit der Dombausage. Paula erzählt den staunenden Kindern, die sie umringen, wie die Aachener einen Pakt mit dem Teufel geschlossen haben, um den Dom finanzieren zu können. „Der Daumen vom wütenden Teufel steckt noch heute im Türgriff, weil die Aachener ihn ausgetrickst haben. Könnt ihr ihn fühlen?“, fragt sie. Noch klammert sie sich etwas nervös an ihren Karteikarten fest und schaut immer wieder nach, ob sie auch nichts vergessen hat.

Es gibt insgesamt zwölf feste Stationen, die als „Mindeststandard“ in der Ausbildung der Kinderdomführer festgelegt sind. Darüber hinaus sind die Kinder frei und dürfen auch andere Themen ansprechen.

Die nächste Station ist das Oktogon. Hier gibt es ein paar allgemeine Informationen zum Dom und zu seiner Bauweise. Maximilian stellt seine Lieblingsfrage: „Wie viele kleine Steine sind im Kuppelmosaik verbaut?“ Er mag die Frage besonders, weil kaum jemand damit rechnet, wie viele es tatsächlich sind: 25 Millionen. Alle machen große Augen. Und es geht weiter mit den großen Zahlen. Der Barbarossaleuchter, der im Oktogon hängt, ist 180 Kilogramm schwer. Um die Kette stabiler aussehen zu lassen, wird sie nach oben dicker – so muss keiner befürchten, dass ihm der Leuchter auf den Kopf fallen könnte.

Das besondere an den Kinderdomführungen sei, dass es von Kindern für Kinder ist und deshalb immer auf Augenhöhe, betont Kurt Schünemann. Zusammen mit Anne Ziemons, Charlotte Belau und Roswitha Caspar-Bours hat er das Ausbildungskonzept entwickelt. Während Schünemann die Terminanfragen koordiniert und mehr im Hintergrund agiert, sind die anderen drei für die Gruppenstunden und das pädagogische Konzept zuständig. „Uns ist wichtig, dass die Kinderdomführer ihre eigene Sprache benutzen und es deshalb für andere Kinder gut verständlich ist. Kinder haben einen ganz eigenen Blick auf die Dinge“, sagt Anne Ziemons.

Die Ausbildung dauert etwa ein Jahr und richtet sich an Kinder zwischen acht und 13 Jahren. Zusammen mit den zurückliegenden Ausbildungsjahrgängen gibt es aktuell rund 40 Kinderdomführer. Zu Beginn ihrer Ausbildung gehen sie selbst auf Entdeckungsreise durch den Dom und machen sich mit ihm vertraut. Danach werden die einzelnen Stationen modulweise erarbeitet. In wöchentlichen Treffen lernen sie die Theorie und erproben danach praktisch, eine Gruppe durch den Dom zu führen. Sie müssen viele Informationen bereithalten: historische und allgemeine Fakten, Besonderheiten, Sagen und Geschichten.

Die Kinderdomführungen gibt es bereits seit zehn Jahren. Im Jahr 2013 wurde das Angebot in Zusammenarbeit mit dem Domkapitel und dem Dombauverein stark ausgeweitet und als festes Element etabliert. Seitdem haben knapp 2000 Kinder und Erwachsene an 200 Führungen teilgenommen. „Das Angebot wird gut angenommen“, sagt Schünemann. „Die Kinder werden nach ihren Führungen viel gelobt. Diese Bestätigung ist wichtig, denn die machen das alle ehrenamtlich.“ Die Teilnahmegebühr für die Führungen fließt zu hundert Prozent in die Erhaltung des Doms.

Aber warum tun die Kinder sich das zusätzlich zur Schule an? „Mir macht es Spaß, andere Kinder durch den Dom zu führen. Man lernt ja auch selbst etwas dabei und kann es besser machen als die Erwachsenen“, sagt Maximilian. Und auch Paula bereut es nicht, mitgemacht zu haben. „Das ist auch gut für’s Selbstbewusstsein und für Vorträge in der Schule.“

Den Abschluss der Führung bildet immer der Aufstieg zum Karlsthron. Dazu schließt Maximilian das schwere Eisentor mit seinem Domschlüssel auf, das den Weg zur Treppe für alle anderen Dombesucher versperrt. Oben angekommen, erklärt er der Gruppe, dass die Platten des Throns aus der Grabeskirche von Jesus kommen und früher viele Leute extra deswegen und wegen anderer Reliquien nach Aachen gepilgert sind. „Was sind denn Pilger?“, fragen die Kinder. „Pilger sind Leute, die sehr stark glauben“, sagt Maximilian. Dann bekommt er Applaus und sogar etwas Trinkgeld von den Eltern. Den Kindern hat die Führung gut gefallen. Schade, dass Maximilian den Schlüssel wieder abgeben muss.

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